Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hält das Urteil des Bundesgerichtshofs, wonach Schüler ihre Lehrer weiterhin im Internet benoten dürfen, für ungeeignet, den Dialog zwischen Schülern und Lehrern zu fördern und eine notwendige "feed-back-Kultur" für mehr Qualität in Schule und Unterricht zu entwickeln. Die Auffassung des BGH, die Bewertungen im Internet stellten Meinungsäußerungen dar, die die berufliche Tätigkeit der Lehrkräfte beträfen, bei der der Einzelne grundsätzlich nicht den gleichen Schutz wie in der Privatsphäre genieße, hält die GEW für wenig hilfreich für den vertrauensvollen und unvoreingenommenen Dialog zwischen Schülern und Lehrern.
Die anonyme und höchst selektive Bewertung einzelner Lehrpersonen mittels des Medium Internet ist für die Gewerkschaft nicht sinnvoll, da die Schule ein Vertrauensbereich zwischen Lehrkräften und Schülern ist. "Das Medium Internet ist für schulinternes feed-back und Selbstevaluation nicht geeignet", erklärte heute GEW-Landesvorsitzender Andreas Meyer-Lauber in Essen nach der Veröffentlichung des BGH-Urteils.
"Schüler müssen in einem angemessenen und von gegenseitigem Respekt getragenen Verfahren die Möglichkeit haben, ihren Lehrkräften Rückmeldung zu geben, wie verständlich und interessant der Unterricht ist, ob sie sich gerecht bewertet fühlen und welche Änderungs- und Verbesserungsvorschläge sie für wicht halten," so Meyer- Lauber weiter. Einen solchen Beitrag könne "Spickmich.de" allerdings nicht leisten.
Nach Auffassung der GEW steht es auch in der Verantwortung, durch Lehrerfortbildung und qualifizierte fachliche Beratung für Selbstevaluation und "feed-back-Kultur" in der Schule zu sorgen.