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Pressemeldung
Frankfurter Buchmesse

Die Zukunft der Comics ist elektronisch

Wie sich deutsche Comicverlage auf papierlose Zeiten vorbereiten

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Frankfurt am Main, 09.10.2009 -

Noch steht der Buchbranche der Abschied vom Papier nicht ins Haus. Gerade einmal 65.000 E-Books konnten im ersten Halbjahr 2009 in Deutschland verkauft werden (Quelle: GfK). Dennoch bereiten sich diverse Verlage auf elektronische Zeiten vor. Denn dass die "digitale Wende" auch im Comicbereich früher oder später kommen wird, das zeichnet sich in Ländern wie Japan und den USA bereits ab. Was die Zukunft bringt und über welche Trends die Comicbranche diskutiert, das ist in diesem Jahr auch Thema im Comic-Zentrum auf der Frankfurter Buchmesse (14. bis 18. Oktober 2009), das in diesem Jahr seinen zehnten Auftritt feiert.

Print bleibt Print – doch ein Generationswechsel steht bevor

Das Comic-Zentrum der Frankfurter Buchmesse (Halle 3.0 J 807) präsentiert auch 2009 Neuerscheinungen und Trends im Bereich Comic und Manga vorwiegend auf Papier. Einen Trendwandel kann der Frankfurter Comic-Buchhändler Wolfgang Strzyz, der seit Gründung des Comic-Zentrums im Jahr 2000 für dessen inhaltliche Gestaltung verantwortlich ist, nicht ausmachen. "Das Buch ist das Buch", betont er und führt weiter aus: "Wir haben nun einmal eine europäische Kultur, in der Gedrucktes eher angenommen wird als Elektronisches." Auch in den nächsten Jahren werde der Print-Comic bei weitem den größten Anteil an den ausgestellten Werken haben, ist Strzyz überzeugt. Allerdings, schränkt er ein, gelte das vor allem für den Bereich des klassischen Comics. "Bei den Manga kann es bald ganz anders aussehen." Hintergrund sei der Generationenwechsel. Manga - Comics aus Japan - sind die bevorzugte Comiclektüre heutiger Teenager, die mit einem ganz anderen Selbstverständnis an elektronische Medien herangehen als ältere Comicleser.

E-Comic: Comiclektüre am Handy-Bildschirm

Manga-Verlage wie Tokyopop sind deshalb Vorreiter einer möglichen Entwicklung hin zum E-Comic. Seit Sommer 2009 verkauft der Hamburger Verlag Titel aus dem eigenen Programm digital über einen führenden Klingeltonanbieter. Es sei "klar, dass unsere Leser keine 200 bis 300 Euro für ein Endgerät nur zum Lesen ausgeben", erklärt Verlagsleiter Joachim Kaps diesen Schritt. Ein Handy dagegen besitze jeder Teenager.

Bei seinem Vorgehen orientiert sich Tokyopop vor allem an der Entwicklung auf dem asiatischen Markt. Insidern zufolge werden in Japan bereits zehn Prozent aller Manga-Umsätze mit dem Handy gemacht. Umgerechnet rund 250 Millionen Euro Umsatz erreichte die Handymanga-Branche im vergangenen Jahr. Ein äußerst lukrativer Markt - und im Gegensatz zum schrumpfenden Papiergeschäft ein Wachstumsbereich. Von 2007 zu 2008 verdoppelten sich die Umsätze der Handymanga in Japan nahezu.

Während in Japan deshalb inzwischen umfangreiche Manga-Serien und Romane für das Handy komplett verfügbar sind, tastet sich Tokyopop langsam vor. Drei Titel stehen derzeit zum Download bereit. Insgesamt dient die Kooperation mit dem Klingeltonanbieter derzeit vor allem als Lockmittel, "um Leser, die bisher noch nichts mit Manga zu tun hatten, an das Medium heranzuführen", so Joachim Kaps. Das gedruckte Buch sei hier allerdings weiterhin das Ziel. Langfristig sieht Kaps allerdings einen großen Markt für E-Comics - wenn auch mit Einschränkungen: "Man muss die Lesesituation berücksichtigen." Manga auf dem Handy seien eher als kurze Lektüre für zwischendurch geeignet. Deshalb gäbe es die Tokyopop-Handymanga in kurze Kapitel unterteilt. "Ich glaube nicht, dass sich jemand 42 Bände 'Dragon Ball' am Stück auf dem Handy durchliest", so Kaps.

