Der deutsche medizinische Doktorgrad (Dr. med.) wird vom European Research Council (ERC) als nicht gleichwertig mit einem PhD-Grad anerkannt. Dadurch seien junge deutsche Mediziner faktisch von ERC-Fördermitteln ausgeschlossen, schreibt die Vorsitzende der Wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrates, Ulrike Beisiegel, in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift "Forschung & Lehre". Zu einer notwendigen klaren Trennung zwischen Studium und Promotionsphase sei es bislang in Deutschland trotz entsprechender Vorschläge und Beschlüsse von Wissenschaftsrat und Kultusministerkonferenz noch nicht gekommen.
Der Doktortitel sei derzeit bei 80 Prozent der Absolventen eines Medizinstudiums der übliche Abschluss, weil die berufliche und gesellschaftliche Anerkennung des Arztes hiervon abhänge. Die Dissertationen würden im Regelfall jedoch schon während des Studiums erarbeitet und glichen in vielen Fällen eher Diplomarbeiten in naturwissenschaftlichen Fächern. "Der Erkenntnisgewinn dieser wissenschaftlich oft sehr wenig fundierten Arbeiten ist meist gering und wird als ´pro forma´-Forschung bezeichnet", so Beisiegel. Um der weit verbreiteten "Türschildforschung" einen Riegel vorzuschieben und das Niveau der Dissertationen in der Medizin an das der übrigen Fächer anzugleichen, müsse die Promotion auf forschungsorientierte Mediziner beschränkt bleiben. Den übrigen Medizinabsolventen solle mit der Approbation die Berufsbezeichnung "Medizinischer Doktor" verliehen werden. "Dieses Konzept würde auf der einen Seite dem wissenschaftlichen Anspruch einer Promotion gerecht und würde auf der anderen Seite den akademischen Titel für die ärztliche Tätigkeit erhalten", betont Beisiegel.
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Forschung & Lehre 7/2009 erscheint am 30. Juni 2009. Auszüge der jeweils neuesten Ausgabe können Sie unter www.forschung-und-lehre.de lesen.