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Krach im Klassenzimmer richtet große Schäden an

BLLV-Vizepräsidentin Waltraud Lučić fordert zum "Tag gegen Lärm" raumakustische Messungen und Schutzmaßnahmen / Lärm beeinträchtigt Lernerfolg

Mehr zu: Bayern, Deutschland, Gesundheit, Schularchitektur, Schulstress, Schule
München, 27.04.2009 -

"Die Lärmbelastung ist an vielen bayerischen Schulen unerträglich hoch. An alten, aber auch an neuen Gebäuden sind die akustischen Verhältnisse vielfach schlecht. Lärm kann bei Lehrern und Schülern massive Schäden verursachen." Darauf hat die Vizepräsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Waltraud Lučić, im Vorfeld des internationalen "Tags gegen Lärm" am 29. April hingewiesen. Sie forderte entsprechende raumakustische Messungen.

"Bei Bedarf muss schnell mit geeigneten Lärmschutzmaßnahmen reagiert werden." Nicht selten werden im Unterricht Lärmpegel bis zu 85 Dezibel gemessen. Beim Sportunterricht, während Gruppenarbeiten oder in der Pause geht es oft noch lauter zu: Hier schwillt der Lärmpegel auf bis zu 100 Dezibel an. "Bei solchen Werten ist eigentlich Gehörschutz vorgeschrieben. Es verwundert daher nicht, dass für viele Lehrkräfte Lärm eine extreme Belastung ist. Auch Schüler leiden unter den Auswirkungen des Lärms. Er kann die Arbeitsbereitschaft, Konzentration, Ausdauer und das kommunikative Verhalten negativ beeinflussen." Sie kritisierte, dass immer noch nicht anerkannt ist, welchen Einfluss Lärm auf Lernerfolg, soziales Miteinander und die Gesundheit hat. "Lärmbekämpfung an Schulen muss zentrales Thema werden."

"Bei Neubauten und Sanierungen sollte vor allem die Raumakustik eine größere Rolle als bisher spielen", erklärte Lučić. In vielen Klassenzimmern entsteht zu viel Nachhall, der sich mit relativ kostengünstigen baulichen Maßnahmen beseitigen bzw. verhindern lässt. "Gute Raumakustik in Bildungseinrichtungen ist aktiver Gesundheitsschutz für Kinder, Lehrer und Erzieher. Sie verbessert zudem nachweislich die Bildungschancen aller Kinder mit Deutschdefiziten oder Hörschwächen. Die dafür nötigen finanziellen Mittel stehen mit dem größten Konjunkturpaket in der Geschichte der Bundesrepublik zur Verfügung."

"Ab 60 bis 65 Dezibel reagiert der Körper mit Herzfrequenz- und Blutdrucksteigerungen auf den vorhandenen Lärm - klassische Stresssymptome. Ein kontinuierlich hohes Stressniveau kann Krankheiten oder Aggressionen auslösen. Lehrer wie Schüler sind davon gleichermaßen betroffen", erklärte die BLLV- Vizepräsidentin.

Lärm kann sich aber auch auf den individuellen Lernerfolg von Schülern auswirken: "Er beeinträchtigt die Konzentrationsfähigkeit und erschwert das Zuhören.

Darunter leiden besonders die Schwächsten in der Gesellschaft: Schülerinnen und Schüler mit Lernstörungen oder Hörschwächen, und Kinder, die die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrschen. Unter Lärmeinwirkung können sie Sprache nur noch teilweise verstehen und noch schwieriger umsetzen und behalten. Es fällt ihnen auch schwer, Zusammenhänge zu erkennen und zu erstellen."

Auch das Sozialverhalten wird durch zu viel Lärm beeinflusst: Je lauter es ist, umso weniger kann Sprache moduliert werden. "Sprache wird so schnell zum Befehlston, Gefühle wie Zuneigung, Anerkennung, Verständnis können nur noch schwer vermittelt werden. Das wiederum kann zu folgenreichen Missverständnissen zwischen Lehrern und Schülern führen."

Innovative, offene Unterrichtsmethoden wie z. B. Stationen- oder Projektarbeit und kooperatives Lernen, sowie eine insgesamt unruhigere Schülerschaft verschärfen die Situation. "Bis heute sind die technischen Regeln zur Akustik in Klassenräumen keine gesetzliche Verpflichtung an den Bauherrn, sondern Verhandlungssache zwischen Bauherrn und Bauunternehmer", erklärt Diplom- Ingenieur Peter Hammelbacher. Er ist Mitglied im INQA-Arbeitskreis "Lärm in Bildungsstätten". Obwohl es bereits seit 1968 eine DIN- Norm gibt, die 2004 deutlich verschärft wurde, erreichen heute viele Klassenräume nicht einmal die Anforderungen von 1968. "Sie müssten dringend ´nachgerüstet´ werden", forderte er. Dem voraus gehen müssten jedoch raumakustische Messungen, die genaue Werte über die Lärmbelästigung aufzeigen. Lärmschutz muss nicht teuer sein: Oft sind mit relativ einfachen Mitteln, wie z. B. einer Schall absorbierenden Decke, wirkungsvolle Effekte zu erzielen.

Die BLLV- Vizepräsidentin appellierte an die Kommunen, das Bewusstsein für die Problematik zu schärfen und rasch zu handeln. "Fachgerechte Maßnahmen zur Senkung des Lärmpegels gibt es inzwischen zur Genüge - vorausgesetzt, sie sind gewünscht." Der BLLV- Arbeitskreis Lärm kann dabei helfen: "Wir können Adressen für die raumakustischen Messungen nennen. Außerdem hat der BLLVArbeitskreis Lärm eine Broschüre erstellt, die kostenlos angefordert werden kann unter: .
Der BLLV arbeitet im Bereich Lärmschutz an Schulen u. a. mit dem Fachmann für Lärmbekämpfung, Peter Hammelbacher, zusammen, Tel: 089 / 17918 15509.

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