Philologenverband Baden-Württemberg
Top-Mitarbeiter der Industrie stundenweise an die Schulen – ein Karnevalsscherz zum Faschingsdienstag!
Mehr zu: Baden-Württemberg, Deutschland, Gymnasium, Hilfslehrer, Lehrerbildung, Lehrermangel, Schavan, Schulprojekte, Unterrichtsversorgung, Schule"Was hat sich die Bundesbildungsministerin Annette Schavan eigentlich mit ihrem Vorschlag gedacht, Manager und Ingenieure aus Industrie bzw. Wirtschaft für zwei Stunden Unterricht pro Woche an den Schulen zu gewinnen und damit dem Fachlehrermangel zu begegnen?", fragt der Landesvorsitzende des Philologenverbandes Baden-Württemberg, Bernd Saur. Dieser Vorschlag geht aus Sicht des Philologenverbandes völlig an der Realität vorbei. Für einen fehlenden Mathematiklehrer wären dann also zwölf bzw. dreizehn solcher externen Kräfte nötig, die ja vermutlich nach erteiltem Unterricht wieder rasch in ihren Betrieb enteilen würden, während sich die "regulären" Lehrer verstärkt der vielen und umfangreichen schulischen Zusatzgeschäfte annehmen. Dazu gehören zum Beispiel: Klassenlehreraufgaben, Eltern- und Schülergespräche, Klassenpflegschaftsabende, Konferenzen, SMV-Arbeit, Beratung und Betreuung von Praktikanten und Referendaren, Schüleraustausch, Klassenfahrten, Projekttage, BOGY, Aufsichten usw.
Seit vielen Jahren habe man dafür gesorgt, die Einkommens-, Status- und Arbeitsstandards der Lehrer auf ein niedriges Niveau herunterzufahren. Das Image der Lehrer in der Öffentlichkeit sei häufig durch Verunglimpfungen beschädigt worden; in all den Jahren sei es versäumt worden, und das bundesweit, eine vorausschauende Lehrereinstellungspolitik zu betreiben. Saur: "Und jetzt kommt die Bundesbildungsministerin mit Vorschlägen, die eher an einen rheinländischen Karnevalsscherz erinnern als an ein von bildungspolitischer Verantwortung und Weitsicht getragenes Handeln."
"Das ist nun wirklich schwer nachvollziehbar", so Saur weiter, "erst redet man die fachlichen und fachwissenschaftlichen Voraussetzungen des Gymnasiallehrerberufs klein, spricht von "Methodik statt Inhalten" und ändert in diese Richtung den Studiengang und die Prüfungsordnung – und jetzt sollen Fachleute aus der Industrie Unterricht erteilen, die überhaupt keine pädagogischen und fachdidaktischen Kenntnisse haben."
Wer dem derzeitigen gravierenden Lehrermangel in Deutschland wirksam begegnen wolle, der müsse die Attraktivität dieses Berufes durch viele Einzelmaßnahmen steigern, vor allem durch eine Absenkung der Unterrichtsverpflichtung, damit ein vernünftiges und gedeihliches pädagogisches Wirken zum Wohle der Schülerinnen und Schüler möglich sei.
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