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Pressemeldung von: Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

VBE hört Totenglöckchen für viele Hauptschulen läuten

Stuttgart, 26.07.2009

Über 700 der rund 1200 Hauptschulen mit Werkrealschule im Land sind einzügig. Da den Städten und Kommunen die "neue zweizügige Werkreal­schule" als ein "Qualitätssprung für Schüler" verkauft wird, sehen sich immer mehr Bürgermeister und Gemeinderäte genötigt, ihre Hauptschule am Ort zu schließen und die Schüler in die neue Werkrealschule (im Nachbarort) zu schicken. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) hört dadurch für etliche Hauptschulen das Totenglöckchen läuten, obwohl an diesen Schulen bisher solide Arbeit geleistet worden ist und das ohne die neue politische Vorgabe auch weiterhin hätte geleistet werden können.

Da die Landesregierung nicht den Mut hat, Zwerghauptschulen mit nur ganz we­nigen Schülern zu schließen beziehungsweise zusammenzulegen, entzieht man durch die Einführung der zweizügigen neuen Werkrealschule als zusätzliche Schulart vielen funktionierenden einzügigen Hauptschulen mit bis zu 165 Schü­lern indirekt die "Lizenz zum Arbeiten". Der Kultusminister habe zwar mehr­fach versichert, so der VBE-Sprecher, dass keine Hauptschule geschlossen wer­den müsse, wenn die Kommune dies nicht wolle. Wenn aber ein Leitender Schulamtsdirektor Bürgermeistern versichere, Hauptschüler blieben gegenüber Schülern der neuen Werkrealschule - so wörtlich - "auf der Strecke", werde sich keine Gemeinde der bildungspolitischen Vorgabe verschließen. Solch ein Vor­gehen sei schlichtweg unredlich, moniert der VBE-Sprecher.

Während bei der seitherigen Hauptschule mit Werkrealschule sich positiv entwi­ckelnde Schüler die Chance bekamen, mit Zusatzunterricht durchzustarten, die zehnte Klasse "draufzusatteln" und dann dort den mittleren Abschluss zu schaf­fen, wird bei der neuen Werkrealschule das Scheitern der meisten Schüler und damit der Abgang bereits nach der neunten Klasse ohne Mittlere Reife bewusst in Kauf genommen. Während seither Schüler motiviert wurden, bei guten Leis­tungen weiterzumachen, wird man in der neuen, auf sechs Jahre angelegten Werkrealschule der Mehrzahl der Schüler nach lediglich fünf Schuljahren das Versagen bescheinigen und sie mit dem Zeugnis der Hauptschule entlassen.

"Eine bildungspolitische Bankrotterklärung ersten Grades", empört sich der VBE-Sprecher. Die Hauptschüler werden künftig in die neue Werkrealschule geschickt und trotzdem zur "echten" Realschule weiterhin deutlich auf Abstand ge­halten, obwohl beide Schulen die Mittlere Reife vergeben dürfen.


Zur Veröffentlichung freigegeben - Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg / bildungsklick.de


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