Deutsche Telekom Stiftung
Innovationsindikator Deutschland 2009: Bundesrepublik verliert weiter an Boden
Im Ranking von 17 Industriestaaten reicht es nur zu Rang 9 nach Platz 8 im Vorjahr – Nicht wettbewerbsfähige Finanzierungssituation der Unternehmen großes Manko – Auch das Bildungssystem bleibt wesentlicher Schwachpunkt – Fortschritt: Mehr Frauen studieren MINT-Fächer
Mehr zu: Deutschland, Gleichstellung, Hochschulabschluss, KITA, Kooperationsverbot, MINT-Fächer, Statistik, Stiftungen, SonderthemenIn kaum einem anderen Land kommen Unternehmer und Gründer so schwer an Kapital für innovative Projekte wie in Deutschland. Diese Situation könnte sich angesichts der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise weiter verschärfen und damit auch bei einem Aufschwung die Innovationsfähigkeit unseres Landes entscheidend hemmen. Zu diesem Schluss kommt der "Innovationsindikator Deutschland 2009", den die Deutsche Telekom Stiftung und der Bun¬desverband der Deutschen Industrie (BDI) heute veröffentlichen.
Die Finanzierungssituation und die Bildung gehören zu den großen Schwachstellen des deutschen Innovationssystems, das im Vergleich der 17 weltweit führenden Industrienationen 2009 nur noch Rang 9 belegt und damit bei fast unverändertem Punktwert einen Platz zurückfällt. An der Spitze des Rankings stehen - trotz aller Probleme auch dort - die USA. Auf Platz 2 folgt die Schweiz. Vorjahressieger Schweden rutscht auf Rang 3 ab. Am wenigsten gerüstet für den internationalen Innovationswettbewerb sind Irland, Spanien und Italien.
Der "Innovationsindikator Deutschland" erscheint in diesem Jahr zum fünften Mal. Wie in den Vorjahren beauftragten Deutsche Telekom Stiftung und BDI das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) mit der Erarbeitung der Studie. Die Ökonomen beleuchten neben der Innovationsfähigkeit der Unternehmen die politischen Rahmenbedingungen und das gesellschaftliche Innovationsklima in den 17 führenden Industriestaaten. Aus den Ergebnissen sowie im Kontext mit aktuellen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Fragen hat das DIW in diesem Jahr erstmals Handlungsfelder für Politik und Wirtschaft abgeleitet, die die Studie ergänzen. So empfehlen die Experten angesichts der schwierigen Finanzierungssituation, die Unternehmen in Zukunft besser als bisher dabei zu unterstützen, Innovationen über einen Mix aus eigenen Mitteln, Fremdmitteln und staatlichen Fördergeldern finanzieren zu können. "Die Krise hat den Handlungsbedarf in diesem Bereich weiter erhöht. Wir hoffen deshalb, dass die neue Bundesregierung zügig eine steuerliche Forschungsförderung einführt, wie sie in fast allen innovativen Industrieländern üblich ist", erklärt BDI-Präsident Dr.-Ing. Hans-Peter Keitel.
Unternehmen müssen Innovationsanstrengungen beibehalten Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen in Sachen Finanzierung und trotz Finanz- und Wirtschaftskrise bleiben die Unternehmen auch 2009 die tragende Säule des Innovationsstandorts Deutschland. Vor allem die Hochtechnologiebranche ist aus einer starken Position heraus in die Krise gegangen und hat Chancen, von einem kommenden Aufschwung zu profitieren. Insgesamt kommt der Wirtschaft bei der Entwicklung neuer Produkte die nach wie vor hohe Effizienz der hiesigen Forschungsabteilungen zugute. So kann - abgesehen von Schweden - kein wichtiges Industrieland mit einem gegebenen Forschungsinput so viele wirtschaftlich verwertbare Ergebnisse erarbeiten wie Deutschland. Das zeigt die Gegenüberstellung der Forschungsinvestitionen und der Zahl an Wissenschaftlern auf der einen Seite und der Patentanmeldungen auf der anderen Seite. Das DIW empfiehlt daher, die Etats für Forschung und Entwicklung zu erhöhen. Dies käme dem Innovationsstandort Deutschland in jedem Fall zugute.
