URL: http://bildungsklick.de/pm/69855/veraenderungen-in-der-gymnasialen-oberstufe-sozialwissenschaftliches-gymnasium-neu-eingefuehrt/
Pressemeldung von: Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Veränderungen in der gymnasialen Oberstufe / Sozialwissenschaftliches Gymnasium neu eingeführt

Einführung des Orientierungsplans für Kindergärten ab September / Zahl der Ganztagsschulen im Südwesten steigt kontinuierlich

Stuttgart, 09.09.2009

"Mit dem Orientierungsplan geht das Land innovative Wege in der frühkindlichen Bildung. Kinder stecken voller Ideen und sind neugierig auf alles, was um sie herum passiert. Diese Entdeckungslust der Kinder zu fördern ist der Kerngedanke des Orientierungsplans. Durch die Verzahnung mit den Bildungszielen der Grundschule legt der Orientierungsplan den Grundstein für durchgängige Bildungswege", sagte Kultusminister Helmut Rau MdL am Mittwoch (9. September) in Stuttgart im Rahmen der Pressekonferenz zum neuen Schuljahr 2009/10. Zu den weiteren Neuerungen zählen beispielsweise Änderungen in der gymnasialen Oberstufe, die Einrichtung von beruflichen Gymnasien mit sozialwissenschaftlicher Richtung sowie eine neue Initiative zum Jugendmedienschutz.

Im Rahmen einer wissenschaftlich begleitenden Pilotphase von 2006 bis 2009 wurde das Konzept des Orientierungsplans an insgesamt 33 Kindergärten, darunter zwei Schulkindergärten, in der Praxis getestet. Darüber hinaus waren etwa 1 700 Kindergärten in unterschiedlicher Intensität an der Erprobung beteiligt. Die wissenschaftliche Begleitung hat ergeben, dass der Orientierungsplan den pädagogischen Alltag im Kindergarten bereits nachhaltig verändert hat.

Die befragten Erzieherinnen und Erzieher sehen positive Entwicklungen bei der Elternkooperation und in der Qualitätssicherung. Auch die Arbeit im Team und das berufliche Selbstbewusstsein hat der Orientierungsplan positiv beeinflusst. Die höchste Wertschätzung wird den Fortbildungen zugeschrieben. Parallel zum Beginn der Pilotphase legte das Kultusministerium ein mit den Kirchen und den kommunalen Landesverbänden gemeinsam erstelltes Fortbildungskonzept vor. Bis Ende 2009 werden alle 38 000 Erzieherinnen und Erzieher ein Fortbildungsangebot erhalten haben. Die Kosten von rund 20 Millionen Euro für die Fortbildungen werden von Land und Kommunen je zur Hälfte finanziert.

Auf der Basis der wissenschaftlichen Erkenntnisse, der Erfahrungen der Kindergärten und einer breiten Beteiligung von Experten und Wissenschaftlern wurde der Orientierungsplan weiterentwickelt. Zum Schuljahresbeginn 2009/10 steht er nun landesweit als Grundlage für die Kooperation zwischen Kindergärten und Grundschulen zur Verfügung. Die Zusammenarbeit zwischen beiden Einrichtungen kann soweit gehen, dass sie sich zu einem Bildungshaus für Drei- bis Zehnjährige verzahnen. Zum Konzept der frühkindlichen Bildung in Baden-Württemberg gehören zudem gezielte Fördermaßnahmen für Kinder mit Entwicklungsrisiken, beispielsweise im Rahmen des Projekts "Schulreifes Kind" oder des Sprachförderprogramms "Sag' mal was" der Landesstiftung Baden-Württemberg.

Gymnasiale Oberstufe: Vereinfachtes Punktesystem

Ab dem kommenden Abitur 2010 wird zwischen einem Kursblock mit 600 Punkten und einem Prüfungsblock von erreichbaren 300 Punkten unterschieden. Mit diesem neuen System wird das Gewicht der Ergebnisse der Abiturprüfung erhöht. Der Anteil am Gesamtergebnis erhöht sich von ca. 26 auf 33 Prozent. Ziel ist es, das Berechnungs- und Belegungssystem deutlich zu vereinfachen und gleichzeitig die allgemeine Studierfähigkeit weiter zu stärken. Durch die Einführung eines variablen Anrechnungsfaktors können Schülerinnen und Schüler künftig alle belegten Fächer ihrer Wahl in die Anrechnung mit einbringen. An diese Veränderung schließen sich weitere Reformschritte an. Dazu zählt eine vereinfachte Fächerwahl. Die Unterscheidung zwischen Kernkompetenz-, Profil- und Neigungsfach entfällt. Wie bisher sind fünf vierstündige Fächer zu belegen, die aber künftig alle einfach gewertet werden.

