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Kultusminister Rau zieht positive Zwischenbilanz der diesjährigen Lehrereinstellung

Voraussichtlich werden 5 000 Lehramtsanwärter in den Schuldienst übernommen / Ziele der Qualitätsoffensive Bildung werden umgesetzt / Klassenteiler sinkt / Bundesweite Werbekampagne als Erfolg bewertet / Minister übt heftige Kritik an GEW

Mehr zu: Baden-Württemberg, Hauptschule, Junglehrer, Lehrerbildung, Lehrermangel, Unterrichtsversorgung, Schule
Stuttgart, 09.07.2009 -

Kultusminister Helmut Rau MdL hat bereits jetzt eine positive Zwischenbilanz der diesjährigen Lehrereinstellung gezogen. Die Absenkung des Klassenteilers habe einen deutlichen Mehrbedarf an Lehrkräften nach sich gezogen. Die damit verbundenen Herausforderungen seien von der Kultusverwaltung mit großer Professionalität erfolgreich bewältigt worden. "Wir haben das Einstellungsverfahren erstmals bereits im November begonnen, zeitlich eng gestaffelt, gute Bewerber frühzeitig mit Zusagen an uns gebunden und das Gros der Einstellungen vor Pfingsten abgewickelt. Mit unseren gezielten Werbemaßnahmen wurden wir auch außerhalb unseres Landes auf dem Arbeitsmarkt für Lehrkräfte wahrgenommen", sagte Rau am Donnerstag (9. Juli) in Stuttgart.

Die vielfältigen Anstrengungen der Kultusverwaltung hätten zu einer guten Bilanz beigetragen. Mit voraussichtlich 5 000 Einstellungen werde der Vorjahreswert um 800 übertroffen.

Damit könne schon jetzt gesagt werden, dass der Einstieg in die Absenkung des Klassenteilers, nämlich zum kommenden Schuljahr von 33 auf 32, erfolgreich ge-lungen und gleichzeitig der Pflichtunterricht sowie ein angemessener Ergänzungsbereich gesichert sei. Die schrittweise Absenkung des Klassenteilers bis auf 30 in dieser, und auf 28 in der nächsten Legislaturperiode, ist das Hauptziel der 530 Millionen Euro teuren "Qualitätsoffensive Bildung", mit der die Landesregierung die Rahmenbedingungen für Schule und Unterricht weiter verbessert.

Dass die Sicherung des Pflichtunterrichts trotz des Mehrbedarfs an Lehrkräften in Folge der Klassenteilersenkung gelingen werde, sei auch auf die bundesweite Werbekampagne zurückzuführen. Rau bewertete die Kampagne als "vollen Erfolg". Im gymnasialen Bereich seien bislang über 500 Bewerbungen aus anderen Ländern und dem Ausland eingegangen. Die Zahl der eingestellten Bewerber liege mit 150 bereits jetzt um 50 Prozent über dem Vorjahresstand. Im beruflichen Bereich ist die Zahl der Laufbahnbewerber aus anderen Bundesländern und dem Ausland um 20 Prozent von 76 auf 98 gestiegen. Insgesamt 74 Einstellungszusagen konnten vergeben werden. Bei den Direkteinsteigern für die beruflichen Schulen, das sind ausgebildete Ingenieure und Techniker, ist eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr von 223 auf 731 Bewerbungen zu verzeichnen gewesen und damit um das Dreifache. Bislang konnten 155 Einstellungszusagen gemacht werden.

"Diese erste Zwischenbilanz zeigt, dass Baden-Württemberg von angehenden Lehrkräften anderer Bundesländer als attraktives Bildungsland wahrgenommen wird", erklärte der Minister. Hart ins Gericht ging Rau mit den Äußerungen der GEW zur Werbekampagne. "Wenn die GEW den Eindruck erweckt, als habe unsere Kampagne auch dem Grund- und Hauptschulbereich gegolten, dann führt sie die Öffentlichkeit an der Nase herum. Wir haben ausschließlich um angehende Junglehrer für Gymnasien und berufliche Schulen geworben. Lehrkräfte in bestehenden Arbeitsverhältnissen waren nicht unsere Zielgruppe." Baden-Württemberg habe besonders intensiv in Ländern geworben, in denen derzeit ein Überschuss an Lehramtsbewerbern für Gymnasien herrsche. Dass mittlerweile mit Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen eine Vereinbarung über Einstellung von Lehrern aus diesen Ländern mit Rückkehroption bestehe, zeige deutlich, dass ein bundesweiter Lehrerarbeitsmarkt im gegenseitigen Einverständnis organisiert werden könne.

Rau griff die GEW auch für ihre Kritik an der diesjährigen Lehrereinstellung scharf an. Die Gewerkschaft hantiere mit Zahlen, die mit der voraussichtlichen Einstellungsbilanz wenig bis gar nichts zu tun hätten. Die von der GEW gemachten Angaben für die Grund- und Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien würden deutlich unter den voraussichtlichen Einstellungszahlen liegen. Zur Taktik der GEW gehöre es wohl, den Eindruck zu erwecken, als ob die Landesregierung absichtlich gut ausgebildete Junglehrer in Massen auf der Straße stehen lasse, obwohl es einen enormen Bedarf an Lehrkräften gebe. Dabei verschweige die Gewerkschaft bewusst, dass Lehrkräfte wegen ihrer unterschiedlichen Ausbildung grundsätzlich nur schulartbezogen eingesetzt werden können. "Wenn wir dringend nach Gymnasiallehrern mit den Fächern Mathematik und Physik suchen, hilft es uns wenig, wenn viele angehende Grundschullehrer auf den Markt drängen."

Die Gewerkschaft wisse auch, dass für das kommende Schuljahr der Bedarf an Lehrkräften für Grund- und Hauptschulen im Vergleich mit anderen Schularten geringer sei. In den Schuljahren 2010/11 und 2011/12 werde die weitere Absenkung des Klassenteilers aber auch die Einstellungsperspektiven in diesem Bereich verbessern. Allerdings werde dies nur eine kurzfristige Entwicklung sein. Der demographisch bedingte Trend zu deutlich sinkenden Schülerzahlen werde durch den vorübergehenden Mehrbedarf nicht aufgehoben. Der Kultusminister bekräftigte erneut, dass die angehenden Lehramtsstudenten über die Einstellungsperspektiven in einzelnen Schularten und Fächern informiert würden. "Nirgendwo kann mit der Aufnahme eines Studiums gleich eine Stellengarantie mitgeliefert werden, auch nicht beim Lehramt", sagte Rau. Dass ein Lehramtsstudium auch außerhalb der Schule einen respektablen Wert besitze, könne man außerdem daran erkennen, "dass nicht eingestellte Referendare uns bei Krankheitsvertretungen einen Korb mit dem Hinweis geben, bereits eine feste Anstellung in der Wirtschaft erhalten zu haben."

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