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Pressemeldung von: Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Kultusminister Rau erwartet Modernisierungsschub durch "Qualitätsoffensive Bildung"

Rahmenbedingungen für Schule und Unterricht werden systematisch weiterentwickelt / 530 Millionen Euro stehen bereit / Schwerpunkte liegen auf der Absenkung des Klassenteilers, der Personalentwicklung und der Einführung von Bildungsregionen

Stuttgart, 09.09.2009

Von der Umsetzung der "Qualitätsoffensive Bildung" erwartet Kultusminister Helmut Rau MdL einen "Modernisierungsschub" für das baden-württembergische Schulsystem. "Wir investieren über eine halbe Milliarde Euro, um die Rahmenbedingungen für Schule und Unterricht systematisch zu verbessern. Am Ende dieses Prozesses wird ein Qualitätssprung stehen, der unserem Land einen dauerhaften Platz unter den Top-Bildungsregionen in Europa sichert." Dies sagte Rau am Mittwoch (9. September) in Stuttgart anlässlich der traditionellen Pressekonferenz vor Beginn des Schuljahres 2009/10.

Ein Schwerpunkt der Qualitätsoffensive liegt auf der schrittweisen Absenkung des Klassenteilers. Der Teiler sinkt zum neuen Schuljahr von 33 auf 32, bis Ende der laufenden Legislaturperiode schrittweise auf 30 und danach auf 28. "Die Unterrichtssituation wird sich positiv verändern. Weniger Schüler in einer Klasse ermöglichen den Lehrkräften effizienter zu unterrichten und den Schülern konzentrierter zu lernen", sagte Rau. Bis 2011 werden insgesamt 3 200 zusätzliche Lehrerstellen für die Bildung kleinerer Klassen zur Verfügung gestellt.

Leitungszeit für Schulleiterinnen und Schulleiter erhöht

Ein weiterer Schwerpunkt der Qualitätsoffensive Bildung liegt auf der qualitativen Personalentwicklung und der weiteren Professionalisierung des Schulmanagements. Mit Beginn des neuen Schuljahres wird die Leitungszeit für Schulleiterinnen und Schulleiter angehoben. Der Sockel der Leitungszeit wird um eine Stunde auf acht Stunden wöchentlich erhöht. Für die Klassen 1 bis 20 erfolgt eine Erhöhung um 0,2 auf 1,2 Wochenstunden pro Klasse, für die Klassen 21 bis 40 um 0,25 auf dann eine Wochenstunde pro Klasse. "Die Leitung einer Schule hat sich zu einer komplexen und zeitintensiven Managementaufgabe entwickelt", so der Kultusminister. Insbesondere der zunehmende Abstimmungsbedarf mit den am Schulleben Beteiligten und die Kooperation mit außerschulischen Partnern erfordern einen stärkeren Einsatz der Schulleitung.

Orientierungs- und Vorbereitungsseminare für Führungskräftenachwuchs

Flankierend zur Erhöhnung der Leitungszeit sind Orientierungs- bzw. Vorbereitungsseminare vorgesehen, um Lehrkräfte für Führungsaufgaben zu qualifizieren. Zunächst ist vorgesehen, Lehrkräften in einem Orientierungsseminar einen Überblick über die Funktionsstellen an Schulen zu geben sowie den Aufbau und die Rolle der Schulverwaltung zu vermitteln. Dies wird mit einem ersten Bewerbertraining und einer Beratung zu den persönlichen Entwicklungspotenzialen verbunden. Geplant sind 40 Kurse für insgesamt 800 Personen. Daran schließen sich Vorbereitungsseminare an, die sich neben den Lehrkräften, die das Orientierungsseminar erfolgreich durchlaufen haben, insbesondere an stellvertretende Schulleiter aller Schularten, Abteilungsleiter an Gymnasien und Beruflichen Schulen sowie Fachschulräte in der Funktion als Abteilungsleiter an Heimsonderschulen, an Fachberater und Schulaufsichtsbeamte richten. Die Vorbereitungsseminare beinhalten Kurse zum Schulmanagement, zur Kommunikation und Konfliktbearbeitung sowie zur Kooperation mit außerschulischen Partnern. Am Ende des Seminars soll eine abschließende Kompetenzbeurteilung stehen. Vorgesehen sind 180 Kurse für insgesamt 1 400 Personen.

