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BLLV-Grundschul-Petition setzt auf Schulkampf und nicht auf wirkliche Verbesserungen!

Erfolgreiche Schulreformen nur im Konsens mit allen Beteiligten möglich

Mehr zu: Bayern, Bildungschancen, Bildungswesen, Deutschland, Elternwille, Gesamtschule, Hauptschule, Schulentwicklung, Sport, Übertritt, Vergütung, Schule
München, 12.11.2009 -

Mit Bedauern hat der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt darauf reagiert, dass die heute im Landtagsausschuss für Bildung, Jugend und Sport behandelte BLLV-Petition "Unsere Kleinen ganz groß" eher auf einen Schulkampf und weniger auf wirkliche pädagogische Verbesserungen hin ausgerichtet ist.

Neben unstrittigen Anliegen wie einer höheren Bildungsfinanzierung für bessere pädagogische Rahmenbedingungen enthalte die BLLV-Grundschul-Petition leider auch rückwärtsgewandte und gegen andere Schularten gerichtete Forderungen, die letztlich auf die Etablierung einer Einheitsschule bis zur Mittleren Reife hinauslaufen würden.

Freigabe des Elternwillens beim Übertritt vergrößert soziale Unterschiede

So wandte sich der bpv-Vorsitzende ausdrücklich gegen die vom BLLV geforderte völlige Abkoppelung des Übertritts auf weiterführende Schularten von jeglichen Leistungskriterien. Wörtlich sagte Schmidt: "Während in anderen Bundesländern, auch in SPD-regierten, beim Übertritt wieder stärker auf die Eignung gesetzt wird, möchte der BLLV mit der kompletten Freigabe des Elternwillens den umgekehrten Weg gehen. Dabei hat selbst der ehemalige deutsche PISA-Leiter Jürgen Baumert eindeutig festgestellt, dass Lehrerurteile sozial gerechter sind, als wenn Eltern die Entscheidung völlig alleine treffen. Eine völlige Freigabe des Elternwillens benachteiligt insbesondere bildungsferne Schichten, während Akademikerkinder bevorzugt würden." Offensichtlich wolle der BLLV, der sonst über die Schließungen von Hauptschulstandorten klage, diese vorrangig demografisch bedingten Schließungen noch beschleunigen.

Verlängerung der Grundschule schadet den meisten Schülern

Auch die Forderung nach einer Verkürzung der weiterführenden Schularten durch eine zwangsweise Verlängerung der Grundschulzeit lehnt der bpv-Vorsitzende strikt ab. Er betonte: "Wer wie der BLLV-Vorsitzende zu Unrecht dem Gymnasium vorwirft, durch die Schulzeitverkürzung zur Paukschule geworden zu sein, jetzt aber den gymnasialen Bildungsweg auf nur mehr zwei bis vier Jahre eindampfen will, betreibt keine seriöse, den einzelnen Schüler in den Blick nehmende Bildungspolitik mehr. Da geht es lediglich darum, der eigenen Zielvorstellung einer Einheitsschule bis zur 8. oder 10. Klasse einen Schritt näher zu kommen. Alle aktuellen empirischen Untersuchungen zeigen, dass eine Verlängerung der Grundschulzeit in Deutschland weder zu mehr Bildungsgerechtigkeit noch zu mehr Leistungsfähigkeit führt. In Brandenburg mit seiner sechsjährigen Grundschule ist die Chance eines Kindes aus der Arbeiterschicht, auf das Gymnasium zu kommen, nach der PISA-Begleitstudie 2006 fast doppelt so schlecht wie in Bayern. Berlins Schulsystem, das ebenfalls eine längere Grundschulzeit kennt, hat sich am Tabellenende der PISA-Leistungsskala dauerhaft eingerichtet."

Unterschiedliche Eingruppierung der Lehrergruppen ist gerechtfertigt

Der bpv-Vorsitzende begrüßte es ausdrücklich, dass in der Nachkriegszeit das Grundschullehramt durch die Akademisierung der Ausbildung und die damit verbundenen mehrfachen Höherstufungen (von A 9 bis A 12) sowie die zusätzlichen Beförderungsmöglichkeiten durch die aktuelle Dienstrechtsreform deutlich aufgewertet worden sei. Eine gleiche Einstufung wie Gymnasiallehrer lehnte er aber aufgrund der nach wie vor unterschiedlichen Regelstudienzeiten und der höheren fachlichen Anforderungen in Studium und Beruf ab. Max Schmidt betonte: "Wer sollte sich noch für das besonders anspruchsvolle und langwierige gymnasiale Lehramtsstudium entscheiden, wenn andere Studiengänge dieselbe Eingangsbesoldung bieten. Wenn sich Leistung nicht mehr lohnt, werden wir auch keinen hochqualifizierten Lehrernachwuchs mehr bekommen."

Insgesamt appellierte Schmidt an den Landtagsausschuss, die BLLV-Petition, wie parlamentarisch notwendig, zwar sachlich zu diskutieren, aber auch nicht überzubewerten: "Wenn die angeblich 50 000 BLLV-Mitglieder innerhalb eines halben Jahres nur 103 000 Unterschriften zusammengebracht haben, dann sind kaum mehr als die eigenen Lebenspartner zur Unterschrift bewegt worden. Eine Volksbewegung sieht anders aus!" Ausdrücklich bot der bpv-Vorsitzende allen an Verbesserungen im Schulwesen interessierten Verbänden, darunter auch dem BLLV, ehrliche und umfassende Gespräche an, um die Möglichkeit gemeinsamer Positionen abzuklären. Wer aber auf Konflikt, auf Schulkampf und der Zerstörung anderer Schularten setze, habe keine Lehren aus den gescheiterten Reformversuchen in der Bildungspolitik der Vergangenheit gezogen wie etwa dem ruhmlosen Scheitern der deutschen Gesamtschulen, so Max Schmidt abschließend.

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