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Kultusminister aus Sachsen und Baden-Württemberg verabreden intensive Zusammenarbeit

Mehr zu: Baden-Württemberg, Föderalismus, Lehrerbildung, Lehrermangel, Sachsen, Unterrichtsversorgung, Weiterbildung, Schule
Stuttgart, 23.03.2009 -

Der sächsische Kultusminister Roland Wöller und sein Amtskollege aus Baden-Württemberg, Helmut Rau, haben sich heute in Dresden über eine intensive Zusammenarbeit in den kommenden Jahren verständigt. Hauptbestandteil der Gespräche war die Einstellung von Lehrern aus Sachsen in Baden-Württemberg und deren mögliche spätere Rückkehr in den Freistaat. Derzeit ist die Arbeitsmarktsituation für Lehrkräfte in beiden Ländern völlig verschieden. Während in Sachsen aktuell nur wenige Lehrer eingestellt werden können, wird der Bedarf in vier, fünf Jahren deutlich steigen. In Baden-Württemberg ist es umgekehrt: Hier werden jetzt Lehrer vor allem für Gymnasien und berufliche Schulen gebraucht. In einigen Jahren hingegen kann der Bedarf größtenteils wieder aus eigenen Ressourcen gedeckt werden.

"Wir wollen für diejenigen, die weggehen, Brücken für eine mögliche Rückkehr bauen", betonten beide Minister Wöller ergänzte, dass er Realist genug sei, um zu wissen, dass natürlich nicht alle zurückkehren werden. "Es wäre aber sträflich, es nicht wenigstens zu versuchen. Für diejenigen, die beispielsweise ihren Lebenspartner oder andere familiäre Bindungen in Sachsen haben, ist eine Rückkehr vielleicht eine Alternative".

Die beiden Kultusminister haben Folgendes vereinbart:

  • Sachsen wird, sobald der Bedarf besteht, diese Lehrkräfte wieder aufnehmen.
  • Das Ministerium in Baden-Württemberg wird ab dem Schuljahr 2012/13 für alle ab dem Schuljahr 2009/10 eingestellten Lehrkräfte aus Sachsen, die dies wünschen, die Freigabe erklären.
  • Baden-Württemberg wird dem sächsischen Ministerium jährlich mitteilen, wie viele sächsische Bewerber eingestellt wurden. Deren Einverständnis vorausgesetzt, werden die Adressen dem sächsischen Kultusministerium zur Verfügung gestellt. Die betreffenden Lehrer werden regelmäßig über die Beschäftigungsentwicklung sowie Einstellungsbedingungen in Sachsen informiert. Informationen und Einladungen zu Weiterbildungen gehören ebenfalls dazu.

Kultusminister Wöller sagte, dass in Sachsen derzeit für Neueinstellungen nur ein äußerst "schmaler Korridor" zur Verfügung stehe. "Wir haben in den vergangenen Jahren – obwohl sich die Schülerzahl halbiert hat – keine Lehrer entlassen. Das hatte allerdings seinen Preis: Rund 18.000 Lehrer müssen nach wie vor in Teilzeit arbeiten. Wir haben definitiv in Sachsen zur Zeit keinen Lehrermangel", betonte der Minister. Ihm seien deshalb die Hände gebunden, um einer größeren Zahl junger Lehrer in Sachsen eine Perspektive zu bieten. Aufgrund der Altersstruktur sächsischer Lehrer, der Altersdurchschnitt liege bei 48 Jahren, sehe es in wenigen Jahren aber "völlig anders" aus. "Die Situation, die wir jetzt haben, ist zeitlich begrenzt."

Nach Aussage von Kultusminister Rau verschafft die Vereinbarung beiden Ländern die Möglichkeiten, die unterschiedlichen Bedarfslagen auszugleichen. Den Bewerberinnen und Bewerbern wird mit der großzügigen Freigaberegelung ein Länderwechsel in beide Richtungen erleichtert. Für Rau ist diese vertrauensvolle Abstimmung zwischen den Ländern ein Modell mit Blick auf die Eckpunkte der Stralsunder Erklärung, um gemeinsam kooperativen Bildungsföderalismus zu betreiben.

Rau betonte: "Die sächsischen Lehrer sind an unseren Schulen sehr willkommen. Falls sie später auf eigenen Wunsch wieder zurückwechseln möchten, bringen sie einen Zuwachs an Erfahrungen mit, die wiederum der Arbeit mit Schülerinnen und Schülern in Sachsen zugute kommen."

Beide Bundesländer streben an, mittelfristig eine ausreichende Zahl von Lehrkräften im eigenen Land auszubilden.

Bestandteil der Gespräche von Rau und Wöller waren außerdem gemeinsame Aktivitäten zum Thema "20 Jahre friedliche Revolution". Dazu hat Kultusminister Rau beispielsweise gemeinsame Lehrerfortbildungen initiiert. Derzeit wird in Abstimmung zwischen beiden Kultusministerien mit Vertretern verschiedener Bildungseinrichtungen der beiden Länder, u.a. der Landeszentralen für politische Bildung, ein Programm für mehrere Fortbildungsveranstaltungen im Herbst dieses Jahres erarbeitet, bei denen Lehrkräfte aus Sachsen und Baden-Württemberg gemeinsam Themen zur DDR-Geschichte, zur friedlichen Revolution und zur deutschen Geschichte nach dem Mauerfall erarbeiten.

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