Zulagen für Fremdevaluatoren, Fachberater und Direkteinsteiger

Die beim Landesinstitut für Schulentwicklung eingesetzten Fremdevaluatoren sowie die Fachberater für Schulentwicklung erhalten ab September 2009, soweit sie sich nicht in der Besoldungsgruppe A15 befinden, eine Zulage in Höhe von 75 Prozent der Differenz zum Endgrundgehalt der nächst höheren Besoldungsstufe. Je nach Besoldungsgruppe beläuft sich das Gehaltsplus auf einen Betrag zwischen 256 bis 456 Euro brutto im Monat. Außerdem nehmen die Fachberater ihre anspruchsvolle Aufgabe zukünftig mit einem vollständigen Deputat wahr, bislang erhielten sie Anrechnungsstunden auf ihr Wochendeputat. Direkteinsteiger an den beruflichen Schulen mit Universitätsabschluss erhalten in den Bereichen Metalltechnik und Elektrotechnik eine tarifliche Zulage von bis zu 800 Euro brutto, für Direkteinsteiger mit Fachhochschul- oder Berufsakademieabschluss ist eine Zulage von bis zu 600 Euro brutto vorgesehen. Der monatliche Bruttoverdienst beträgt mit diesen Zulagen dann je nach anrechenbarer Berufserfahrung zwischen 3 555 und 4 635 Euro.

Beförderungsstellen für 20 Prozent der Hauptschullehrkräfte

Ab dem 1. September erhalten 20 Prozent der Hauptschullehrkräfte eine Beförderungsstelle. Für die Vergabe der Beförderungsstelle ist die dienstliche Beurteilung des Schulleiters maßgeblich, die letzte Entscheidung liegt beim jeweiligen Regierungspräsidium. Die Anhebung der Stellen von A12 auf A13 bedeutet ein Gehaltsplus von bis zu 439,86 Euro brutto. Eine höhere Besoldung erhält künftig auch ein Teil der Rektoren und Konrektoren von Grund- und Hauptschulen sowie von eigenständigen Hauptschulen, um den bisherigen Besoldungsabstand zu den Lehrkräften zu wahren. Ein Schulleiter einer Hauptschule bzw. verbundenen Grund- und Hauptschule wird zukünftig mindestens nach Besoldungsgruppe A13 plus Amtszulage in Höhe von 170,14 Euro monatlich besoldet. Um mindestens eine Gleichstellung zwischen Konrektoren und beförderten Hauptschullehrkräften zu erreichen, werden Konrektoren an Hauptschulen bzw. verbundenen Grund- und Hauptschulen künftig nach A13 besoldet.

Neue Bildungsregionen eingerichtet

Im Rahmen des Impulsprogramms Bildungsregionen sollen regionale Netzwerke zwischen Schule, Wirtschaft, gesellschaftlichen Organisationen sowie Einrichtungen der außerschulischen Jugendbildung im Land etabliert werden. Ab September gründen nach dem Vorbild der Modellregionen Ravensburg und Freiburg sechs Stadt- und Landkreise eine Bildungsregion, um die Lern- und Lebenschancen von Kindern und Jugendlichen zu sichern und zu verbessern. Dazu zählen die Stadtkreise Heilbronn, Heidelberg und Mannheim sowie die Landkreise Ostalb, Ortenau und Schwarzwald-Baar.

Die Regionen sollen mit Vertretern der Schulaufsicht im Rahmen einer regionalen Steuerungsgruppe zusammenarbeiten. Die Förderung des Landes besteht aus einem finanziellen Zuschuss in Höhe von 45 000 Euro pro Jahr oder der Abordnung einer Lehrkraft. Die Regionen müssen in mindestens der gleichen Höhe eigene laufende Personal- und Sachmittel in die Einrichtung und den Betrieb einer Bildungsregion einbringen. Am Landesinstitut für Schulentwicklung wird eine Beratungsstelle angesiedelt, die fachliche Unterstützung beim Aufbau der Bildungsregionen bietet.

Neue Werkrealschule - Frist für erste Antragsrunde endet am 15. Dezember

Die Antragsfrist für Schulträger zur Einrichtung einer neuen Werkrealschule endet am 15. Dezember diesen Jahres. "Aufgrund der vielen Anfragen rechne ich damit, dass von der ersten Antragsrunde ein kräftiger Schub für eine dynamische Entwicklung ausgeht. Bis zum Ende der nächsten Legislaturperiode dürfte sich der neue Bildungsgang durchgesetzt haben", sagte Rau. Die neue Werkrealschule sei ein attraktives Bildungsangebot, weil sie ein hohes Maß an individueller Förderung mit einer konsequenten Stärkung der Ausbildungsreife verknüpfe und von Beginn an auf den Erwerb der Mittleren Reife ausgerichtet sei. Ein innovatives Element stelle die Kooperation der zehnten Werkrealschulklasse mit der Eingangsklasse der zweijährigen Berufsfachschule dar. Das Profil des neuen Bildungsgangs werde durch drei zweistündige Wahlpflichtfächer, die in Klasse 8 und 9 hinzukommen, geschärft. Die Zweizügigkeit bleibe die Basis für die Umsetzung der Werkrealschule vor Ort. Die Schulträger könnten auch ein Konzept mit mehreren Standorten verfolgen, sagte Rau. Einzügige Hauptschulen mit einem 10. Schuljahr könnten sich im Sinne des neuen Werkrealschulkonzepts weiterentwickeln, sofern und solange eine Mindestschülerzahl von 16 erreicht werde.


Zur Veröffentlichung freigegeben - Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg / bildungsklick.de


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