Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.
Konzept Mittelschule wirft viele Fragen auf
BLLV-Präsident Klaus Wenzel: "Jetzt wird sich zeigen, wie lange ein anspruchsvolles schulisches Angebot im ländlichen Raum garantiert werden kann"
Mehr zu: Bayern, Fachoberschule, Hauptschule, Mittelschule, Realschule, Schulstruktur, Spaenle, SchuleMit dem heutigen Kabinettsbeschluss zur Mittelschule steht Bayern an einem schulpolitisch historischen Scheideweg. "Jetzt wird sich zeigen, wie lange ein anspruchsvolles schulisches Angebot im ländlichen Raum garantiert werden kann", erklärte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, in einer ersten Reaktion. Er wertete das von Kultusminister Spaenle vorgestellte Konzept als Eingeständnis der bayerischen Schulpolitik, mit allen bisherigen Versuchen, die Hauptschule attraktiver zu gestalten, gescheitert zu sein.
"Die vielen Reformen wie die Einführung von Freiwilligen- Zehnten- Klassen, M- Zügen, Praxis- Klassen oder Ganztagsklassen haben nicht dazu geführt, dass die Hauptschule von der Bevölkerung akzeptiert wird." Die Übertritte in Realschulen und Gymnasien haben gerade in den vergangenen fünf Jahren dramatisch zugenommen. Die geplante Mittelschule ist nun ein weiterer Versuch, die Hauptschule zu retten. Angesichts der massiven Probleme wie Schulsterben, Geburtenrückgang und verändertes Übertrittsverhalten ist er auch durchaus nachvollziehbar. Das Konzept wirft aus Sicht des BLLV jedoch viele Fragen auf.
"Eine Weiterentwicklung der Hauptschulen in Mittelschulen kann nur gelingen, wenn die dort erworbenen Abschlüsse tatsächlich von den Eltern und den Ausbildungsbetrieben als absolut gleichwertig zu den jetzigen Realschulabschlüssen angesehen werden und die Schüler die gleichen Erfolgsaussichten in der Fachoberschule haben wie Realschüler", erklärte der BLLV-Präsident. "Viele Lehrer und Eltern hegen daran berechtigte Zweifel." Alle bisherigen Versuche, die Hauptschule aufzuwerten, sind kläglich gescheitert.
In einer Zeit des Schülerrückgangs ist es anachronistisch und geradezu absurd, Schüler noch mehr zu sortieren und einen zusätzlichen neuen Schultyp zu schaffen. Dringend erforderlich sind integrative Modelle. Wenzel: "Das Agieren der Politik wirkt in der strikten Weigerung, ein gescheitertes Schulsystem von Grund auf zu reformieren, hyperaktiv und dennoch hilflos. Im Kern bleibt es bei der Aufteilung zehnjähriger Kinder in verschiedene wie auch immer gestaltete Schultypen, es geht nicht um Integration, sondern um Aus- und Abgrenzung. Der BLLV ist der tiefen Überzeugung, dass damit die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts nicht bewältigt werden können."
Der BLLV vermutet, dass Spaenle mehr Verwirrung als Klarheit geschaffen hat: "Die Schullandschaft ist ab heute um einen neuen Schultyp reicher, allmählich wird es mit Schulverbünden, Kooperationsmodellen und Mittelschulen unübersichtlich. Für die Bevölkerung wird es immer schwieriger, sich im Dickicht bayerischer Schulpolitik zu recht zu finden."
Wenzel wies darauf hin, dass mit Mittelschulen und Schulverbünden die Probleme des demografischen Wandels und des Schulsterbens nicht gelöst werden. Im Gegenteil, es werden viele neue geschaffen: "Dreizügige Mittelschulen können für einige wenige Standorte eine Lösung sein. Generell führen sie aber zu einer Beschleunigung des Schulsterbens und sind deshalb die falsche Antwort auf zurückgehende Schülerzahlen und verändertes Übertrittsverhalten. Dasselbe gilt für die freiwilligen Zusammenschlüsse von Hauptschulen zu Schulverbünden: Erstens müssen sich die Gemeinden einigen. Zweitens ist das Modell mit erheblichen Fahrwegen und Kosten verbunden und drittens kann damit das Übertrittsverhalten nicht geändert werden - die Hauptschulen bluten weiter aus.
Mit Spaenles Lösungsvorschlägen geschieht genau das, was der BLLV mit seinem Konzept der Regionalen Schulentwicklung (RSE) verhindern will: Die Entschulung des ländlichen Raumes mit katastrophalen Folgen für die betroffenen Gemeinden und erheblichen Nachteilen für die Schüler, die weite Wege in Kauf nehmen müssen und sich in großen und anonymen Schulen wiederfinden.
"Ich befürchte, dass mit den heutigen Ankündigungen der Kampf um Schulstandorte beginnt. Jede größere Kommune wird nun eine Mittelschule wollen - übersehen wird dabei, dass hunderte kleine Schulstandorte keine Chance haben und von der Landkarte verschwinden werden."
Ansprechpartner
Sonderthemen
"Die Chancen einer weltweiten Lerngesellschaft"
09.02.2012. Unter dem Motto "Weltsprache Bildung" beteiligt sich das Goethe-Institut an der größten Bildungsfachmesse in Europa, der didacta in Hannover. Im Interview spricht Dr. Matthias Makowski, Leiter der Abteilung Sprache des Goethe-Instituts, über multimedial vernetztes Lernen und Lehren im Zeitalter ...Schule
Österreich: Fortgesetzte Reformen wichtig für Qualität und Chancengleichheit in Bildung
Paris/Berlin, 09.02.2012. Die Leistungen österreichischer Schüler hängen stärker von der sozialen Herkunft ab als in vielen anderen Industrieländern. Der heute veröffentlichte OECD-Bericht "Equity and Quality in Education: Supporting Disadvantaged Students and Schools" appelliert daher, bereits begonnene Reformen ...Kindergarten / Vorschule
EU-Kommission rügt deutsches Betreuungsgeld
03.02.2012. (dpa) – Die EU-Kommission rügt die deutschen Pläne zur Einführung eines Betreuungsgeldes. "Die EU-Kommission ist überrascht zu erfahren, dass es Ideen gibt, Frauen zu ermutigen, zu Hause zu bleiben", sagte die Sprecherin von EU-Sozialkommissar Laszlo Andor am 1. Februar in Brüssel. "Es gibt ...- „Das Ipad in der Schule wird die Art des Unterrichtens revolutionieren und sicher Lehrern wie Schülern Spaß machen.“
- D. Helmerich zu Schulbücher in USA auf dem iPad
- „Sprachstandsfeststellung? Ok! Aber doch nicht so!“
- Philsmom zu Sprachtests in NRW: Es geht nicht um die Kinder
Aktuelle Lernhilfen
|
Aktuelle Lernhilfen finden
ein Service von lernklick.de
|










didacta - die Bildungsmesse



Newsletter
Feedback