Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.
Mehr Mitsprache bei der Gestaltung von Schulen
BLLV- Fachanhörung "Pädagogik und Schulbau" / Leiter der Abteilung Schul- und Bildungspolitik, Fritz Schäffer, fordert, Bauplanung als "sozialen Prozess" zu verstehen
Mehr zu: Ausstattung, Bayern, Gesundheit, Konjunkturpaket, Lehrerarbeitszeit, Lehrerbildung, Schularchitektur, Schulmanagement, Schulorganisation, Schulträger, Schule"Bei der Gestaltung von Schulräumen müssen Schulleitungen, Kollegien und letztlich auch Schüler mehr Mitspracherecht bekommen. In vielen Fällen gehen die Gesichtspunkte der planenden Architekten an ihren Bedürfnissen vorbei. Das müssen wir ändern", forderte der Leiter der Abteilung Schul- und Bildungspolitik im Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), Fritz Schäffer, im Vorfeld einer BLLV- Fachanhörung zum Thema "Pädagogik und Schulbau". Die Gestaltung von Schulgebäuden, Außenanlagen und Klassenzimmern hat so vielfältige Wirkungen auf die Nutzer, dass die Pädagogik vom "Dritten Erzieher" spricht.
Demnach haben nicht nur Schüler und Lehrkräfte großen Einfluss auf das Lern- und Arbeitsklima, auf Atmosphäre und Verhaltensweisen, sondern auch die Gestaltung des Raumes. Schäffer: "Sie kann be- und verhindern, aber auch unterstützen und Perspektiven öffnen." Seiner Ansicht nach muss moderne Bauplanung als sozialer Prozess verstanden werden, "an dem alle beteiligt sind, die in dem betreffenden Gebäude viele Jahre verbringen müssen - dazu gehören auch die Schüler." Er regte an, in Bayern einen Schulbaupreis auszuloben, mit dem vorbildliche Lösungen ausgezeichnet werden. Der BLLV hofft darauf, dass solche Positivbeispiele möglichst viele Nachahmer finden und einen Umdenkprozess bei den Verantwortlichen einleiten. "Das dafür erforderliche Kuratorium könnte mit Vertretern der Bayerischen Architektenkammer, des Kultusministeriums des Städte- und Gemeindetages, Experten für Schulbau sowie des BLLV besetzt sein."
Schulen im Kasernenstil - wer kennt sie nicht. Sie wirken abweisend: nackter Beton, versiegelte Holzflächen, Fluren und Treppenhäuser ohne Tageslicht. Hinzu kommt ein oftmals unerträglicher Lärmpegel in den Klassenzimmern. Böden aus Linoleum und Decken aus Beton sorgen für Hall - der Lärm steigt, Kinder verstehen schlecht und können dem Unterricht schwer folgen. Besonders hart trifft es Migrantenkinder, die jedes Wort genau verstehen müssten. In vielen Schulen sind Fachräume zu klein, es fehlen Räume für differenzierten Unterricht, Aufenthaltsräume für Schüler und Kantinen für die Mittagsbetreuung und bei Ganztagsbetrieben.
Der BLLV- Abteilungsleiter stellte klar, dass es nicht darum gehe, den Architekten und Planern Vorwürfe zu machen. " Der Freistaat gibt den Schulträgern Zuschüsse nach veralteten Raumprogrammen, die beispielsweise festlegen, dass ein Klassenraum über eine Grundfläche von zwei Quadratmetern und eine Höhe von drei Metern pro Schüler verfügen soll, also einen Luftraum von sechs Kubikmetern je Schüler. Zuschussfähig sind so nur Klassenräume bis maximal 66 qm - inklusive Arbeitsplatz für die Lehrkraft und Tafelbereich. Für den Pausenhof sollen drei Quadratmeter je Schüler vorgesehen werden. Baut ein Schulträger Klassenräume oder Schulhöfe größer, muss er die Mehrkosten in vollem Umfang selbst tragen. "Dass bei solchen Vorgaben und klammen Kassen der Gemeinden kaum Spielraum bleibt, kann jeder nachvollziehen", sagte Schäffer. Andere Länder machen längst vor, dass progressive Schulbauprogramme und Planungsprozesse möglich sind. So sei beispielsweise in Südtirol die Fläche pro Schüler und nicht pro Klasse festgelegt, das mache flexible Lösungen möglich. So könnten 100 Schüler auf 250 Quadratmeter in unterschiedlich großen Klassenräumen untergebracht werden. "Auch unsere Schulen brauchen Räume, die sich den Bedürfnissen anpassen können. Im Vordergrund dürfen nicht technische Standards stehen, sondern die Bedürfnisse der Schule", verlangte Schäffer.
Der BLLV wolle daher zunächst einmal das Bewusstsein wecken und sensibilisieren. "Eine großzügigere Handhabe der Zuschussrichtlinien sowie die Unterstützung aller Architekten, die die Zusammenarbeit mit Pädagogen suchen, sind erste Schritte. Künftig muss es möglich gemacht werden, dass Architekten und Schulträger mit Schulleitern, Lehrern, Eltern und Schülern zusammenarbeiten können." Hilfreich dafür sind "Moderatoren", die zwischen Architektur und Pädagogik vermitteln. Für gemeinsame Planungen sind auch entsprechende Zeit- und Kostenkontingente nötig und können nicht zusätzlich geleistet werden.
Die Pädagogin und Verhaltensforscherin Prof. Johanna Forster machte darauf aufmerksam, dass Schulbauten ein wichtiger Faktor von Bildungsqualität sind. "Die negativen Auswirkungen sind bekannt: In vernachlässigten Schulbauten häufen sich Vandalismus und Aggression", erklärte sie. "Bauten sind dann lern- und entwicklungsfördernd, wenn sie die Ansprüche der Nutzer berücksichtigen und wenn die Raumstrukturen moderne Lehr- und Lernmethoden ermöglichen." Schulen sollten ihre eigenen pädagogischen Qualitätskriterien formulieren, um sie in den Planungsprozess von Schulbauten einzubringen. Unter anderem plädierte die Wissenschaftlerin für variable Grundschnitte - "Räume, die verschiedene Unterrichtsformen und künftige Veränderungen ermöglichen."
Schäffer ist sicher: "Schulhäuser, die in einem Prozess aller Beteiligten über einen längeren Zeitraum hinweg gemeinsam entstehen, werden geachtet und gepflegt - auch dann, wenn sie ihre Erbauer längst verlassen haben."
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