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Zur Zeugniszeit: Der Grundschulverband zum Thema Kopfnoten

Mehr zu: Föderalismus, Grundschule, Kopfnoten, Werteerziehung, Zensuren, Zeugnis, Schule
Frankfurt am Main, 16.06.2009 -

"Persönlichkeit passt in keine Note" titelte die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ) – und in der Tat: Zum Ende des Schuljahres bleiben die als "Kopfnoten" bekannten Beurteilungen des "Arbeits- und Sozialverhaltens" in vielen Bundesländern ein Ärgernis. "Kopfnoten schädigen die Entwicklung der Kinder", so der Grundschulverband in einer aktuellen Erklärung.

Dr. Horst Bartnitzky, der Vorsitzende des Grundschulverbandes stellt fest: "Die Förderung von Selbst- und Sozialkompetenz gehört zur Erfolgsbilanz moderner Grundschulpädagogik. Soziale Kompetenzen in der Schule zu fördern erfordert, Kinder als eigenständige Persönlichkeiten zu respektieren. Die Förderung sozialer Kompetenzen in der Klasse ist ein gemeinsamer Entwicklungsweg aller Beteiligten und mit Noten nicht zu erfassen."

In Nordrhein-Westfalen übrigens lehnen die katholische und evangelische Kirche die vom Schulministerium standardisierten Ziffernnoten zum Arbeits- und Sozialverhalten ab, weil es nicht mit dem christlichen Menschenbild vereinbar sei, "Persönlichkeit in Schulnoten zu messen".

In neun Bundesländern erhalten Grundschulkinder auf ihren Zeugnissen neben den Fächernoten auch Noten zum Arbeits- und Sozialverhalten - die sogenannten "Kopfnoten":

  • In sieben Ländern sind sie Pflicht – in Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt.
  • In zwei Ländern können sie erteilt werden – in Niedersachsen und Hessen.

(siehe Anlage 2: Länderübersicht).

Der Grundschulverband stellt dazu fest:

  • Kopfnoten schädigen die Entwicklung der Kinder,weil Kinder in der Grundschulzeit erst dabei sind, ihr Arbeits- und Sozialverhalten in der Situation Schule zu entwickeln und nicht an jedes Kind derselbe Maßstab angelegt werden kann.

  • Kopfnoten verfestigen ungünstige Entwicklungen der Kinder,weil Kinder in diesem Alter auch negative Bewertungen in ihr Selbstbild übernehmen.

  • Kopfnoten geben falsche Auskünfte, weil sich Kinder in verschiedenen Situationen und in verschiedenen Fächern oft unterschiedlich verhalten und dies nicht zu einer Note zusammengefasst werden kann.

Der Grundschulverband fordert die neun Länder auf, auf Kopfnoten grundsätzlich zu verzichten und sie durch pädagogisch angemessene Rückmeldungen zu ersetzen.

Pädagogisch angemessene Rückmeldungen

  • müssen die Kinder aktiv an ihren Zielsetzungen, an ihrer Entwicklung und an der Bewertung beteiligen;
  • müssen den individuellen Entwicklungen der Kinder gerecht werden;
  • müssen individuell formuliert werden.

Anlagen:

  1. Wie Kinder ihr Verhalten entwickeln: 3 pädagogische Grundsätze
  2. Länderübersicht: Kopfnoten und die Beurteilung des Arbeits- und Sozialverhaltens in Grundschulzeugnissen

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