Federführend bei der Etablierung der Manga in Deutschland war vor etwa zwölf Jahren der Carlsen Verlag. Von der Actionserie "Dragon Ball", die in diesem Jahr auch als Realverfilmung in die Kinos kam, wurden seit 1997 rund 6,5 Millionen Exemplare verkauft. Bei elektronischen Comics allerdings hält sich Carlsen bedeckt. "Natürlich haben wir entsprechende Projekte in der Schublade", sagt Kai-Steffen Schwarz, Manga-Programmleiter bei Carlsen. "Wir wollen uns allerdings in Ruhe ansehen, wie sich der Markt entwickelt." Die Zukunft der mobilen Comics sieht allerdings auch Schwarz eher auf dem Handy als auf einem teuren E-Book-Reader, dessen Kauf sich bei den derzeitigen Kosten für die junge Klientel kaum rechne.

Weg vom Handy, hin zur Webcomic-Plattform

Einen anderen Weg schlägt die Initiative von myComics.de ein, eine Webcomic-Plattform, die nicht den Download, sondern lediglich das Betrachten von Comics am Rechner ermöglicht. Hinter myComics steht der Panini-Verlag, auf dem deutschen Comicmarkt vor allem als Herausgeber unzähliger "Simpsons"- und Superheldencomics bekannt. Auf der bisher kostenlosen Seite kann jeder Comics hochladen, vom Verlag bis zum privaten Comic-Fan und -Künstler. Insbesondere deutsche Independent-Verlage nutzen diese Möglichkeit derzeit rege, um ihre Inhalte zu verbreiten. Mittelfristig will Panini aber nicht beim Gratis-Modell bleiben. "Selbstverständlich haben wir auch Pläne, über diese Plattform Comics zu verkaufen", erklärt Alexandra Haas, die das Projekt myComics betreut.

Auch das Comic-Zentrum der Frankfurter Buchmesse spiegelt die Tendenzen in Richtung E-Comic durch Podiumsgespräche mit Autoren und Experten aus den Verlagen und den Medien wider. Insbesondere am Messe-Mittwoch und -Donnerstag wird es hier um das Pro und Contra, die verschiedenen Erscheinungsformen und die Vermarktungsfähigkeit von E-Comics gehen. Comic-Fans und Medien-Interessierte können sich im Comic-Zentrum ansehen, ob und wie die praktische Umsetzung der neuen Strategien gelungen ist.

Text: Stefan Pannor

Veranstaltungstipps Comic-Zentrum:

Mittwoch, 14. Oktober 2009
12.00 Uhr
Das Comic-Frühstück mit Splashcomics – E-Comics in Deutschland
Moderation: Bernd Glasstetter (Splashcomics)
Teilnehmer: Alexandra Haas (myComics), Steve Jones (comicstars),
Dr. Joachim Kaps (Tokyopop), Klaus Schleiter (MOSAIK Steinchen für Steinchen)

Donnerstag, 15. Oktober 2009
15.00 Uhr
E-Comics – der neue Weg zum Kunden?
Moderation: Stefan Pannor (SPIEGEL online)
Teilnehmer: Lexa Germann (Ehapa Comic Collection), Stefan Heitzmann (Eidalon), Ulli Lust (Künstlerin – Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens), Kai-Steffen Schwarz (Carlsen)

Einen Gesamtüberblick rund um das Thema Comics, online unter www.buchmesse.de/comic/

Über das Unternehmen
Die Frankfurter Buchmesse ist mit mehr als 7.000 Ausstellern aus über 100 Ländern die größte Buchmesse der Welt. Mit www.buchmesse.de unterhält sie das weltweit meist genutzte Portal für die Verlagsbranche. Sie organisiert darüber hinaus die Beteiligung deutscher Verlage an mehr als 25 internationalen Buchmessen. Die Cape Town Book Fair in Südafrika sowie die Abu Dhabi International Book Fair sind Partnermessen. Die Frankfurter Buchmesse ist ein Tochterunternehmen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

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