Presse- und Informationsamt der Bundesregierung
Gewalt entsteht nicht von selbst
Mehr zu: Deutschland, Forschung, Gewalt in der Schule, Politische Bildung, Schule, SonderthemenJungen und Mädchen im Schulalter sind insgesamt friedfertiger als Gleichaltrige vor zehn Jahren. Dies zeigt eine Studie, die Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble mit Fachleuten vorgestellt hat. Ob ein Jugendlicher gewalttätig wird, hängt stark von seiner Familie ab.
Gewalt ist "out". Das belegt eine neue Erhebung unter gut 53.000 Jugendlichen in ganz Deutschland.
Laut der Studie ist die Quote der Jugendlichen, die in den vergangenen zwölf Monaten mindestens eine Gewalttat begangen haben, beträchtlich gesunken. Dies ergab ein repräsentativer Vergleich der Ergebnisse aus acht Städten: 1998/99 hatten je nach Befragungsort noch zwischen 17,3 und 24,9 Prozent der Jugendlichen eine oder mehrere Gewalttaten verübt. Von 2005 bis 2008 traf dies nur noch auf 11,5 bis 18,1 Prozent zu.
Öffentliche Wahrnehmung wächst
"Die Akzeptanz der Gewalt sinkt bei Jugendlichen", erklärte der Kriminologe Christian Pfeiffer bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Zudem habe die "Kultur des Hinschauens" zugenommen.
Einen Grund sieht der Rechtswissenschaftler auch in der neuen öffentlichen Wahrnehmung von Gewalt: "Seit sich die Politik des Themas engagiert angenommen hat, ist die innerfamiliäre Gewalt deutlich zurückgegangen", so Pfeiffer. Als Beispiele führte er das Gewaltschutzgesetz und die Abschaffung des elterlichen Züchtigungsrechts an.
Auch die Aufklärung durch die Polizei hat nach Einschätzung der Fachleute an vielen Schulen zur Entspannung der Lage beigetragen. Dennoch ist die Situation nicht harmonisch: Mobbing an Schulen bleibt beispielsweise ein Problem.
Tatort Familie
Als Hauptgrund für Gewalt unter Jugendlichen nannte Pfeiffer entsprechende Erfahrungen in der Familie: "Gewalt wird in den Familien produziert." Gravierendster Faktor seien dabei prügelnde Eltern. Bis heute würden massive Körperverletzungen häufiger in Familien verübt als an Außenstehenden.
Der Bundesinnenminister würdigte die Studie als wichtigen Schritt gegen Gewalt unter Jugendlichen: Zum ersten Mal seien nun aussagekräftige Zahlen aus dem gesamten Bundesgebiet verfügbar. "Die Daten bieten die notwendige belastbare Grundlage für anschließende Maßnahmen in Bund und Ländern", sagte Schäuble.
Übereinstimmend wiesen Schäuble und der Kriminologe Pfeiffer darauf hin, dass ein Migrationshintergrund nicht Jugenddelinquenz und Jugendgewalt begünstige. Es sind vielmehr die Verhältnisse, unter denen junge Menschen groß werden: "Bei gleichen familiären und sozialen Hintergründen, gibt es überhaupt keine Unterschiede zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund", stellte der Bundesinnenminister klar.
Der Forschungsbericht "Jugendliche in Deutschland als Täter und Opfer von Gewalt" ist Ergebnis der größten jemals durchgeführten Jugendstudie in Europa. Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. hatte die Studie mit Förderung des Bundesinnenministeriums durchgeführt. Für die Erhebung wurden 45.000 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 16 Jahren befragt. Zudem standen 8.000 Kinder im vierten Schuljahr Rede und Antwort. Die Ergebnisse stammen aus 61 Landkreisen und kreisfreien Städten. Daraus wird eine Folge von Berichten entstehen, darunter auch Auswertungen zur Abhängigkeit von Computerspielen und zur Kinderkriminalität.
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