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Berlin, 28.08.2009 -

Senator Zöllners Äußerung "Aufbruch und Veränderung – ein Schuljahr im Zeichen der Schulstrukturreform" darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass durch die Strukturreform nur ein Teil der Berliner Schüler unmittelbar betroffen sein werden. Die Hälfte der Schüler gehen auf Grundschulen, weitere 25 % auf Gymnasien. Beide Schulformen sind durch die Strukturreform nur peripher betroffen und laufen Gefahr im Zuge der Fokussierung auf die Schulstrukturreform und die künftigen Sekundarschulen aus dem Blickfeld zu geraten. Darüber hinaus wird die Veränderung der Schulstruktur keinen unmittelbaren Einfluss auf die Qualität des Unterrichts haben. Hierzu bedarf es weiterer und weitreichenderer Anstrengungen.

Die Investition in Höhe von ca. 580 Mio. Euro in die bauliche Ausstattung ist ein richtiger Schritt. Dabei darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass der Investitionsrückstau bei ca. 1 Mrd. Euro liegt. Weitere Anstrengungen seitens des Senats und der Bezirke werden daher nötig sein.

Eine Entspannung bei der personellen Ausstattung der Schulen dürfte durch die deutliche Gehaltsanhebung bei den angestellten Lehrkräften um monatlich bis zu 1.200 Euro und die Aufstockung der Referendariatsplätze zu erwarten sein. Dennoch wird es bei den Schulen vor Ort auch weiterhin zu Unterrichtsausfällen und Engpässen kommen, solange die zuständige Abteilung bei der Senatsverwaltung es weiterhin zulässt, dass selbst große Gymnasien bei Abitur- und MSA-Prüfungen den Unterricht aller Klassen für mehrere Tage ausfallen lässt. Auch die mangelhafte Abrufung der den Schulen zur Verfügung stehenden PKB-Mittel darf nicht weiter zu Lasten der Schüler und Schülerinnen gehen.

Begrüßenswert ist, dass die vollständige Umsetzung der Schulstrukturreform nicht zum Schuljahr 2010/11 angestrebt wird. Wünschenswert wäre jedoch, dass die von allen Beteiligten als grotesk empfundene BVG-Regelung bei der Schulplatzvergabe bereits zum nächsten Schuljahr abgeschafft werden würde.

Die Darlegungen des Senators, dass die Klassenfrequenzen in den Grundschulen durchschnittlich unter 24 Schüler pro Klasse liegen und bei Klassen mit einem hohen Anteil an NdH-Schülern und lernmittelbefreiten Schülern unter 18 (stellenweise unter 14) liegen, zeigt nur eine mangelnde Effizienz der zuständigen Abteilung in der Senatsbildungsverwaltung. Solange es die Schulaufsicht zulässt, dass den Eltern der betreffenden Schulen nicht vermittelt wird, warum trotz der rechnerisch guten Personalausstattung die Schüler nicht von dieser Ausstattung profitieren oder aber dafür sorgen, dass die Schüler von dieser Ausstattung profitieren, wird der Unmut weiterhin artikuliert werden.

Begrüßenswert ist der Karteikasten "Gute Schule", mit dem Schulen, Lehrer und auch Eltern und Schüler die Fragen nach einer guten Schule, nach gutem Unterricht, nach einem guten Schulkima diskutieren können und aus den vorgegebenen Antworten Verbesserungen vor Ort ableiten können.

Die verpflichtende Teilnahme an VERA 8 (Mathematik, erste Fremdsprache) und die freiwillige Teilnahme an VERA 8 im Fach Deutsch sollte mit einer umfassenden Analyse der Ergebnisse einhergehen.

Berliner Bildungspolitik muss sich daran messen lassen, was beim einzelnen Schüler ankommt, welche Vorteile sowohl der leistungsstarke als auch ein leistungsschwächerer Schüler durch die aktuelle Politik erhalten wird. Bildungspolitik ist nur dann gut, wenn Schüler und Schülerinnen davon profitieren. Dies musste in der Vergangenheit eher bezweifelt werden. Obwohl Berlin bundesweit nahezu die höchsten Ausgaben pro Schüler hat, sind die Ergebnisse eher bescheiden. Dies lässt sich am Beispiel der Sprachförderung darlegen. Jährlich fließen 60 Mio. Euro bzw. 1.196 Lehrerstellen in die Sprachförderung, überwiegend in den Grundschulen. Dennoch gibt es nach sechs Jahren Förderung in der Grundschule noch eine erhebliche Anzahl an Schüler in den Oberschulen, die deutliche Sprachdefizite aufweisen.

Wäre die Berliner Bildungslandschaft ein Fisch, träfe das Sprichwort: "Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken." nicht zu. Der Bauch - aber auch die Schwanzflosse - scheint das Problem zu sein. Die mangelnde Effizienz in der Umsetzung und der Arbeit in der Senatsbildungsverwaltung und den Schulen lässt sich am ehestens mit dem Sprichwort: "Ein fauler Apfel steckt hundert an." beschreiben. Im Interesse der Schüler und Schülerinnen sollte der Senator hier deutlich agieren.

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