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Philologenverband wirft Kultusministerkonferenz Schönfärberei des Lehrermangels vor

Bündel von Notmaßnahmen gefordert!

Mehr zu: Deutschland, Lehrerbildung, Lehrermangel, MINT-Fächer, Mobilität, Unterrichtsversorgung, Schule
Berlin, 21.07.2009 -

Gegen den Vorwurf, die Situation des Lehrermangels zu dramatisieren und mit Horrorzahlen zu arbeiten, hat sich der DPhV-Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger gewandt. Gleichzeitig präzisierte er die in manchen Medien genannten Zahlen.

Nach Schätzungen des Deutschen Philologenverbandes werde sich die Bedarfslücke an entsprechend fachlich und pädagogisch ausgebildeten Lehrern insbesondere in den so genannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) im kommenden Herbst auf mindestens 30 000 Lehrerstellen belaufen.

Meidinger sagte dazu: "Dies heißt allerdings nicht, dass diese Stellen unbesetzt bleiben und Unterricht im Umfang von 30 000 Lehrerdeputaten ausfällt, da die Schulleitungen bei fehlender Zuweisung von Lehrern sich auf dem freien Arbeitsmarkt selbst Ersatzkräfte suchen, die aber sehr häufig nicht über eine entsprechende fachliche oder pädagogische Ausbildung bzw. häufig auch über keine Nachqualifizierung verfügen. Beispielsweise müssen sich alle bayerischen Gymnasien Unterrichtspersonal für den Herbst 2009 selbst besorgen. Dies gilt für bis zu 8 Prozent ihres Stellenbudgets. Die Ministerien verkünden dann, dass die Unterrichtsversorgung gewährleistet sei, was aber allenfalls quantitativ, aber keinesfalls qualitativ stimmt."

Da die KMK hierzu keine aktuellen Zahlen zur Verfügung stelle, so der DPhV-Vorsitzende, bleibe als einzige Schätzungsgrundlage nur, den ständig wachsenden Anteil der Unterrichtenden an allgemein- und berufsbildenden Schulen zu bestimmen, die als Aushilfskräfte über keine Lehrerausbildung bzw. keine ausreichende Nachqualifizierung verfügen. Diese Quote erreiche im nächsten Schuljahr voraussichtlich 5 Prozent aller Lehrer über alle Schularten hinweg, das sind rund 40 000 Lehrer. Da davon nur ein Teil vollzeitbeschäftigt sei, sei eine Lehrerbedarfslücke von 30 000 Stellen realistisch.

"Selbst die inzwischen völlig veraltete KMK-Prognose von 2001 geht in dem Zeitraum bis 2015 von einer Lehrerbedarfslücke von 75 000 Lehrerstellen aus. Zu noch größeren Zahlenwerten kommt die aktuelle Studie von Prof. Klaus Klemm. Es ist seltsam, dass die KMK, deren oberste Aufgabe es wäre, selbst aktuelle Bestandsanalysen und Bedarfsprognosen vorzulegen, von Verbänden Berechnungsgrundlagen einfordert. Hier soll wohl eine unerträgliche Mangelsituation schön geredet werden!", stellte der Verbandschef klar.

Bezüglich dem in der Presse zitierten Vorschlag, den Lehrermangel durch den Import von Lehrern aus osteuropäischen Ländern zu lindern, wies der Philologenverbandsvorsitzende darauf hin, dass dies nur ein Vorschlag von vielen sei, der vom DPhV bzw. anlässlich des Runden Tisches zum Lehrermangel vor wenigen Wochen in Berlin vorgetragen worden sei.

Langfristig hilfreich sei in erster Linie eine gesellschaftliche Aufwertung des Lehrerberufs, damit in Zukunft wieder mehr Abiturienten naturwissenschaftliche Lehramtsstudiengänge anwählten. Kurzfristig helfen dagegen nur Notmaßnahmen wie z.B. eine systematische Nachqualifizierung von Quereinsteigern, eine verbesserte Mobilität von Lehrern in Deutschland (u.a. Lehrerstellenbörse im Internet), attraktive Mehrarbeitsregelungen, befristete Weiterbeschäftigung von Pensionisten auf freiwilliger Basis), Anwerbung von Lehrern aus dem deutschsprachigen Ausland und Werbung für Aufstockung von Teilzeitverträgen. Als eine weitere Möglichkeit wäre auch an ein Austauschprogramm mit osteuropäischen Ländern zu denken, in denen einerseits eine beträchtliche Zahl von MINT-Lehrern mit guten Deutschkenntnissen vorhanden sei, aber andererseits Deutschlehrer dringend gesucht würden." Wenn die KMK hier ein ausreichend finanziertes, auf zwei bis fünf Jahre befristetes Austauschprogramm auflegen würde, wäre dies eine sinnvolle Aktivität!", sagte Meidinger.

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