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Die Wirtschaft braucht die Realschulen

Realschullehrerverband, Handwerk und arbeitgeber nrw begrüßen Modellversuch für Schulfach Wirtschaft

Mehr zu: Berufsorientierung, Duale Ausbildung, Durchlässigkeit, Nordrhein-Westfalen, Realschule, Schulentwicklung, Schule
Düsseldorf, 19.11.2009 -

Der Realschullehrerverband NRW begrüßt den heute vom NRW-Schulministerium angekündigten Modellversuch "Wirtschaft an Realschulen" sehr. Das Ministerium erfüllt damit eine langjährige Forderung des RLV. "Wir haben in den letzten Wochen intensive Sondierungsgespräche mit dem Ministerium, mit dem Westdeutschen Handwerkskammertag (WHKT) und mit der Landesvereinigung der Arbeitgeberverbände NRW geführt, um den Modellversuch auf den Weg zu bringen", so RLV-Vorsitzende Brigitte Balbach.

"Die heutige Ankündigung von Schulministerin Barbara Sommer ist einer erster Schritt zur flächendeckenden Einführung des Faches Wirtschaft in allen Realschulen in NRW. Denn das muss das mittelfristige Ziel dieses Modellversuchs sein. Neben dem gerade vorgelegten Profilpapier zur Weiterentwicklung der Realschulen setzt die Landesregierung damit ein weiteres Zeichen, dass sie zu dieser erfolgreichen Schulform steht." Der Realschullehrerverband NRW, die Landesvereinigung der Arbeitgeberverbände NRW und der Westdeutsche Handwerkskammertag sind bereit, das Modellprojekt unter Federführung des NRW-Schulministeriums zu initiieren und kompetent zu begleiten.

Bei der Wirtschaft selbst steht die Einführung des Faches Wirtschaft an den Realschulen ganz oben im Pflichtenheft für die Politik. "Wir unterstützen diese Forderung ausdrücklich", betonen Dr. Hans-Jürgen Forst, Vorstandsmitglied der Landesvereinigung der Arbeitgeberverbände NRW, und Franz-Josef Knieps, Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertages.

"Das Fach Wirtschaft wäre die perfekte Ergänzung zu unserem MINT-REAL-Netzwerk, das wir in den letzten Jahren in NRW aufgebaut haben", so Forst. "In den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) haben Realschulen und Realschüler große Profilierungsmöglichkeiten." Seit 2006 lädt arbeitgeber nrw einmal im Jahr alle Realschulen zur Teilnahme am Zertifizierungsverfahren MINT REAL ein. Seitdem konnte das Gütesiegel MINT-REAL bereits an 30 Realschulen verliehen werden. "Außerdem können wir auf fundierte Erkenntnisse aus einem Projekt ´Wirtschaft in der Realschule´ zurückgreifen. Wir haben dies zusammen mit dem Schulministerium an ca. 150 Realschulen durchgeführt", erläutert Forst.

"Wir machen im Handwerk seit Jahrzehnten sehr gute Erfahrungen mit Realschul-Absolventen. Sie haben in den allermeisten Fällen solide Grundkenntnisse und dazu praktische Fertigkeiten, die ihnen im Handwerk zugute kommen", hebt WHKT-Präsident Knieps hervor. "Darum sehen wir es mit Sorge, dass die Politik zunehmend das Abitur als allein seligmachenden Weg zum beruflichen Erfolg propagiert. Das duale Ausbildungssystem, um das wir im Ausland oft beneidet werden, bietet exzellente Berufs- und Karriereperspektiven. Und die Realschulen sind dazu ein bewährtes Sprungbrett. Uns liegt sehr an einer Stärkung dieser Schulform. Die Wirtschaft braucht die Realschulen."

Das Schulfach Wirtschaft könnte eine noch engere Verzahnung zwischen Schule und Berufswelt ermöglichen. Schülerinnen und Schüler, die wissen, wie Wirtschaft funktioniert, werden in ihren späteren Betrieben und Unternehmen leichter Fuß fassen. Sie müssen die Mechanismen der Marktwirtschaft begreifen. Sie müssen lernen, wie und warum globale wirtschaftliche Zusammenhänge unmittelbare Konsequenzen im lokalen und möglicherweise im persönlichen Umfeld haben – die aktuelle Wirtschaftskrise ist da nur ein Beispiel. Darüber hinaus geht es auch um lebenspraktische Aspekte eines solchen Schulfaches: Wer fundiertes Hintergrundwissen hat, ist weniger gefährdet, schon in jungen Jahren in die Schuldenfalle zu geraten.

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