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Lehrer klagen über Benachteiligung durch neues Landesprogramm

Telefone stehen bei Gewerkschaft nicht mehr still: "Das ist ungerecht uns gegenüber!"

Mehr zu: Berufseinstieg, Bildungswesen, Dienstrecht, Junglehrer, Lehrerarbeitszeit, Lehrerbildung, Lehrermangel, Mecklenburg-Vorpommern, Referendariat, Tarifvertrag, Unterrichtsversorgung, Schule
Schwerin, 26.08.2009 -

Seit gestern stehen bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Telefone nicht mehr still. Grund ist das Landesprogramm für die "Zukunft des Lehrerberufes in Mecklenburg-Vorpommern", das am gestrigen Tage im Rahmen der Landespressekonferenz vorgestellt wurde. 10 Millionen Euro sollen demnach ab dem kommenden Schuljahr pro Jahr mehr in Schulen und Lehrer investiert werden. Die Nase vorn haben dabei die Junglehrer. Sie will die Landesregierung mit mehr Ausbildungsplätzen, Vollzeitbeschäftigung, Übernahmegarantie und einem Starter-Paket von 2.500 Euro ködern. Ein Affront für die Bestandslehrer.

"Die Kolleginnen und Kollegen rufen hier an und beschweren sich.", sagt Annett Lindner, die Landesvorsitzende der GEW. "Gerade die Lehrer, die seit Jahren in Teilzeit arbeiten und noch immer keinen verbindlichen Zeitpunkt für die Rückkehr in die Vollbeschäftigung kennen, fühlen sich angesichts der geplanten Vollzeittätigkeit für junge Lehrer betrogen. Die angekündigte Bekanntgabe einer entsprechenden Zeitschiene ist für sie bis dato nicht mehr als ein Lippenbekenntnis."

Tatsächlich sieht das Programm, das SPD und CDU in schönster Einigkeit vorstellten, jeweils 5 Millionen Euro für die Lehrer im System und die Junglehrer vor. Allein darin wird deutlich, wie wenig Wert man auf die Verbesserung der Arbeitssituation der bereits beschäftigten Lehrer und Lehrerinnen legt. Immerhin gibt es 12.100 von ihnen im Land, während sich nur wenige hundert Junglehrer auf einen warmen Geldregen freuen dürfen. "Unsere Forderung in erster Linie die Arbeitsbedingungen für die bereits Beschäftigten derart zu verbessern, dass ein Berufseinstieg auch für junge Lehrer attraktiv ist, ist damit nicht erfüllt worden. Selbstverständlich begrüßen wir die dringend nötigen Anreize für die jungen Kollegen und auszubildenden Lehrer, darunter die Einführung zweier Einstellungstermine für Referendare, die Erhöhung des Umfanges der praktischen Ausbildung und die zusätzlichen Referendarsstellen. Dies darf jedoch nicht zu einer Übervorteilung gegenüber den bestehenden Kollegien gehen.", betont Annett Lindner.

Die Maßnahmen für Letztere bewertet sie als "einen Tropfen auf den heißen Stein". So begrüßt die GEW zwar die Verbesserung bei der Honorierung für die Mentorinnen und Mentoren, doch schon bei der Einführung so genannter schulbezogener Budgets für besondere Lehrerleistungen wird das Programm zur Farce. 1,5 Millionen Euro sollen dafür im ersten Jahr zur Verfügung stehen. Das ergibt rund 2.700 Euro pro Schule, die durch die Schulleitung an die Kolleginnen und Kollegen verteilt würden. "Ein Feigenblatt" sei das, so Annett Lindner. Zumal der Leiter der Staatskanzlei gestern einräumte, dass Lehrer viele Aufgaben quasi ehrenamtlich erledigen würden. Besser würden die geplanten Maßnahmen auch nicht dadurch, dass nun bis Jahresende für jede Schulart verbindliche Zeitschienen für die Rückkehr aus der Teilzeit in die Vollzeit vorgelegt werden sollen, übrigens eine seit langem bestehende Forderung der GEW. "Das Programm ist ein Schnellschuss, das am Ende niemandem wirklich nützt – nicht den Lehrern, die schon im System arbeiten und auch nicht den jungen Lehrern.", sagt Annett Lindner und fordert Nachbesserungen. Es fehle u.a. nach wie vor die Absenkung der Pflichtstundenzahl für Bestandslehrer sowie die Anerkennung der Referendariatszeit bei der Einstufung in den Tarifvertrag. Die GEW hatte hierzu im Mai ein entsprechendes Positionspapier an die Arbeitsgruppe übergeben.

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