Aktionsbündnis Schule
Widerstand gegen Zerschlagung stabiler Aachener Schulen
Gesamtschulgründung auf Kosten einer funktionsfähigen Hauptschule, Realschule und eines Gymnasiums geplant
Mehr zu: Gemeinschaftsschule, Gesamtschule, Gymnasium, Hauptschule, Nordrhein-Westfalen, Realschule, Schulentwicklung, Schulstruktur, SchuleDie Aachener Parteien SPD, GRÜNEN und CDU planen, eine vierte Gesamtschule zu beantragen und wollen hierzu gleichzeitig die lebendige, leistungsfähige Hauptschule Aretzstraße (aktuell: 35 Anmeldungen), die Hugo-Junkers-Realschule (70 Anmeldungen) und das Geschwister-Scholl-Gymnasium (42 Anmeldungen) auflösen.
Das Aktionsbündnis Schule, in dem landesweit u.a. 16 schulische und hochschul-politische Institutionen und Organisationen vertreten sind, bewertet dieses Vorhaben als eine neue Qualität in der Schulstrukturdebatte. Noch in keiner anderen nordrhein-westfälischen Kommune wurde in den letzten zwei Jahrzehnten die Gründung einer Gesamtschule auf Kosten von drei stabilen (!) anderen Schulen in die Wege geleitet.
Die mehr als 1.400 von der Auflösung betroffenen Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer sind entsetzt, da sie von diesen Plänen aus der Presse erfahren mussten. Sie haben absolut kein Verständnis für diese Entscheidung. Die betroffene Hauptschule gilt landesweit als eine überaus effiziente "Vorzeige-Hauptschule". Die Realschule kann mehrzügig gefahren werden und mit dem Geschwister-Scholl-Gymnasium ist ein Gymnasium betroffen, das nach sorgfältiger Prüfung durch die Aachener Verwaltung als Ganztagsschule künftig geführt werden soll und bisher das erste Ganztagsgymnasium in der Stadt Aachen darstellt. Monatelange intensive Vorbereitungen zur Weiterentwicklung dieser Schule sind nun unwirksam wie auch die Kooperationsanstrengungen der anderen Schulen bei den jetzt vorliegenden Planungen letztlich mit Füßen getreten werden.
"Die Aachener Pläne sind ungeheuerlich, da sie die guten Leistungen von drei Schulen ausklammern und damit eine unkalkulierbare Unruhe in die Schullandschaft hineintragen. Bei SPD und Grünen mag die schulpolitische Linie zur Überwindung des vielgliedrigen Schulsystems parteipolitisch nachvollziehbar sein. Die Aachener CDU aber fährt mit ihrem Alleingang einen krassen Konfrontationskurs zur Landes-CDU, da diese ausdrücklich in einer Kampagne damit wirbt, keine gesunden Schulen zu schließen!", kommentiert Peter Silbernagel, Sprecher des Aktionsbündnisses Schule.
"Der Aachener Politikstil ist von Arroganz und Ignoranz geprägt. Dabei könnten die hohen Überhänge der Gesamtschulanmeldungen durch die Bildung einer Gesamt-schulfiliale letztlich aufgefangen werden. Berücksichtigt man die 150 Anmeldungen bei den drei aufzulösenden Schulen, dann löst eine vierte Gesamtschule – ggf. mit drei Standorten – quantitativ kein aktuelles Problem. Vielmehr wird der Ruf nach weiteren Gesamtschulen in Aachen sämtliche anderen Schulen in Existenzängste treiben."
Das Aktionsbündnis Schule hält die Pläne auch deshalb für absurd, da die zwei Ganztagsschulen der Hauptschule und des Gymnasiums gegen eine Gesamtschule "eingetauscht" werden, die nicht als Ganztagsschule genehmigt werden dürfte. Ob die Gesamtschule letztlich eine Oberstufe haben wird, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen, wobei der allgemeine Schülerrückgang sicher nicht ausgeblendet werden darf. Daher ist die jetzt ins Auge gefasste Entscheidung pädagogisch unverantwortlich. Sie berücksichtigt ebenso nicht, dass gerade die drei betroffenen Schulen im Ostviertel der Stadt eine besondere, von vielen anerkannte Integrationsarbeit leisten. Diese Arbeit wird fahrlässig aufs Spiel gesetzt.
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