Früherkennung von psychischen Erkrankungen im Schulalltag
Kultusstaatssekretär Wacker: Baden-Württemberg weitet Engagement in der Früherkennung und Prophylaxe von psychischen Erkrankungen bei Schülerinnen und Schülern aus - Informationsveranstaltungen und Unterrichtsmaterialien geplant
Mehr zu: Baden-Württemberg, Gesundheit, Handikap, Jugendhilfe und Sozialarbeit, Konfliktlösung, Lehrerbildung, Prävention, Stiftungen, Weiterbildung, SchuleLehrkräfte im Land sollen zukünftig noch besser in der Lage sein, psychische Erkrankungen von Schülerinnen und Schülern zu erkennen und sie auf Unterstützungsmöglichkeiten aufmerksam zu machen. Das hat Kultusstaatssekretär Georg Wacker MdL am Dienstag (25. August) in Stuttgart angekündigt. Geplant sind ein Symposium mit Fachleuten in Stuttgart, ein Schülerkongress im Herbst nächsten Jahres, eine flächendeckende Information der Schulen sowie spezielle Unterrichtsmaterialien. "Lehrkräfte sind keine Therapeuten, sie können aber bei der Früherkennung eine entscheidende Rolle spielen. Und je schneller ein Jugendlicher Hilfe erhält, desto besser für seine Entwicklung", sagte Wacker.
Zielgruppe des Symposiums in der Landeshauptstadt sind Lehrkräfte weiterführender Schulen, Mediziner und Therapeuten. Fragen nach der Früherkennung psychischer Erkrankungen bei Jugendlichen, nach dem Stand der Forschung und den Behandlungsmöglichkeiten oder nach regionalen Hilfsangeboten sollen auf dem Symposium behandelt werden. Schulen sollen die Möglichkeit haben, sich direkt mit den regionalen Beratungsstellen und niedergelassenen Medizinern zu vernetzen. Die geplante Veranstaltung ist Teil des Projekts "Jugendliche und junge Erwachsene mit psychischen Problemen im Schulalltag", eine Initiative des Kultusministeriums, des Sozialministeriums und des Landesverbands der Betriebskrankenkassen Baden-Württemberg (BKK). "Mit diesem Projekt haben wir ein Thema aufgegriffen, das Schulen vor neue Herausforderungen stellt und für Lehrkräfte immer relevanter wird", sagte Wacker. Im Frühjahr 2009 fanden bereits drei Symposien zu diesem Thema statt, die auf gute Resonanz von Seiten der Lehrkräfte gestoßen sind.
Neben dem Symposium im November soll im kommenden Jahr ein Schülerkongress zum Thema psychische Erkrankungen stattfinden, auf dem Schülerinnen und Schüler über verschiedene Krankheitsbilder von Gleichaltrigen referieren. Des Weiteren sollen Schulen und Lehrkräften Unterrichtsmaterialien über psychische Erkrankungen zur Verfügung gestellt werden. Unterstützung leisten auch die Schulpsychologischen Beratungsstellen. Die dort tätigen Schulpsychologinnen und -psychologen beraten Lehrkräfte bei pädagogisch-psychologischen Fragen und können Kontakte zu Therapeuten herstellen.
Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu. Das Robert Koch-Institut hat über den Zeitraum von 2003 bis 2006 Daten zum Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 16 Jahren erhoben. Danach lassen sich 11,5 Prozent der Mädchen und 17,8 Prozent der Jungen als verhaltensauffällig einstufen. Emotionale Probleme traten bei 9,7 Prozent der Mädchen und 8,6 Prozent der Jungen auf. Als Ergebnis wurde die Notwendigkeit betont, Probleme frühzeitig zu erkennen und präventiv vorzubeugen. "Es ist wichtig, psychische Erkrankung aus der Tabuzone herauszuholen. Die Schule spielt dabei eine wichtige Rolle. Wir wollen deshalb Lehrkräfte und Eltern zukünftig verstärkt bei dieser Aufgabe unterstützen und sie gezielt über Krankheitsbilder und Hilfemöglichkeiten informieren", betonte Wacker.
Bisherige Aktivitäten des Kultusministeriums in diesem Bereich
Mit dem BKK Landesverband Baden-Württemberg wurden bereits das Schülermentorenprogramm "Aktive Teens" zur Suchtprophylaxe unter der Schirmherrschaft von Kultusstaatssekretär Wacker, sowie das Projekt "bauchgefühl" zur Prävention von Essstörungen unter der Schirmherrschaft der Ministerin für Arbeit und Soziales, Frau Dr. Stolz, umgesetzt.
Das Kultusministerium befasste sich in der Vergangenheit im Forschungsprojekt "Chronisch kranke Kinder und Jugendliche in den allgemeinen Schulen" (2003 bis 2006, finanziert durch die Bosch-Stiftung) bereits mit den Themen Angststörung, Aufmerksamkeitsdefizitstörung, Borderline, Ess-, Sucht- und Zwangsstörung. Im Rahmen dieses Projektes stellte das Kultusministerium den regionalen Arbeitsstellen Kooperation in den Staatlichen Schulämtern eine von Pädagogen und Medizinern erstellte CD mit Hinweisen zu den Krankheitsbildern für den Schulalltag zur Verfügung.
Mehr zur Aufgabe der Schulpsychologischen Beratungsstellen im Kultusportal unter: www.kultusportal-bw.de/servlet/PB/menu/1208608/.
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