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Netzwerk "In einer Schule gemeinsam lernen": Neue Werkrealschule ist eine Sackgasse

Schüler/innen sitzen ein Schuljahr im Bus

Mehr zu: Baden-Württemberg, Elternarbeit, Elternwille, Hauptschule, Realschule, Schulstruktur, Schulweg, Sekundarschule, Werkrealschule, Schule
Stuttgart, 24.06.2009 -

Das Netzwerk "In einer Schule gemeinsam lernen", ein breites Bündnis von kirchlichen und schulischen Initiativen, Elternorganisationen, Familien- und Jugendverbänden, Parteien und Gewerkschaften aus Baden-Württemberg, lehnt das Konzept der "Neuen Werkrealschule" ab. Das Netzwerk widerspricht der Behauptung von Kultusminister Rau, dass es eine breite Mehrheit und eine hohe Akzeptanz der Neuen Werkrealschule gäbe. Dem Netzwerk "In einer Schule gemeinsam lernen" haben sich 25 landesweit aktive Organisationen mit mehreren 100.000 Mitgliedern angeschlossen.

"Die große Mehrheit der befragten Verbände und Organisationen äußerten sich zustimmend zur neuen Werkrealschule", so die Aussage des baden-württembergischen Kultusministers Rau. Doch die Wirklichkeit spricht eine andere Sprache. Viele parteiunabhängige Verbände, Organisationen, Gruppierungen und Netzwerke lehnen die "Neue Werkrealschule" ab, allen voran die unmittelbar Betroffenen – Lehrer/innen und Eltern. Zudem wurden die betroffenen Schulleitungen der bestehenden Haupt- und Werkrealschulen in die Planungen dieser Schulreform nicht miteinbezogen und erfuhren davon erst aus den Medien.

Durch die Beibehaltung bzw. den Ausbau unseres gegliederten Schulsystems verschwindet das flächendeckende Angebot an wohnortnahen Schulen immer mehr, weil bis zu 80 Prozent der Kinder eines Jahrgangs in die überfüllten städtischen Realschulen und Gymnasien und zukünftig auch in die "Neuen Werkrealschulen" fahren. Ein Schüler sitzt während seiner Schulzeit von Klasse 5 bis 10 durchschnittlich über ein Schuljahr im Bus – und die Anzahl der Fahrschüler wird sich durch die "Neue Werkrealschule" noch weiter erhöhen. Von den dadurch entstehenden ökologischen Folgen einmal ganz abgesehen ist dies auch ein immenser finanzieller Aufwand.

Neue Werkrealschule führt zu weiteren Schulschließungen

Angefangen bei den Interessenvertretungen der Grund- und Hauptschullehrer, über den Landeselternbeirat, der die "Neue Werkrealschule" sogar einstimmig ablehnte, bis hin zum bundesweit größten Netzwerk dieser Art "In einer Schule gemeinsam lernen", wird die "Neue Werkrealschule" nicht als tragfähiger Lösungsansatz für die derzeitige Schulsystemproblematik gesehen.

Das Netzwerk "In einer Schule gemeinsam lernen" sieht das Problem jedoch nicht nur in der mangelhaften Umsetzung der "Neuen Werkrealschule". Vielmehr besteht die berechtigte Sorge, dass über die Detaildiskussion einer gelungenen Umsetzung dieser neuen Schulart die grundsätzliche Problematik unseres Schulsystems aus dem Blickfeld gerät.

Durch das Festhalten an unserem gegliederten System, der frühen Trennung der Kinder nach der 4. Klasse und dem hohen Einfluss von Faktoren wie der sozialen Herkunft, werden die sozialen Ungleichheiten verstärkt statt abgebaut. Diese wissenschaftlich bei uns mehrfach nachgewiesene Problematik wird mit der "Neuen Werkrealschule" als einer weiteren, zusätzlichen Schulart nochmals verschärft.

Unter den genannten Gesichtspunkten ist es nicht nachvollziehbar, wie die Landesregierung die "Neue Werkrealschule" als "zukunftsweisenden Beitrag zur Weiterentwicklung der Hauptschule" betrachten kann. Vielmehr ist zu befürchten, dass die "Neue Werkrealschule" in ihrer geplanten Struktur keineswegs eine Trendwende am Niedergang der Hauptschulen bewirkt, oder sich gar "als attraktiver Bildungsgang in unserer Schullandschaft durchsetzen wird", wie Kultusminister Helmut Rau betont. Vielmehr wird das Modell der Werkrealschule kleine Hauptschulstandorte im ländlichen Raum in ihrer Existenz gefährden und zu einer massiven Schließungswelle führen.

Dabei ließe sich durch längeres gemeinsames Lernen aller Kinder vielerorts eine tragfähige Sekundarschule einrichten bzw. erhalten, die auch die wichtige Rolle eines Lebens- und Kulturmittelpunktes der Gemeinde einnehmen könnte. Während die letzten Staaten mit ansatzweise gegliederten Systemen sich auf den Weg zum längeren gemeinsamen Lernen und zur individuellen Förderung ohne äußere Trennung machen (Österreich, Schweiz, Liechtenstein), werden bei uns durch die neue Werkrealschule viele mit Steuermitteln teuer renovierte Hauptschulgebäude im ländlichen Bereich aufgegeben werden müssen.

Weitere Informationen: www.in-einer-schule-gemeinsam-lernen-bw.de/

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