Anlässlich von Angebot und Nachfrage an Praktikumsplätzen im neu geschaffenen "Technikum", erklärt der für den Etat des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zuständige Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion im Haushaltsausschuss Klaus Hagemann:
Die Idee ist richtig, die Umsetzung durch das Bundesbildungsministerium allerdings desaströs: Um das Interesse für technisch-naturwissenschaftliche Studiengänge zu steigern und die Studierbereitschaft in ingenieurwissenschaftlichen Fächern zu erhöhen, sollen Abiturienten für eine erste Berufsorientierung nun auch mit Bundesförderung Praktika in Betrieben und Labors von wissenschaftlichen Einrichtungen angeboten werden. Zunächst unter dem Namen "Freiwilliges Technisches Jahr", jetzt als "Technikum" bastelt Bundesbildungsministerin Schavan dazu bereits seit August 2007 an einer schlüssigen Konzeption. Insgesamt vier Millionen Euro stehen dafür auf ausdrücklichen Wunsch der Ministerin im Haushalt 2009 bereit. 1.000 Praktikumsplätze jährlich sollen damit eigentlich geschaffen werden.
Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine bemerkenswerte Lücke: Zwei Jahre Vorlauf, 1,2 Millionen Euro Ausgaben, null vorzeigbarer Erfolg. Außer Spesen für ein Prestigeprojekt der Ministerin bisher nichts gewesen. Bis heute hat das Bundesbildungsministerium für die eigens aus der Taufe gehobene Service- und Programmstelle, für Zielgruppenansprache, also Broschüren und Auftritte bei Jugendmessen, und für Anzeigenschaltungen zwar bereits insgesamt rund 1,2 Millionen Euro verausgabt. Weitere 4,7 Millionen Euro sind zudem für die Folgejahre festgelegt. Effekt des ganzen Werberummels vor der Wahl: Noch kein einziger abgeschlossener Praktikumsvertrag in ganz Deutschland. Bundesweit haben bislang lediglich 19 Betriebe und Forschungseinrichtungen Praktikumsstellen gemeldet. Auf der anderen Seite bekundeten 146 Jugendliche ihr Interessen an dem Stipendiatenprogramm. Verträge selbst sind aber bis dato noch nicht zu Stande gekommen.
Falls es doch noch gelingen sollte, alle 47 bisher gemeldeten, bis zu achtmonatigen Praktikumsplätze zu besetzen, fielen für jede Stelle mehr als 25.500 Euro allein an Vorlaufkosten an. Also etwa die Summe die der Bund nach dem Hochschulpakt eigentlich für ein ganzes Vollstudium zahlt. Zumindest einen Eintrag im Guiness-Buch der Rekorde für die teuersten Praktikumsplätze der Welt hat Frau Schavan damit schon sicher. Eine volkswirtschaftliche Meisterleistung der Ministerin!
Wir haben im Haushaltsausschuss bei der Beratung des Technikums deutlich gemacht, dass wir den Übergang von Schule in das Studium nicht unnötig verlängern wollen. Wir haben deshalb auch eine enge Abstimmung mit den Ländern und der Bundesagentur für Arbeit eingefordert. Das ist offensichtlich versäumt worden. Der gute Ansatz eines Technikums, durch frühe Berufsorientierung mittelfristig die Abbrecherquoten in technisch-naturwissenschaftlichen Studienfächern zu verringern, wird durch Frau Schavans Geldverbrennungsmaschinerie nun leider zunichte gemacht.