Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg sieht, wie Arbeitgeberverbandspräsident Dieter Hundt es heute schonungslos mit dem Wort "Mogelpackung" ausgedrückt hat, in der "neuen Werkrealschule" lediglich die alte Hauptschule mit Werkrealschule mit einem neuen Etikett. Das sieht mehr nach Ausverkauf vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums aus als nach einem großen Wurf.
Seit 15 Jahren führen die meisten aller Hauptschulen im Dienstsiegel die Bezeichnung "Hauptschule mit Werkrealschule", auch wenn sie das zehnte Schuljahr vor Ort nicht anbieten, sondern lediglich Zusatzunterricht ab der achten Klasse. Ab 2010 soll es nun nach dem Willen der Landesregierung die "neue" Werkrealschule geben, an der auch ein Hauptschulabschluss erworben werden kann. Das bedeutet, dass es künftig Hauptschulen, Hauptschulen mit Werkrealschule und Werkrealschulen mit Hauptschule geben wird.
Eltern wird die ungeliebte "dritte" Schulart durch solche Wortspielereien nicht schmackhafter gemacht, selbst wenn das inhaltliche Konzept akzeptabel wäre.
Der Trend weg von der Hauptschule hin zur "echten" Realschule wird weiter anhalten, solange die Werkreal-Hauptschule von Eltern und Ausbildern nicht als echte Angebotsschule wahrgenommen und akzeptiert wird.
Während bei der seitherigen Hauptschule mit Werkrealschule sich positiv entwickelnde Schüler die Chance bekamen, mit Zusatzunterricht durchzustarten, die zehnte Klasse "draufzusatteln" und dann dort den mittleren Abschluss zu schaffen, wird bei der neuen Werkrealschule das Scheitern der meisten Schüler und damit der Abgang bereits nach der neunten Klasse ohne mittlere Reife bewusst in Kauf genommen.
Während seither Schüler motiviert wurden, bei guten Leistungen weiter zu machen, wird man in der neuen, auf sechs Jahre angelegten neuen Werkrealschule der Mehrzahl der Schüler nach lediglich fünf Schuljahren das Versagen bescheinigen und sie mit dem Zeugnis der Hauptschule entlassen. "Eine bildungspolitische Bankrotterklärung", empört sich der VBE-Sprecher.