Schulstart ist Lesestart: Wie Erstklässler lesen lernen
Mehr zu: Deutsch, Frühkindliche Bildung, Lernhilfen, Lernmittel, Leseförderung, Lesekompetenz, Sprachstand, Kindergarten / Vorschule, SchuleLesen eröffnet Kindern neue Welten: im neuen Schuljahr begeben sich wieder viele Erstklässler auf die Reise. Schritt für Schritt erfahren sie, was sich hinter den seltsamen Zeichen, "Buchstaben" genannt, verbirgt. Wie geht das Lesenlernen in der Grundschule vor sich, welche unterschiedlichen Methoden gibt es und auf was können Eltern achten?
Lesen und Schreiben: Schritt für Schritt
In den ersten Klassen lernen die Kinder, wie die verschiedenen Buchstaben des Alphabets aussehen, welcher Laut welchem Zeichen entspricht und wie man dieses Zeichen schreibt. Lesen ist ein höchst komplexer Prozess, bei dem zunächst bewusst gesucht und irgendwann unbewusst konstruiert wird. Stets geht es darum, den Zeichen – später dem Text – Bedeutung und Sinn zu entnehmen. Bis zum souveränen Lesen durchlaufen Kinder verschiedene Phasen. Am Anfang orientieren sie sich an einzelnen Buchstaben, Wörtern und Wortbedeutungen, die in ihrer Fibel vorkommen. Begleitende Erzählbilder sind als Unterstützung sehr wichtig. Kennen die Kinder bereits eine Reihe von Lauten und dazugehörigen Buchstaben, dann beginnen sie irgendwann, diese eigenständig zu Silben zu verbinden. Sie "erlesen" sich auch schon unbekannte Wörter, stolpern manchmal noch bei ähnlichen Lauten und Silben, besonders bei aneinandergereihten Konsonanten.
In der nächsten Phase sollten die Kinder dann größere Einheiten lesen, die aus mehreren Silben oder gar Wörtern bestehen, wie die "Groß-eltern". Nach und nach läuft das Lesen nun immer schneller, viele Wörter werden automatisch erkannt. Der Weg führt nun hin zu größeren Bedeutungszusammenhängen: die Kinder stellen Bezüge zwischen den Sätzen her, verbinden diese zu Sinneinheiten und erschließen sich so nach und nach die Bedeutung eines ganzen Textes. Was das Schreiben anbelangt, so wird immer häufiger die Druckschrift als Erstschrift eingeführt, da sie bereits vorhandenen Erfahrungen der Kinder entspricht. Es gibt unterschiedliche Schreibschriften: die lateinische Ausgangsschrift, "vereinfachte Ausgangsschrift", und die Schulausgangsschrift. Die letzten beiden werden besonders häufig gebraucht.
Welche Basis brauchen die Kinder zum Lesenlernen?
Zum erfolgreichen Lesenlernen tragen viele Fertigkeiten bei. Sehr wichtig ist das genaue Zuhören: Die Kinder müssen einzelne Laute erkennen und verstehen, wie sich ein Wort zusammensetzt. Hierfür gibt es Aufgaben, die Wörter in Silben trennen – beispielsweise Klatschspiele – oder Übungen, die mit Reimwörtern, gleichen Anfangssilben oder Anlauten spielen. Die Trennung der Silben in der Schrift entspricht aber nicht immer dem Sprachrhythmus: die Kinder müssen daher auch üben, "Schreibsilben" visuell zu erkennen und zu trennen. Wer Buchstaben auseinanderhalten will, muss ohnehin genau hinsehen: Dabei helfen Aufgaben, die optische Unterschiede, Abweichungen oder Fehler suchen lassen. Für das Schreiben spielt außerdem die Feinmotorik eine große Rolle. Die Erstklässler üben daher ihre Geschicklichkeit mit Malaufgaben, Ausschneiden und Einkleben.
Mit welchen Methoden wird Lesen gelernt?
Ans Lesen und Schreiben führen Fibeln und andere Arbeitsmaterialien heran. Es gibt unterschiedliche Ansätze und Methoden, für die sich die Lehrerinnen und Lehrer entscheiden. Ein Vorgehen ist das "analytisch-synthetische". Das bedeutet, dass die Fibeln eine bestimmte Reihenfolge vorgeben, nach der systematisch gelernt wird. Die Kinder lernen zunächst die Buchstaben, die am häufigsten vorkommen. Dazu gehören die Vokale a, i, o sowie die Konsonanten n und m. Nina wäre dann ein erstes Wort, in dem die neu gelernten Buchstaben auftauchen. Manche Fibeln konzentrieren sich stark auf Silben als Leseunterstützung, beispielsweise die Jojo-Fibel. Thematische Zusammenhänge sind in allen Fibeln wichtig: die Kinder bekommen dadurch Anhaltspunkte und werden zum Entdecken und Geschichtenverfassen angeregt. Die Tobi-Fibel etwa ist angelegt wie ein Kinderbuch, mit Handlungssträngen und Figuren, die kleine Abenteuer erleben. Eine wichtige Rolle spielen auch Handpuppen, die motivieren und emotional ansprechen – viele Eltern werden sich noch an ihre eigenen erinnern.
Neben dem systematischen Vorgehen gibt es auch Ansätze, nach denen Kinder ohne feste Buchstabenfolge mit einer Anlauttabelle lernen. Mit dem Lehrwerk TINTO beispielsweise nähern sich die Kinder dem Lesen durch Schreiben. Sie ordnen den Lauten mithilfe eines "Buchstabenhauses" selbstständig die passenden Zeichen zu und machen die begleitenden Übungen: auch hier zu Silben, zum Hören oder zur Wortschatzerweiterung. In welcher Reihenfolge das passiert, entscheiden die Kinder selbst: so lernen sie früh, Wörter zu schreiben, die ihnen wichtig sind. Eltern fühlen sich oftmals verunsichert, wenn sie zum ersten Mal mit dem Ansatz "Lesen durch Schreiben" konfrontiert werden. Doch diese Methode basiert auf neuesten Erkenntnissen und wird von den Lehrerinnen sorgfältig betreut. Prinzipiell gibt es eine Bewegung hin zur Verbindung unterschiedlicher Ansätze, da dies der Verschiedenheit der Kinder gerecht wird.
Wie werden Kinder zu Leseratten?
Kinder werden zu kleinen Leserinnen und Lesern, wenn sie früh mit lesenden Erwachsenen in Berührung kommen. Eltern sollten ihren Kindern sooft wie möglich vorlesen: so entwickeln schon die Kleinsten einen Bezug zu Büchern und verstehen, dass es darin etwas zu entdecken gibt. Die Spannung über den Ausgang einer Geschichte oder die Freude an lustigen Figuren wecken den Wunsch, irgendwann einmal auf eigene Faust zu lesen. Ein Leseheft und ein Füller für die Schultüte sind schöne Anreize für Erstklässler. Besonders hilfreich ist es, wenn die Schule auf die Vorerfahrungen der Kinder eingeht und eine Lese- und Schreibkultur aufbaut, beispielsweise durch Bücherecken und Buchvorstellungen.
Pressekontakt zu dieser Meldung
Judith Krieg
Cornelsen Verlag
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Tel.: 030/89 78 51 86
Fax: 030/89 78 55 99
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