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Dilettantische Organisation der VERA-Vergleichsarbeiten an bayerischen Schulen

Riesenaufwand ohne neuen Erkenntnisgewinn

Mehr zu: Bayern, Bildungswesen, Dyskalkulie, Legasthenie, Lernstandserhebung, PISA (Studie), Realschule, VERA (Studie), Vergleichsarbeiten, Schule
München, 08.03.2009 -

"Die VERA-Vergleichsarbeiten in Deutsch und Englisch von letzter Woche sind leider dilettantisch organisiert worden", beschreibt Anton Huber, Vorsitzender des Bayerischen Realschullehrerverbands, die Erfahrungen vieler Realschulen aus der letzten Woche.

Die schlechte Organisation fing schon bei der vermeintlichen Vorbereitung an: Die versprochenen zusätzlichen Informationen und Materialien für die Lehrkräfte wurden erst zwei Wochen zuvor im Internet veröffentlicht. Dann sind an vielen Schulen die umfangreichen Testbögen erst gar nicht angekommen oder in viel zu geringer Anzahl. "Es ist nicht zu glauben, aber man geht offensichtlich bei den Organisatoren von Klassenstärken von 25 Schülern aus, denn in diesem Umfang wurden uns die Klassensätze zugeschickt. Dabei müsste eigentlich hinlänglich bekannt sein, dass an den bayerischen Realschulen durchschnittlich 28 Schüler in einer Klasse sitzen. Diese mangelhafte Organisation bedeutet, dass entweder ganze Klassensätze auf Kosten der Sachaufwandsträger nachkopiert werden mussten oder Schüler nicht mitschreiben konnten", äußert Huber sein Unverständnis.

"Auch fraglich ist, weshalb die umfangreichen Bögen, immerhin 32 Seiten, so konzipiert wurden, dass z. B. in Deutsch gleich drei unterschiedliche, ausführliche Texte von den Schülern gelesen werden mussten, um anschließend sehr ähnliche Kompetenzfragen zum Leseverständnis gestellt zu bekommen. Und die letzten sieben Seiten der Bögen wurden dann auch noch leer gelassen – ein Patzer bei der Layouterstellung, der unnötig Steuergelder vergeudet. Da taucht doch die Frage nach der Effizienz und Sinnhaftigkeit auf! Einen zusätzlichen Erkenntnisgewinn haben wir von diesem Riesenaufwand ohnehin nicht erwartet.", kritisiert der Vorsitzende.

Widersprüchlich sind auch die Anweisungen, dass die Lehrkräfte mit jedem einzelnen Schüler individuelle Fehleranalyse betreiben und Verbesserungsvorschläge geben sollen, die Schüler den Test jedoch auch anonym abgeben konnten. An Schüler mit Lese-Rechtschreibschwäche und Legasthenie wurde ebenfalls nicht gedacht.

Viele Schülerinnen und Schüler reagierten frustriert darauf, dass sie für ihre umfangreichen Leistungen nicht einmal eine Note bekommen können! Damit fehlte bei vielen die Motivation für eine ernsthafte Arbeitsweise.

Grundsätzlich hätte VERA, wenn es denn sinnvoll durchgeführt und ordentlich organisiert worden wäre, durchaus ein Instrument der Qualitätsentwicklung an Schulen sein können, denn laut Huber gehört die Überprüfung und Bewertung der eigenen Arbeit zu einem professionellen Selbstverständnis. "Ich halte nichts von Forderungen, die auf die Abschaffung von Noten, Tests und Leistungsvergleichen abzielen", so der Vorsitzende. "Wer seine Arbeit nicht anhand von Kriterien überprüft, weiß ja gar nicht, was er in Zukunft noch verbessern kann. Allerdings war das in Bayern immer schon möglich, weil man hier an Lehrplananforderungen orientiert sinnvolle Aufgaben mit Rückschlüssen auf die Kompetenzen stellen konnte. Da haben andere nachzubessern!", so Huber.

Am Testverfahren von VERA und der Organisation ist jedoch noch einiges zu verändern, wenn der Test sinnvolle Ergebnisse erzielen und sich der enorme Aufwand für die Lehrkräfte lohnen soll.

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