Vom Vormärz bis heute: 175 Jahre Julius Klinkhardt Verlag
Von der Förderung freiheitlichen Denkens in Politik und Erziehung über das Arrangement mit der NS-Ideologie bis zu einem der führenden Verlage für erziehungswissenschaftliche Literatur - Festschrift zum Jubiläum des Verlags für pädagogische Fachliteratur in Bad Heilbrunn erschienen
Mehr zu: Bayern, Lehrerbildung, Ökonomie, Personalia, Schulbuch, Sonderthemen, HochschuleVor 175 Jahren, am 1. Mai 1834, gründete Julius Klinkhardt in Leipzig den gleichnamigen Verlag. Heute zählt das Unternehmen, das sich nach wie vor im Familienbesitz befindet, zu den bedeutendsten pädagogischen Wissenschaftsverlagen im deutschsprachigen Raum. Anlässlich des Jubiläums ist jetzt die Verlagsgeschichte Verlag Julius Klinkhardt 1834 –2009. Verlegerisches Handeln zwischen Pädagogik, Politik und Ökonomie erschienen. Herausgegeben wird die Chronik von Uwe Sandfuchs, Jörg-W. Link und Andreas Klinkhardt.
Fünfzehn Autoren zeichnen in diesem Band die Geschichte des Verlags nach – vom Vormärz über das Kaiserreich, die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus und die Nachkriegszeit bis heute. "Im Grunde genommen hatte Klinkhardt schon bei seiner Gründung einige im weiteren Sinne pädagogisch orientierte Titel im Programm", schreibt der Erziehungswissenschaftler Gerhard Meyer-Willner in seinem einleitenden Beitrag.
Der Historiker Jürgen Overhoff beleuchtet die Beweggründe des jungen Verlegers und Buchhändlers Julius Klinkhardt, den sächsischen Pädagogen und Franklin-Biografen Julius Kell in sein Verlagsprogramm aufzunehmen. Es "war nicht allein die Aussicht auf wirtschaftlichen Erfolg: Vielmehr war es das in Kells Texten zum Ausdruck kommende freiheitliche Denken, dem sich auch der Verleger zutiefst verpflichtet fühlte."
Diese fortschrittliche pädagogische Ausrichtung setzt sich auch in den kommenden Jahren fort. "Der Klinkhardt Verlag avancierte zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum anerkannten Kommunikationsmedium für die Theorie und Praxis sowohl der sächsischen Versuchsklassen- als auch der Versuchsschularbeit", beschreibt der Erziehungswissenschaftler Andreas Pehnke den weiteren Werdegang des Unternehmens.
Zu Beginn des Nationalsozialismus allerdings erkennt "der Inhaber eines pädagogischen Fach- und Schulbuchverlages in den propagandistischen Äußerungen der neuen Machthaber auch eine geschäftliche Chance für das eigene Unternehmen", deckt der Erziehungswissenschaftler und Historiker Jörg-W. Link bei seinen Recherchen zur Rolle des Verlags während dieser Zeit auf. "Der Verlag hat mit einem bedeutsamen Teil seiner Publikationsstrategie dazu beigetragen, die NS-Ideologie im Bereich Pädagogik öffentlich zu kommunizieren", so sein Fazit.
Ende 1943 wird der Verlag durch Bombenangriffe zerstört, nach dem Krieg verlegt die Familie den Firmensitz von Leipzig ins oberbayerische Bad Heilbrunn und besinnt sich verlegerisch wieder der Ursprünge: Johannes Kühnels Neubau des Rechenunterrichts wird erneut aufgelegt, berichtet Rüdiger Hartmann vom Deutschen Jugendinstitut in seinem Beitrag "Ein Weg in den Westen".
In den sechziger Jahren entwickelt sich die Herausgabe der Pädagogischen Quellentexte zu einer Erfolgsgeschichte. Beinahe 40 Jahre lang erscheinen die Bände bei Klinkhardt. "Es handelte sich um ein kaufmännisch außergewöhnlich erfolgreiches Projekt von Quelleneditionen. Die Reihe prägte für viele Jahre das Gesicht des Verlags in der Fachwelt", so der heutige Verleger Andreas Klinkhardt, der den Verlag 1995 von seinem Vater und seinem Onkel übernommen hat. Zum Renommee trägt schließlich auch die von ihm gegründete Reihe Klinkhardt forschung bei, hinzu kommt eine Vielzahl von Studienbüchern, von denen sich nicht wenige zu pädagogischen Standardwerken entwickelt haben.
Auch pädagogische Bestseller gehören zum Verlagsprogramm. Ein Beispiel: Das pädagogische Grundwissen, "das sich mit den verkauften Exemplaren in nunmehr 15 Jahren der 120 000–Marke nähert", berichtet der Autor und Hamburger Erziehungswissenschaftler Herbert Gudjons. Vor siebzehn Jahren auf der Suche nach einem Verlag für dieses Werk, war für ihn der Julius Klinkhardt Verlag "klar" die erste Wahl.
Beleuchtet wird in der Festschrift schließlich auch das Verhältnis von Autor und Verleger. "Erfolgreiche Familienverlage, wie der Klinkhardt Verlag sind alles andere als ein obsoletes Geschäftsmodell: Es ist gut möglich, dass sogenannte "Unabhängige" (auf Neudeutsch "independents") für das Marktsegment hochwertiger wissenschaftlicher Literatur sogar das eigentliche Zukunftsmodell darstellen, weil sie jene Nähe und Vertrautheit zwischen Autor und Verleger sichern, dessen das sensible und komplizierte Verhältnis zwischen ihnen bedarf", so der Nürnberger Erziehungswissenschaftler Werner Sacher in seinem Beitrag "Verleger und Wissenschaftler – eine spannungsreiche Beziehung".
Die abschließende Firmenchronologie liefert – verbunden mit einer Auswahlbibliografie - eine übersichtliche Zusammenstellung der Verlags- und Verlegergeschichte.
Festschrift zum Jubiläum:
Sandfuchs, Uwe / Link, Jörg-W. /Klinkhardt, Andreas (Hrsg.):
Verlag Julius Klinkhardt 1834 - 2009
Verlegerisches Handeln zwischen Pädagogik, Politik und Ökonomie
Verlag Julius Klinkhardt, 2009
255 Seiten, Englische Broschur
ISBN 978-3-7815-1834-6
Pressekontakt zu dieser Meldung
Thomas Tilsner
Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung
Ramsauer Weg 5
83670 Bad Heilbrunn
Tel. 08046/9304 // Fax
08046/9306
www.klinkhardt.de
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