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Pressemeldung
Frankfurter Buchmesse

Fünf Messetage und eine vitale Buchbranche

Debatte um China beherrschend – Rechtehandel zieht an

Mehr zu: Buchmessen, Deutschland, Hessen, Menschenrechte, Sonderthemen
Frankfurt am Main, 18.10.2009 -

Fünf Messetage, rund 3.000 Veranstaltungen und ein enormer Besucherandrang - zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse zog Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, Bilanz: "Viele Verleger haben diese Messe als die Beste seit Langem empfunden - die Gespräche waren intensiver denn je, die Atmosphäre konzentriert und ruhig." Bis Samstag waren 227.164 Besucher auf der Buchmesse, 3,8 Prozent weniger als im vergangenen Rekord-Jahr 2008. Darunter waren 162.820 Fachbesucher - 2,4 Prozent weniger als im Rekord-Vorjahr. Die endgültigen Zahlen einschließlich Sonntag, 18. Oktober, lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

"Wir blicken auf eine optimistische Fachmesse zurück, mit einer starken Zunahme im Lizenzgeschäft", so Boos. Im Literary Agents & Scouts Centre (LitAg), dem Herzen des Rechte- und Lizenzhandels, waren mit 14.317 Besuchern 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr vertreten. David Miller von der Literatur-Agentur Rogers, Coleridge & White sagte: "Wir haben mehr Geschäftabschlüsse als je zuvor auf der Messe getätigt". David Roche, Group Sales und Trade Marketing Director bei HarperCollins: "Frankfurt mit seiner eklektischen Mischung von Menschen aus allen Ecken dieser Welt ist unglaublich nützlich."

Auch Aussteller aus dem deutschsprachigen Raum bestätigten die optimistische Stimmung: "Die Frankfurter Buchmesse war auch in diesem Jahr wieder ein toller und voller Erfolg", so Sven Rohde vom Campus Verlag. Verbrecherverlag-Verleger Jörg Sundermeier: "Diese Buchmesse hat mir gezeigt: Buchmesse ist wie der Himmel, nur man kommt öfter rein." Und Liebeskind Verleger Jürgen Kill meinte: "Buchmesse ist mehr denn je ein Fixpunkt in unruhigen Zeiten." Die Bedeutung der Frankfurter Buchmesse als Marketingmaßnahme hat laut Ergebnis einer Befragung der Gelszus Messe Marktforschung noch an Bedeutung gewonnen.

Andrang auf Fachprogramme – "Hunger nach Informationen"

2009 hatte die Buchmesse eine Fülle an Neuerungen zu bieten, darunter etwa der neue Treffpunkt für Bildagenturen, das Zentrum Bild (Halle 4.1 Q 539), das von Ausstellern und Besuchern sehr gut angenommen wurde. Insgesamt waren die Fachprogramme auffällig gut besucht - "ein Beleg dafür, dass der Hunger nach Informationen und Austausch in Zeiten des Umbruchs enorm ist", wie Buchmesse-Direktor Juergen Boos kommentierte. Die Trendkonferenz "Tools of Change for Publishing" (TOC) vom Dienstag (13. Oktober) etwa war voll ausgebucht. Der Schwerpunkt im Fachprogramm des Film & Media Forums unter dem Motto "Focus on Creative Content" war ebenfalls stark nachgefragt.

Als Publikumsmagnet erwiesen sich Autoren wie Margaret Atwood, Frank Schätzing, Cees Nooteboom und natürlich Günter Grass, der seinen 82. Geburtstag und das 50-jährige Jubiläum der "Blechtrommel" auf der Messe beging – in Form einer Percussion-Performance mit Günter "Baby" Sommer. Aber auch die Gourmet Gallery (Halle 5.0 B 979) mit Starköchen wie Lichter, Lafer & Wiener waren mit bis zu 300 Zuschauern voll ausgebucht. "Die beste Messe von allen", kommentierte Edouard Cointreau, Gründer der Gourmand World Cookbook Awards.