Verpflichtend zu belegen sind Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache (Pflichtkernfächer) sowie zwei Wahlkernfächer, von denen eines entweder eine weitere Fremdsprache oder eine Naturwissenschaft sein muss. Verpflichtender Bestandteil der schriftlichen Abiturprüfung sind weiterhin die Fächer Deutsch, Mathematik sowie eine als Kernfach gewählte Fremdsprache. Hinzu kommt ein weiteres Kernfach nach Wahl.

Weitere Maßnahmen zielen darauf ab, die Bedeutung der Natur- und Gesellschaftswissenschaften hervorzuheben. Dazu gehören die volle Anrechungspflicht für alle acht Kurse in den zwei zu belegenden Naturwissenschaften sowie die Vergabe von Einzelnoten für die Fächer Geschichte, Gemeinschaftskunde und Geografie. Diese Fächer werden in der Oberstufe abwechselnd in der Kombination Geschichte und Gemeinschaftskunde beziehungsweise Geschichte und Geografie unterrichtet. Bisher wurden Durchschnittsnoten gebildet.

Neu: Berufliche Gymnasien mit sozialwissenschaftlicher Richtung

Zum Schuljahr 2009/10 werden 15 neue sozialwissenschaftliche Gymnasien eingerichtet (Anlage 1). Bislang gab es nur zwei öffentliche sozialpädagogische Gymnasien, die nun ebenfalls zu sozialwissenschaftlichen Gymnasien weiterentwickelt werden. Das besondere Profil wird durch das sechsstündige Fach "Pädagogik und Psychologie" und das zweistündige Fach "Sozialmanagement" konstituiert. Das Land trägt damit den geänderten Anforderungen an die Ausbildungsqualität in den Bereichen Betreuung, Pflege und Gesundheit Rechnung. Falls sich ein weiterer dauerhafter Bedarf abzeichne, könnten zusätzliche sozialwissenschaftliche Gymnasien eingerichtet werden, betonte Rau. Aus Ressourcengründen erfolgt die Neueinrichtung von vollzeitschulischen Bildungsgängen grundsätzlich gegen Substitution. Bei der konkreten Umsetzung werden insbesondere die Bedarfslage, regionale Gegebenheiten und das Bildungsangebot in der Region sowie die spezifische Situation der jeweiligen Schule berücksichtigt.

Weiterentwicklung der Berufsoberschule

Ab dem neuen Schuljahr wird es für Schülerinnen und Schüler der Berufskollegs noch einfacher, in die Oberstufe der Berufsoberschule (BOS) zu wechseln. Um die Durchlässigkeit zwischen den beiden Bildungsgängen zu erhöhen, wurden Stundentafeln und Lehrpläne stärker aufeinander abgestimmt, so dass ein Quereinstieg direkt in das zweite Jahr der Oberstufe der Berufsoberschule erleichtert wird. Für den Wechsel qualifiziert zukünftig der Berufsabschluss plus Fachhochschulreife mit einem Durchschnitt von 2,5 aus den Noten aller maßgebenden Fächer und in Deutsch, Mathematik und Englisch sowie im Profilfach besser als "ausreichend". Bisher war der Durchschnitt von 2,0 aus den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik Voraussetzung. Auf Wunsch einiger Schulen ist es ab sofort auch möglich, die Oberstufe der BOS in Teilzeit zu absolvieren.

Die Berufsoberschule bietet jungen Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung die Möglichkeit, die Hochschulreife zu erlangen. Sie unterteilt sich in eine Mittelstufe und eine Oberstufe. Hauptschüler mit abgeschlossener Berufsausbildung können an der Berufsaufbauschule (Mittelstufe) in einem Jahr den mittleren Bildungsabschluss (Fachschulreife) erwerben. Anschließend können die Jugendlichen auf einem Berufskolleg die Fachhochschule erlangen oder über die Oberstufe der BOS in zwei Jahren die Hochschulreife. Die Oberstufe der BOS gibt es in den Fachrichtungen Technik, Wirtschaft und Soziales. Ab dem neuen Schuljahr wird die Berufsoberschule für Sozialwesen zur schulischen Regelform. Bislang wurde diese Fachrichtung in Bad Saulgau als Schulversuch erprobt. Zum kommenden Schuljahr kommen mit Freiburg, Künzelsau und Weinheim drei neue Standorte hinzu.

Kontinuierliche Zunahme an Ganztagsschulen

Die Anzahl der öffentlichen und privaten Ganztagsschulen erhöht sich im neuen Schuljahr 2009/10 von 1 063 auf 1 224 (Anlage 2). "Der kontinuierliche Anstieg zeigt, dass Ganztagsschulen ein wichtiger Bestandteil unserer Schullandschaft geworden sind. Sie bieten Raum für gezielte Förderung und Unterstützung, insbesondere für lernschwache Kinder und Jugendliche", sagte Kultusminister Rau.

