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Niveau und Umfang des fachwissenschaftlichen Studiums müssen in der Lehrerbildung erhalten bleiben!

Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) bezieht Position zur geplanten neuen Prüfungsordnung für angehende Lehrerinnen und Lehrer an Gymnasien

Mehr zu: Abschlussprüfungen, Auslese, Baden-Württemberg, Gymnasium, Hochschullehre, Lehrerbildung, Referendariat, Studierfähigkeit, Hochschule
Stuttgart, 22.04.2009 -

"Der fachwissenschaftliche Anteil muss im Studium für das Lehramt an Gymnasien grundsätzlich Priorität haben und in seinem zeitlichen und inhaltlichen Umfang deutlich über dem des erziehungswissenschaftlichen Anteils liegen, um die Qualität und das Anspruchsniveau gymnasialer Bildung weiterhin zu gewährleisten", so die Forderung des Landesvorsitzenden des Philologenverbandes Baden-Württemberg (PhV BW), Bernd Saur.

Das bestandene Abitur muss nach Auffassung des Philologenverbandes eine verlässliche Garantie für die Studierfähigkeit sein und bleiben. "Wir verkennen nicht die Bedeutung der Erziehungswissenschaften, eine Kürzung der fachwissenschaftlichen Ausbildung für Gymnasiallehrer darf es jedoch nicht geben", so Saur. Eine gleichwertige Gewichtung von Erziehungs- und Fachwissenschaften lehnt der Philologenverband ebenso ab wie eine massive Verlagerung fachdidaktischer und pädagogisch-erziehungswissenschaftlicher Inhalte von der zweiten in die erste Phase der Lehrerbildung. Im Übrigen sei es völlig unklar, wer die vermehrte Fachdidaktik an der Universität lehren solle. Der PhV plädiert deshalb für ein zweijähriges Referendariat, in dem die Fachdidaktik einen sinnvollen und angemessenen Platz hätte.

Begrüßt wird vom Philologenverband, dass das Staatsexamen auch künftig erhalten bleiben soll. "Denn", so PhV-Chef Saur, "das Kultusministerium muss über die Inhalte der Studienordnungen und über die Prüfungsaufsicht seinen Einfluss und seine Gestaltungsmöglichkeiten auf die Lehrerbildung behalten." Kritisch beurteilt der Verband hingegen, dass die wissenschaftliche Arbeit, also die Abschlussarbeit der ersten Phase der Gymnasiallehrerausbildung, künftig weniger als zehn Prozent zur Gesamtnote des ersten Staatsexamens beitragen soll. Der Philologenverband fordert daher, in die Abschlussprüfung nicht nur mündliche, sondern auch schriftliche Teile aufzunehmen. Saur: "Und wenn das Unterrichtsfach Naturwissenschaft und Technik (NWT) demnächst auch in der Oberstufe unterrichtet werden soll, dann darf es nicht nur im Umfang eines Beifaches studiert werden."

Das Praxissemester, das stärker gewichtet werden soll, darf aus PhV-Sicht keine "Auslesefunktion" besitzen. "Es muss vielmehr die Studierenden auf ihren Beruf hin orientieren", betont Saur. Lehramtsstudenten müssten aber auch die Möglichkeit haben, zu experimentieren und Erfahrungen zu sammeln.

Heftige Kritik übt der Philologenverband an der geplanten Einführung eines verpflichtenden zweiwöchigen "Orientierungspraktikums". "Was für einen sinnvollen Ertrag soll ein solches Orientierungspraktikum bringen", fragt Saur und bezweifelt, dass jene Studienanfänger, die noch nicht über erforderliche fachliche Kenntnisse verfügten, bereits angeleiteten oder selbstständigen Unterricht halten könnten. Hingewiesen wurde darauf, dass Gymnasien bereits heute mit der Betreuung von Referendaren und Praktikanten sehr stark belastet sind.

Begrüßt wird vom Verband, dass in der neuen Prüfungsordnung für das gymnasiale Lehramt in Baden-Württemberg ein Lehrerorientierungstest vorgesehen sei. Ein solcher Test mache aber nur dann Sinn, wenn sich diesem die angehenden Lehramtsstudenten bundesweit unterzögen.

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