20 Jahre Mauerfall und Deutsche Einheit – Schwerpunkt im Schuljahr 2009/10
Kultusminister Rau: Schulen sollen die DDR-Geschichte im Rahmen des bundesweiten Projekttags am 9. November thematisieren / Online-Portal, Zeitzeugengespräche und Lesungen vermitteln auf lebendige Weise deutsche Nachkriegsgeschichte
Mehr zu: Außerschulische Lernorte, Baden-Württemberg, Deutschland, E-Learning, Kulturelle Bildung, Politische Bildung, Schulprojekte, Schule"Die zwanzigsten Jahrestage von Mauerfall und Deutscher Einheit in diesem und im kommenden Jahr bieten eine gute Gelegenheit, die Geschichte der DDR verstärkt im Unterricht zu behandeln", sagte Kultusminister Helmut Rau MdL am Mittwoch (9. September) in Stuttgart. "Durch vielfältige mediengestützte Informations- und Diskussionsangebote unterstützen wir die Schulen dabei, die Ereignisse der deutschen Nachkriegsgeschichte interessant darzustellen und damit Anregungen für Diskussionen zu geben", erklärte Rau.
Bereits im Februar hatte der Kultusminister die Schulen in Baden-Württemberg zu einer intensiven Beschäftigung mit dem Thema DDR und zur Gestaltung von Projekttagen aufgerufen. Die Kultusministerkonferenz hat diese Initiative aufgegriffen und vorgeschlagen, jährlich am 9. November einen Projekttag zur Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts durchzuführen.
Im Auftrag des Kultusministeriums hat die Landeszentrale für politische Bildung unter Mitwirkung von Fachleuten des Landesinstituts für Schulentwicklung und des Landesmedienzentrums ein neues Online-Portal entwickelt. Dieses Portal bietet zahlreiche Informationen, wie die Geschichte der DDR im Schulunterricht ideologiekritisch und mit sinnvollem Medieneinsatz vermittelt werden kann. Es bietet Hintergründe, stellt Materialien für den Unterricht zur Verfügung, verweist auf Literatur und Medien und informiert über weiterführende Links.
Zeitzeugen sollen authentischen Eindruck vom DDR-Alltag vermitteln
Zu den zentralen Angeboten gehören Vorführungen des oscarprämierten Films "Das Leben der Anderen", die mit Zeitzeugengesprächen verbunden werden sollen. Ansprechpartner ist das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, das in Zusammenarbeit mit den Stadt- und Kreismedienzentren die Filmvorführungen und die Vermittlung von Zeitzeugen organisiert. "Die Kombination aus Film und Zeitzeugenbericht vermittelt einen authentischen Eindruck von der Lebensrealität in einer Diktatur. Das ist besonders wichtig für eine Generation, die die DDR nur noch aus Geschichtsbüchern kennt", sagte Rau. Ein besonderer Höhepunkt stellt eine Lese- und Diskussionsveranstaltung am 22. Oktober 2009 mit der Autorin Susanne Schädlich und Kultusminister Rau im Literaturhaus Stuttgart dar, an der rund 200 Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 und 10 verschiedener Schularten teilnehmen werden. Susanne Schädlich ist die Tochter des Schriftstellers Hans-Joachim Schädlich, der zu den Schlüsselfiguren der kritischen Literatenszene in der DDR zählt und im Dezember 1977 mit seiner Familie die DDR verließ. Susanne Schädlich wird aus ihrem neuen Buch "Immer wieder Dezember" lesen, in dem sie die Ereignisse in der DDR und der Zeit danach aus ihrer Perspektive schildert.
Regionale Medienzentren bieten Angebote zur Lehrerfortbildung
Die regionalen Medienzentren bieten Fortbildungen für Lehrkräfte zum Thema "20 Jahre friedliche Revolution in der DDR" an. Die Veranstaltungen behandeln unter anderem Fragen zur Arbeit mit themenbezogenen Medien im Unterricht oder bieten Unterstützung bei der Moderation von Diskussionen von Schülern und Schülerinnen mit Zeitzeugen. Das Stadtmedienzentrum Stuttgart widmet speziell diesem Schwerpunkt einen eigenen Medientag am 20. Oktober, zu dem Schulklassen, Lehrkräfte und andere Interessierte eingeladen sind.
Ein weiteres Angebot sind gezielte Lehrerfortbildungen, darunter beispielsweise zwei gemeinsame Fortbildungen für Lehrkräfte sowie Schulleiterinnen und Schulleiter aus Sachsen und Baden-Württemberg. Die erste Veranstaltung Anfang September zum Thema "Konversionen – 20 Jahre nach der friedlichen Revolution" hat Aspekte der DDR-Geschichte sowie Biographien aus Ost und West mit dem politischen Geschehen der Jahre seit 1989 verknüpft. Die zweite Fortbildung zum Thema "Begegnungen – 20 Jahre nach der friedlichen Revolution" folgt Mitte September. Als Referenten sind u.a. Günter Schabowski sowie der sächsische Kultusminister Professor Dr. Roland Wöller vorgesehen.
Auch das Institut für politische Bildung Baden-Württemberg (Studienhaus Wiesneck) wird zum Schuljahr 2009/2010 Fortbildungen zur DDR-Geschichte anbieten. Mit dem Studienhaus Wiesneck hat Baden-Württemberg ein Studienhaus der Jugendbildung, das sich über Jahrzehnte hinweg gezielt mit Ost/West-Themen befasst hat.
Geschichte der DDR ist Gegenstand aller Bildungspläne
Die Bundesrepublik Deutschland, die DDR sowie die Geschichte der deutschen Teilung sind Gegenstand in den Bildungsplänen aller weiterführenden allgemein bildenden Schulen in Baden-Württemberg. Auch in den beruflichen Schulen werden diese Aspekte im Rahmen der deutschen Nachkriegsgeschichte behandelt. Neben dem Fach Geschichte bieten weitere Fächer und Fächerverbünde Anknüpfungspunkte zur fachübergreifenden Reflexion der DDR-Geschichte. Dazu zählt auch die Einbeziehung außerschulischer Lernorte wie Museen oder Archive. Viele Schulen nehmen eine Vertiefung über Berlinfahrten, Zeitzeugenbefragungen oder Projekte wahr, gerade um einer Verharmlosung des durch Unterdrückung und Überwachung gekennzeichneten SED-Staates entgegenzuwirken.
Weiterführende Links
- Online-Portal "DDR im Unterricht": www.ddr-im-unterricht.de
- Für Details zu den Fortbildungen "20 Jahre friedliche Revolution in der DDR" des Verbunds der Medienzentren in Baden-Württemberg wenden Sie sich an die örtlichen Medienzentren: www.lmz-bw.de/medienzentren.
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