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"Über verpflichtende Elternkurse nachdenken"

Interview mit dem Bildungsforscher Prof. Dr. Klaus Hurrelmann

Berlin , 04.05.2009

"Viele Eltern können erziehen, aber man muss schon realistisch sehen, dass die Gruppe von Eltern, die das wirklich nicht kann, existiert" erklärt der Bildungsforscher Prof. Dr. Klaus Hurrelmann im Gespräch mit Perspektive:Bildung. Diese Gruppe werde im Laufe der nächsten Jahre noch größer, prognostiziert Hurrelmann und spricht sich deswegen für verpflichtende Elternkurse aus.

Der Bildungsforscher hat ein spezielles Elterntraining - das step-Programm - mit einem Team an der Bielefelder Universität wissenschaftlich begleitet. Ein Ergebnis der Untersuchung: Für Erziehungsprobleme bereits sensibilisierte Eltern besuchen durchaus solche Kurse. Aber das Viertel der Eltern, das mit der Erziehung überfordert sei, tue dies eben nicht, bedauert Hurrelmann. Er schlägt deswegen vor, bestimmte Teile des Kindergeldes auf Gutscheinbasis zu vergeben. "Diese Gutscheine werden nur an die Eltern ausgegeben, die an bestimmten Ausbildungen teilgenommen haben." Der Forscher zählt auch andere Möglichkeiten auf, etwa kostenlose Zugänge zu Freibädern. "Etwas, das für Eltern reizvoll ist, das mit dem Thema in Zusammenhang steht." Denn "ein Kind zu erziehen ist heute sehr schwierig. Es ist wunderschön, wenn es gelingt, aber dramatisch, wenn es nicht gelingt."

Eltern, so Hurrelmann weiter, müsse man dort erreichen, wo sie ohnehin immer wieder anwesend seien, in der Schule etwa oder im Kindergarten. "Auch Erzieherinnen sind Schlüsselpersonen, um Eltern anzusprechen", so Hurrelmann. Deshalb sei auch das jetzt speziell für Erzieherinnen angelegte step-Weiterbildungsprogramm außerordentlich hilfreich.

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