In der dritten Antragsrunde des Landesprogramms zur Genehmigung von Ganztagsschulen in Baden-Württemberg mit zusätzlicher Lehrerzuweisung sind 160 Anträge genehmigt worden. Unter den neuen Ganztagsschulen sind 31 Schulen mit besonderer pädagogischer und sozialer Aufgabenstellung, die einen verpflichtenden Ganztagsbetrieb anbieten. 129 Schulen richten zukünftig offene Ganztagsangebote ein.

Ganztagsschulen in offener Angebotsform können in allen Schularten der allgemein bildenden Schulen (Primarstufe und Sekundarstufe I) eingerichtet werden. Die Teilnahme am Ganztagsbetrieb ist freiwillig. Zu den Genehmigungsvoraussetzungen gehören ein pädagogische Konzept, Ganztagsbetrieb an vier Tagen und ein warmes Mittagessen an allen Tagen mit Ganztagsbetrieb. Seit Januar 2009 unterstützt die Serviceagentur "Ganztägig lernen" Schulen bei der Entwicklung, Umsetzung und Qualitätssicherung ihrer Ganztagsschulkonzepte. Die regionale Serviceagentur bietet den Ganztagsschulen Informationen, Fortbildungen und Beratung zu zentralen Themen der Ganztagsschulentwicklung.

Neue Initiative zum Jugendmedienschutz

Im Auftrag des Kultusministeriums startet das Landesmedienzentrum unter dem Motto "Medien – aber sicher" ein auf zwei Jahre angelegtes Projekt zum präventiven Jugendmedienschutz. Im Mittelpunkt stehen dabei neue technologische Entwicklungen und Medieninhalte wie Computerspiele, internetbasierte "Social Communities" und Handys. Zielgruppen sind Lehrkräfte, Pädagogen, Erzieherinnen und Erzieher sowie Multiplikatoren. "Eine wichtige Aufgabe von Schule und Elternhaus ist es, Kinder und Jugendliche an eine kritische Mediennutzung heranzuführen. Das neue Projekt bietet dafür die Grundlagen und die notwendige Infrastruktur", betonte Rau. Um Kinder und Jugendliche für die Risiken zu sensibilisieren und ihnen Anregungen für den souveränen Umgang mit Medien zu vermitteln, wurden spezielle Materialien entwickelt. Die neue Anlauf- und Beratungsstelle "Medien – aber sicher" beantwortet Fragen zu allen Aspekten jugendlicher Mediennutzung und gibt konkrete Tipps für die pädagogische Praxis. In allen Stadt- und Landkreisen finden zudem im Rahmen einer Thementour Informations- und Vernetzungsveranstaltungen zum präventiven Jugendmedienschutz statt.

Anhang

Anlage 1. Neue berufliche Gymnasien sozialwissenschaftlicher Richtung

Schule/Ort Kreis
Mathilde-Planck-Schule Ludwigsburg LK Ludwigsburg
Richard-von-Weizsäcker-Schule Öhringen Hohenlohekreis
Hedwig-Dohm-Schule Stuttgart SK Stuttgart
Eugen-Grimminger-Schule Crailsheim LK Schwäbisch-Hall
Justus-von-Liebig-Schule Aalen Ostalbkreis
Helene-Lange Schule Mannheim SK Mannheim
Käthe-Kollwitz-Schule Bruchsal LK Karlsruhe
Johanna-Wittum-Schule Pforzheim SK Pforzheim
Anne-Frank-Schule Rastatt LK Rastatt
Hauswirtschaftliche Schulen Bad Säckingen LK Waldshut
Albert-Schweitzer-Schule Villingen-Schwenningen Schwarzwald-Baar-Kreis
Magdalena-Neff-Schule Ehingen Alb-Donau-Kreis
Hauswirtschaftliche Schule Hechingen Zollernalbkreis
Sophie-Scholl-Schule Leutkirch LK Ravensburg
Sybilla-Merian-Schule Sigmaringen LK Sigmaringen


Anlage 2: Öffentliche und private Ganztagsschulen im Schuljahr 2009/10 1)

(Vorläufiger Stand 01.09.2009)

Schulart 2) Zahl der Ganztagsschulen
Gesamt öffentliche Trägerschaft private Trägerschaft
Grundschule 283 3) 271 12
Hauptschule 397 390 7
Realschule 99 85 14
Gymnasium 158 123 35
Schule besonderer Art 3 3 0
Orientierungsstufe 1 1 0
Sonderschule 274 175 99
Waldorfschule 9 0 9
Summe der Schularten 1 224 1 048 176


Quelle: Statistisches Landesamt und Kultusministerium

1) Ganztagsschulen des Schuljahres 2007/08, die mindestens die Anforderungen der KMK-Definition erfüllen, zzgl. der neu genehmigten Ganztagsschulen nach Landeskonzept mit entsprechender Lehrerzuweisung.

2) Schulen mit mehreren Schularten sind in der jeweiligen Schulart gezählt.


Zur Veröffentlichung freigegeben - Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg / bildungsklick.de


Zurück zur Meldung