Verband Bildung und Erziehung e.V.
Lehrerberuf bald auf der Roten Liste
Mehr zu: Berufseinstieg, Berufsorientierung, Föderalismus, Lehrerbildung, Lehrermangel, Referendariat, Studienwahl, Unterrichtsversorgung, Weiterbildung, Schule"Es wird höchste Zeit, dass die Kultusminister ihren Winterschlaf beenden", rät der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Ludwig Eckinger. Er wirft den Kultusministern eine "fahrlässige Untergrabung des Lehrerberufes" vor. Wenn nichts geschehe, drohe die Profession auf die Rote Liste zu kommen. "Von der Sitzung der KMK am 5. und 6. März in Stralsund erwartet der VBE eine substanzielle Einigung der Länder auf die Behebung des Lehrermangels", betont Eckinger. Kulturhoheit dürfe nicht länger mit Kleinstaaterei verwechselt werden.
"Das gegenseitige Abkaufen von Lehrerinnen und Lehrern zu Höchstpreisen ist eine schlechte Karikatur auf den Kulturföderalismus", so der VBE-Bundesvorsitzende. Zudem würden die verabredeten KMK-Standards in der Lehrerbildung bislang nicht dazu beitragen, die Lehrerausbildung attraktiver zu machen. "Es herrscht stattdessen ein länderübergreifendes Chaos in den Lehramtsstudiengängen", warnt Eckinger. "Zu wenig lehrerberufsspezifische Lehrangebote, schlechte Betreuung der Studierenden und unsichere Chancen auf ein Referendariat wirken eher abschreckend auf interessierte junge Menschen." Es sei keine Überraschung, meint Eckinger, dass auf 100 aus dem Lehrerberuf ausscheidende Kolleginnen und Kollegen lediglich 50 neu in den Beruf kämen.
"Seit mindestens sechs Jahren ist den Ministern bekannt, dass zunehmend Lehrerinnen und Lehrer fehlen", sagt Eckinger. "Unter dem Druck der Finanzminister wurden aber lediglich Klassenstärken erhöht, Förderstunden gestrichen, Referendare mit voller Unterrichtsverpflichtung belegt und Quereinsteiger in den Lehrerberuf geholt. Jetzt wird das Scheckbuch gezückt. Langfristige Personalplanung und Personalentwicklung sieht anders aus", kritisiert Ludwig Eckinger.
Der VBE-Bundesvorsitzende hatte bei Amtsantritt des KMK-Präsidenten Henry Tesch im Januar die Wiener Erklärung von VBE, der österreichischen Gewerkschaft GÖD und des schweizerischen LCH überreicht und dazu aufgefordert, "den Lehrerberuf nicht zum Notnagelberuf zu degradieren". Als Handlungsschwerpunkte sieht der VBE:
Aufwertung des Lehrerberufs durch exzellente universitäre Lehrerbildung. Alle Lehramtsstudiengänge müssen von Anfang an das Berufsziel der Lehrerin, des Lehrers realisieren. Die berufswissenschaftliche und berufspraktische Ausbildung muss gleichwertig mit der Ausbildung in den designierten Unterrichtsfächern werden.
Aufwertung des Lehrerberufs durch Gleichwertigkeit aller Lehrämter von der Grundschule bis zur Sekundarstufe II. Alle Lehramtsstudiengänge müssen in allen Bundesländern zu einem Masterabschluss mit 300 Leistungspunkten führen.
Aufwertung des Lehrerberufs durch pädagogische und didaktische Qualifizierung auch aller Quereinsteiger in den Lehrerberuf.
Aufwertung des Lehrerberufs durch die Schaffung wirklicher Gelingensbedingungen an allen Schulen – durch Absenkung der Klassenstärken, Möglichkeiten individueller Förderung der Schülerinnen und Schüler und durch Verstärkung der Angebote in der Lehrerfort- und –weiterbildung, damit das Lernen im Beruf möglich wird.
Aufwertung des Lehrerberufs durch eine langfristige Personalplanung und Personalentwicklung in allen Bundesländern, um endlich vom unseligen "Schweinezyklus" wegzukommen.
Aufwertung des Berufseinstiegs durch Erhöhung der Eingangsbezahlung für Referendare und Einführung einer Laufbahn für jedes Lehramt.
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