Debatte um den Ehrengast China

Die Buchmesse war stark geprägt von der Debatte über den Ehrengast China. "Intensiv ist in dieser Woche über die chinesische Kultur, die Widersprüche des Landes und die notwendige Meinungsfreiheit in China diskutiert worden - vor, bei und nach dem Messebesuch. Die Frankfurter Buchmesse hat das Versprechen eingelöst, eine Begegnung und einen Dialog mit den unterschiedlichen chinesischen Gruppierungen der Welt zu ermöglichen" so der Vorsitzende des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Prof. Dr. Gottfried Honnefelder. Aus der grundlegenden Überzeugung heraus, dass Wandel den direkten Kontakt braucht und die Literatur eine Brücke für den Austausch ist, hatte die Frankfurter Buchmesse seit über 15 Jahren versucht, China als Gastland zu gewinnen. "Es war richtig, China als Ehrengast einzuladen. Das Land hat sich außerhalb seiner Grenzen zum ersten Mal derart umfassend dieser konzentrierten internationalen Öffentlichkeit gestellt - und damit auch der politischen Kritik", so Boos. "Wir sehen die Aufgabe der Buchmesse darin, das Schlaglicht auf die Literatur, auf das Verlagswesen eines Landes zu werfen. Und wir sind sicher, dass weltweit in dieser Tiefe und zu diesem Detailgrad über die chinesische Literatur und die Arbeitsbedingungen der Literaten bisher nicht diskutiert wurde. Diese Debatte wird sich fortsetzen."

Zahlreiche Veranstaltungen und enorme Medienberichterstattung

Die Messebesucher konnten an mehr als 500 Veranstaltungen und Lesungen, Diskussionen und Vorführungen teilnehmen und auf diese Weise das Land aus unterschiedlichen Perspektiven kennen lernen. Alle chinesischen Autoren zeigten sich hocherfreut über das immense Interesse an ihren Lesungen, an ihren Werken. Ebenso wurden täglich auf diversen Foren engagierte und kritische Gespräche zur Freiheit des Wortes, Zensur und Menschenrechten in China geführt. Und nicht zuletzt hatten sich die Medien bereits am vierten Messetag in über 5.000 Artikeln intensiv mit dem Ehrengast China auseinandergesetzt. In der Begegnung mit China wurde deutlich, dass es zum Dialog keine Alternative gibt. Diesen Dialog hat die Buchmesse versucht zu ermöglichen und zu fördern. Die diesjährige Buchmesse hat aber auch gezeigt, dass Dialog bisweilen aus vielen kleinen Schritten der Annäherung besteht. "Es wäre gut, wenn sich herausstellt, dass die Auseinandersetzung mit China auf der diesjährigen Buchmesse einen Beitrag zum Wandel durch Annäherung geleistet hat", so Boos.

Geschäftserfolge rund um China

Über 400 deutschsprachige Neuerscheinungen aus mehr als 180 Verlagen wurden zur Frankfurter Buchmesse aufgelegt, davon rund 160 Übersetzungen aus dem Chinesischen. Chinesische Verleger berichten von guten Geschäften. 2.019 Verträge seien auf der Messe abgeschlossen worden, davon 1.300 chinesische Werke, die ihren Weg über die Frankfurter Buchmesse ins Ausland gefunden haben. Nicht nur Verleger aus Deutschland, sondern auch z. B. aus den USA, Tschechien, dem Iran und Spanien haben intensiv das Gespräch mit China gesucht. Damit hat Chinas Auftritt in Frankfurt viel erreicht - 2004 etwa waren die deutsch-chinesischen Literaturbeziehungen noch eine Einbahnstraße: Damals wurden 660 deutsche Lizenzen nach China vergeben, aber aus China nach Deutschland nur eine.

Über das Unternehmen

Die Frankfurter Buchmesse ist mit mehr als 7.000 Ausstellern aus über 100 Ländern die größte Buchmesse der Welt. Mit www.buchmesse.de unterhält sie das weltweit meist genutzte Portal für die Verlagsbranche. Sie organisiert darüber hinaus die Beteiligung deutscher Verlage an mehr als 25 internationalen Buchmessen. Die Cape Town Book Fair in Südafrika sowie die Abu Dhabi International Book Fair sind Partnermessen. Die Frankfurter Buchmesse ist ein Tochterunternehmen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

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