Aktionsbündnis Schule
Eine Schule für alle – Abschied von der Schulform- und Chancenfreiheit
Mehr zu: Deutschland, Gesamtschule, Hauptschule, Nordrhein-Westfalen, Schulstruktur, Weiterbildung, SchuleBündnis 90/Die GRÜNEN haben auf ihrer Landesdelegiertenkonferenz in Hagen erneut die Umwandlung der bestehenden Schulen in ein integratives Einheitsschulsystem beschlossen.
Um für die "Schule für alle" zu werben, malen Bündnis 90/Die GRÜNEN ein komplettes Negativbild des nordrhein-westfälischen Schulsystems. Das Aktionsbündnis Schule (ABS) registriert mit Befremden, dass nicht nur das gegliederte Schulsystem als ungerecht und leistungsfeindlich bezeichnet wird, sondern auch die Schülerinnen und Schüler als leistungsunterdurchschnittlich und in "dramatischer" Höhe ausbildungsunfähig dargestellt werden. Das Aktionsbündnis Schule vertritt u.a. Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer der Hauptschulen, Realschulen, Förderschulen, Gymnasien, Gesamtschulen, Weiterbildungskollegs und Berufskollegs.
Das GRÜNEN-Papier lässt kein Vorurteil, Pauschalurteil und kein Schreckensszenario, keine Verängstigung, Unterstellung und Halb-/Unwahrheit aus, um Schulen, Schülerinnen und Schüler sowie dort tätige Lehrkräfte in ein schlechtes Licht zu rücken. Die Gegner der Schulvielfalt versprechen die Rettung aus allem Schul-Unheil durch eine neue Schulform. Dabei zeigen sie auf die skandinavischen Länder. Doch bis auf Finnland sind Norwegen, Dänemark und Schweden mittlerweile leistungsmäßig hinter Deutschland gerückt. Schulreformen stehen dort an. Bei den in der PISA-2006 Studie untersuchten naturwissenschaftlichen Kompetenzen schneidet Nordrhein-Westfalen im Vergleich zu allen skandinavischen Ländern mit Ausnahme Finnlands besser ab.
"Seltsam ist schon, dass nach Auffassung der GRÜNEN-Partei die neue Schulform, die ´Stärken aller (bisherigen) Schulformen´ benötige. Warum will man dann diese zuerst zerschlagen?", fragt Peter Silbernagel, Sprecher des Aktionsbündnisses. "Und wenn doch die neue Schule für alle so überzeugend sei, wozu müssen die GRÜNEN dann finanzielle Anreize in Form eines Innovationsfonds in Aussicht stellen, damit sich bestehende Schulen in ´Reformschulen´ umwandeln?"
Gegen konstruktive Impulse zur Schulpolitik wird keiner etwas haben. Doch vermisst man bei der neuen "Bildungsoffensive" ein Minimum an Ausgewogenheit. Mit Pauschalkritik an jeder Veränderung der letzten Jahre und dem Schlechtreden alles Bestehenden stellen die GRÜNEN selbst gleichzeitig zahlreiche neue Reformen in Aussicht. So sollen u.a. bei Leistungsbewertungen künftig Eltern einbezogen und eine warme Schulmahlzeit gesetzlich verankert werden. Man verspricht einen bunten Blumenstrauß schulpolitischer Wohltaten. Am Ende verfestigt sich der Eindruck, dass die Blumen künstlich sind und es letztlich um einen Schritt zurück in die Vergangenheit schulideologischer Grabenkämpfe geht. Zur nachhaltigen Förderung unserer Schülerinnen und Schüler trägt das jedoch wenig bei.
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