GEW Niedersachsen
Chaotischer Beginn des Schuljahres
Ärger ohne Ende mit dem "Maßnahmebündel": Unterrichtsausfall vorprogrammiert
Mehr zu: G8, Gymnasium, Lehrermangel, Niedersachsen, Unterrichtsversorgung, SchuleDie Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Niedersachsen begrüßt die 2.400 jungen Lehrerinnen und Lehrer und die neuen Kolleginnen und Kollegen des nicht lehrenden Schulpersonals, die im ersten Schulhalbjahr 2009 ihre Arbeit in den Schulen aufnehmen. "Diese Einstellungen hätte es ohne die massive Forderung der GEW und die gemeinsamen Aktivitäten mit Eltern und Schülerinnen und Schülern in den letzten Schuljahren nicht gegeben. Zur Zeit werden alle Pensionierten durch Junge ersetzt. Dazu kommen 500 zusätzliche Stellen", betont der GEW-Landesvorsitzende Eberhard Brandt.
Die Personalversorgung sei dennoch ungenügend. Nach den Berechnungen der GEW wird an Grundschulen, Förderschulen, Haupt- und Realschulen eine Unterrichtsversorgung von 98 Prozent erreicht. Damit ist Unterrichtsausfall vorprogrammiert. Die Stundentafel kann mit diesem Wert nicht gedeckt werden. Es gibt keinerlei Reserven mehr, so dass Krankheitsfälle von Lehrkräften weiteren Stundenausfall bedeuten. Die Überlastung der Lehrkräfte werde verschärft.
An den Gymnasien wirkt sich eine massive Flucht vor dem G8 aus. Viele Schülerinnen und Schüler wechseln zu Fachgymnasien und zu den Gesamtschulen, an denen es bisher kein Turbo-Abitur gibt. Z.T. wechseln ganze Schulklassen die Schulform. Hochrechnungen der GEW gehen von rund 3.000 Gymnasiasten aus, die das G8 verlassen. Dadurch entsteht an den Gymnasien ein geringeres Lehrersoll und möglicherweise eine Steigerung der statistischen Unterrichtsversorgung auf 99,5 Prozent. "Das wird die Kultusministerin wohl kaum als Erfolg ihrer Politik verkaufen wollen", vermutet Henner Sauerland, Statistikexperte der GEW Niedersachsen und Personalvertreter der Gymnasien. Er befürchtet zudem, dass fast die Hälfte der an den Gymnasien neu Eingestellten erst am 1. November 2009 ihren Dienst antreten könnten, da sie zuvor noch ihre 2. Staatsprüfung abzulegen hätten. Die Hälfte der Klassen an den Gymnasien werde weiterhin mehr als 31 Schülerinnen und Schüler haben, eine Besserung sei nicht in Sicht, so Sauerland.
Die GEW kritisiert, dass die Gesamtschulen bei den Zielwerten gegenüber den Gymnasien diskriminiert werden, obwohl sie wegen ihrer gymnasialen Oberstufen gleich behandelt werden müssen. Das habe es auch unter der regierenden Koalition bislang nicht gegeben. Ministerin Heister-Neumann verschärfe ihre gesamtschulfeindliche Politik weiter, so Eberhard Brandt.
Das "Maßnahmenbündel" reduziert sich nach Ansicht der GEW im Kern auf das Aufstocken der Teilzeitanträge. Insbesondere im Gymnasialbereich hätten Dezernenten enormen Druck auf seine Kolleginnen und Kollegen ausgeübt, berichtet Henner Sauerland. Viele sprächen von "Erpressung" und empfänden ihre Unterschrift unter die Stundenaufstockung keinesfalls als "einvernehmliche Lösung". Die Personaldezernate der Schulbehörde hätten im Zusammenwirken mit den Schulbezirkspersonalräten die schlimmsten Auswüchse abmindern können.
Der Schuljahresanfang gestaltet sich vor allem an Gymnasien und Gesamtschulen chaotisch. Ein großer Teil der Einstellungen und der Teilzeitgenehmigungen sei erst in den Sommerferien erfolgt. Das habe die Planungsarbeiten enorm verzögert. Die Stimmung in den Schulen sei so schlecht wie lange nicht mehr. Wenn die Ministerin versuche, ihr Maßnahmenbündel als Erfolg zu feiern, würde sie in den Schulen nur auf Unverständnis stoßen. Niemand nehme ihr ab, dass die Lage ab 2011 besser werden, weil die Regierung nicht aktiv würde, um für mehr Lehrernachwuchs zu sorgen.
Die Proteste für eine bessere Ausgestaltung der Arbeitsbedingungen und Bezahlung, für bessere Studienbedingungen im Lehramtsstudium und einen attraktiveren Berufseinstieg werden ebenso weitergehen wie die Proteste gegen Turbo-Abitur an Gesamtschulen, kündigt der GEW-Landesvorsitzende an. Frau Heister-Neumann täusche sich, wenn sie glaube, ohne eine Veränderung ihrer Bildungspolitik Ruhe in den Schulen zu bekommen.
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Schule
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