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Max Schmidt: "Ein klares Ja zu verstärkter individueller Förderung, doch die völlige Abschaffung des Sitzenbleibens wäre der falsche Weg"

Mehr zu: Bayern, Forschung, Sitzenbleiben, Stiftungen, Schule
München, 03.09.2009 -

Der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt teilt die Sichtweise des Vorstandsmitglieds der Bertelsmann-Stiftung Jörg Dräger, Pfichtwiederholungen einzelner Klassenstufen durch eine frühe schülerorientierte Förderung abzubauen. Diese sei allerdings nicht zum Nulltarif erhältlich, sondern koste zusätzliche Unterrichts- und Lehrerstunden.

Die Forderung nach der generellen Abschaffung des Sitzenbleibens lehnt Schmidt dagegen ab: "Wer das fordert, denkt zu kurz", urteilt der bpv-Chef. Dies laufe in letzter Konsequenz nämlich darauf hinaus, auch Schülern ohne entsprechende Qualifikation einen Abschluss zu verleihen. "Der daraus entstehende volkswirtschaftliche Schaden dürfte um einiges größer sein als der durch das Sitzenbleiben", gab Schmidt zu bedenken. Ein Verbleiben in der überfordernden Klassenstufe würde sich außerdem demotivierend und entwicklungshemmend auf die Schüler auswirken.

Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung: 50 Prozent der Sitzenbleiber erreichen besseren Abschluss als Nicht-Sitzenbleiber

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) kommt in einer Studie an 2500 Schülern sogar zu dem Ergebnis, dass 50 Prozent der Sitzenbleiber einen besseren Abschluss erreichen als vergleichbare Nicht-Sitzen­bleiber. "Ein klug genutztes Wiederholungsjahr ist absolut eine Chance", bestätigt Schmidt dieses Ergebnis auch aus langjähriger eigener Erfahrung als Lehrer und Kollegstufenbetreuer.

Quote der Pflichtwiederholer des Gymnasiums in Bayern zuletzt bei nur 1,7 Prozent

Einen falschen Eindruck erweckt die Bertelsmann-Studie nach Ansicht Schmidts von den Wiederholerquoten an den bayerischen Gymnasien. Der bpv-Vorsitzende machte darauf aufmerksam, dass die Quote der Pflichtwiederholer dieser Schulart seit Jahren rückläufig sei. So waren im Schuljahr 2007/08 lediglich 1,7 Prozent der Gymnasiasten davon betroffen, unter den Neugymnasiasten der 5. Klasse waren es sogar nur 0,7 Prozent. "Das heißt, dass über alle Jahrgangsstufen des Gymnasiums gerechnet im Schnitt auf zwei Schulklassen gerade einmal ein Pflichtwiederholer kommt", illustrierte Schmidt diese Zahl. Der bpv-Vorsitzende führt diese Entwicklung auch auf die Einführung der Intensivierungsstunden an den bayerischen Gymnasien vor einigen Jahren zurück.

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