Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg macht sich für eine deutliche Ausweitung der Schulsozialarbeit stark. "Sozialarbeit an der Schule zu haben, ist kein Makel mehr, sondern ein Qualitätsmerkmal für eine gute Schule", versichert VBE-Chef Rudolf Karg. Er habe wenig Verständnis dafür, dass das Land die Finanzierung mit Hinweis auf den Bundesgesetzgeber verweigere. Kommunen müssten immer mehr Ausgaben schultern, ohne dass die Umlagen erhöht würden. So müsste vielerorts auf die eigentlich notwendige Schulsozialarbeit verzichtet werden.
Der Schule fällt die immer schwieriger werdende Aufgabe zu, Schüler gegen gesellschaftliche Negativeinflüsse zu festigen und bei der Berufsfindung zu unterstützen. Gleichzeitig ist in den vergangenen Jahren der Anteil der Schüler mit Problemen stark angewachsen. Fünf bis zehn Prozent der Schüler müssen als Schulschwänzer angesehen werden. Eine noch größere Zahl hat sich innerlich von der Schule verabschiedet oder sieht Unterricht nur noch als lästige Pflicht an. Die Ursache liegt immer häufiger in der unzureichenden Erziehungskompetenz und Hilflosigkeit der Familien. "Lehrer können und wollen aber kein Elternersatz sein", unterstreicht Rudolf Karg.
Nach Auffassung des VBE dürfen Schulen nicht mehr auf sich allein gestellt bleiben. Einrichtungen der Jugendhilfe, der medizinischen und der psychologischen Betreuung, der Polizei und der Kirchen müssen mit den Eltern und der Schule in einem Netzwerk zusammenarbeiten. Dabei benötigt die Schulsozialarbeit einen festen Platz. Sich auf die Erhöhung der Zahl von Schulpsychologen zu berufen, wie es das Land jetzt tut, bedeute Äpfel mit Birnen zu vergleichen, da die Psychologen meist auch weit weg von den Schulen residierten und lediglich in Notfällen - wie etwa nach dem Amoklauf in Winnenden - dauerhaft vor Ort seien , so Karg. Dass Baden-Württemberg 2004 sukzessive den Geldhahn für die Schulsozialarbeit zugedreht habe, sei genau das falsche Signal gewesen, moniert VBE-Chef, für den Schulsozialarbeit zumindest an größeren Schulen konsequenterweise zur "Standardausrüstung" gehören müsste.