Bildungssystem unterfinanziert und ineffizient
Ein gravierender Nachteil und damit eine wesentliche Innovationsbremse ist und bleibt 2009 das Bildungssystem, auch wenn sich die Bundesrepublik im Vergleich zum Vorjahr auf Rang 12 (2008: Platz 15) verbessert hat. Das Thema ist Schwerpunkt der diesjährigen DIW-Untersuchung. Betrachtet werden dabei unter anderem die Qualität des Bildungssystems, die Ausgaben für Bildung und erstmals die privaten Bildungsrenditen. "Deutschlands Zukunft beruht vor allem auf dem Wissen und Können seiner Bürger, daher können wir uns Mittelmäßigkeit im Bildungsbereich nicht leisten", sagt Dr. Klaus Kinkel, Vorsitzender der Deutsche Telekom Stiftung. Die Bundesrepublik müsse nicht nur deutlich mehr Geld für Bildung ausgeben, sondern vor allem die Rahmenbedingungen verbessern, damit die Qualität steigt. Auf die Agenda gehöre beispielsweise der Bildungsföderalismus. "Zum Wohl des Bildungsstandortes Deutschland sollten Bund und Länder wieder zusammenarbeiten dürfen. Das Kooperationsverbot muss weg", fordert Kinkel. Seit der Föderalismusreform im Jahr 2006 ist eine Zusammenarbeit kaum mehr möglich.
Natur- und Ingenieurwissenschaften werden bei Frauen beliebter
Einen erfreulichen Trend zeigt der Indikator bei den für die Innovationsfähigkeit besonders wichtigen Studienfächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT): Diese Fächer werden bei jungen Frauen immer beliebter. Von 2005 bis 2006 stieg die Zahl der Hochschulabsolventinnen in MINT-Fächern um 6.700 auf 24.600 an. Was den Anteil der Frauen an allen Absolventen in diesen Studienfächern angeht, schafft Deutschland dadurch 2009 einen Sprung um sechs Ränge nach vorn und rangiert unter den führenden Industriestaaten auf Platz 7. Der Trend hat sich nach neuesten Zahlen in Deutschland auch im Jahr 2007 fortgesetzt, in dem bereits 27.800 Frauen einen Hochschulabschluss in diesen Fächern erwarben. Allerdings geben viele junge Akademikerinnen in Deutschland schon nach wenigen Jahren ihre Vollzeitstelle wieder auf. Ein wichtiger Grund ist die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf, wie Umfragen unter Ingenieurinnen belegen. "Wir müssen junge Frauen unterstützen, ihre Talente in den Innovationsprozess einzubringen. Das schaffen wir nur, wenn das Angebot an Kindertagesstätten und Ganztagsangeboten in Kindergärten ausgebaut wird", so Stiftungsvorsitzender Kinkel.
Um die Berufstätigkeit von Frauen zu erleichtern, muss sich auch in der Gesellschaft einiges tun. Zwar haben die Deutschen immer weniger Vorbehalte gegen berufstätige Frauen. Allerdings zeigt der Innovationsindikator anhand von internationalen Meinungsumfragen, dass in neun der 17 analysierten Industriestaaten die Akzeptanz zum Teil deutlich höher ist. In diesen aufgeschlossenen Gesellschaften werden Frauen wesentlich mehr ermuntert, zu studieren und ins Berufsleben einzusteigen, so das DIW.
Deutsche scheuen das Risiko
Ein Mentalitätswandel würde Deutschland auch mit Blick auf die Akzeptanz des technologischen Fortschritts gut tun. Mehr als viele andere Nationen sind die Bundesbürger davon überzeugt, dass ihnen neue Technologien unterm Strich Nachteile bringen. Zudem erweisen sich die Deutschen als vergleichsweise risikoscheu. Im Teilindikator "Einstellung zu unternehmerischen Risiko" liegt die Bundesrepublik wie im Vorjahr auf dem letzten Platz des Rankings. Die Angst zu scheitern, schreckt viele Bürger davon ab, sich selbstständig zu machen. "Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sollten wir als Gesellschaft wieder stärker auf die Chancen des Fortschritts sehen. Wirtschaftliche Dynamik wird es letztlich nur geben, wenn Menschen Mut zum Risiko zeigen, wenn sie an ihre Ideen glauben und sie umsetzen", appelliert BDI-Präsident Keitel.
Ergebnisse und Grafiken des Innovationsindikator Deutschland 2009 stehen im Internet unter www.innovationsindikator.de und unter www.telekom-stiftung.de/innovationsindikator zum Download zur Verfügung.
Pressekontakt zu dieser Meldung
Andrea Servaty
Deutsche Telekom Stiftung
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Graurheindorfer Str. 153
53117 Bonn
Telefon: 02 28/1 81-9 22 05
Fax: 021 51/ 366 00 894
e-mail:
Internet: www.telekom-stiftung.de
Dr. Olga Wilde
Pressesprecherin
Bundesverband der Deutschen Industrie
Tel.: 030 - 20 28 14 20
www.bdi-online.de
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