Bayerischer Philologenverband (bpv)
Hartz IV statt Unterricht - Bayern will im Februar viele Junglehrer in die Arbeitslosigkeit entlassen
Max Schmidt: "Unsere Gymnasien brauchen jeden Kollegen!"
Mehr zu: Bayern, Individuelle Förderung, Junglehrer, Lehrerbildung, Lehrermangel, Oberschule, Hochschule, SchuleEine dramatische Wende zeichnet sich auf dem Arbeitsmarkt für Gymnasiallehrkräfte in Bayern ab: 300 Junglehrer, die im Februar ihre Ausbildung beenden, sollen nach Informationen des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) keine Anstellung erhalten; in manchen Fächern droht die Übernahmequote sogar auf 5 Prozent der Bewerber zu sinken. Betroffen sind vor allem Lehrkräfte in Fächerkombinationen mit Deutsch und den modernen Fremdsprachen. Wurden auch in diesen Fächern in den vergangenen Jahren sämtliche Bewerber bis zur Notengrenze von 3,5 eingestellt, drohen jetzt selbst Bewerber mit sehr guten Noten leer auszugehen.
Enttäuschung, Wut und Existenzangst als verbreitete Gefühlslage
Nach einem Treffen mit Referendarvertretern in München erklärte der bpv-Vorsitzende Max Schmidt: "Die Stimmung unter den Junglehrern ist geprägt von maßloser Enttäuschung, Wut und blanker Existenzangst. Während ihrer Ausbildung hat man den jungen Kollegen die schönsten Hoffnungen auf Übernahme in den Staatsdienst gemacht. Nun wollen viele dem Freistaat den Rücken kehren oder sich beruflich umorientieren, um Hartz IV zu entgehen. Die Staatsregierung darf jetzt alte Fehler nicht wiederholen und die jungen Kollegen achselzuckend ziehen entlassen – unsere Gymnasien können jede qualifizierte Lehrkraft gut gebrauchen!"
Schüler profitieren von mehr Lehrern, nicht von der Streichung von Unterricht!
Schmidt wiederholte seine im Sommer erhobene Forderung, das seit Jahren erstmals wieder größere Angebot an gut ausgebildeten Gymnasiallehrkräften als Chance zu begreifen und die Lern- und Lehrbedingungen für Schüler und Lehrer zu verbessern: "Der Bewerberüberhang sollte nun endlich dazu genutzt werden, mit dem Aufbau einer integrierten Lehrerreserve an jeder Schule zu beginnen. Die Gymnasien brauchen diesen personellen Puffer, um flexibel Unterrichtsausfälle zu vermeiden und die individuelle Förderung von Schülern zu verbessern. Und die Beruflichen Oberschulen sind für jeden Gymnasiallehrer dankbar, damit sie ihren Pflichtunterricht abdecken können." Vorbei, so der Vorsitzende, sei damit auch die Zeit, in der Grundschullehrkräfte am Gymnasium eingesetzt werden sollten, um den Pflichtunterricht abzudecken. An die politisch Verantwortlichen appellierte er abschließend: "Jetzt ist die Gelegenheit, nicht nur von konkreten Verbesserungen und Erleichterungen an unseren Schulen zu sprechen, sondern diese auch umzusetzen. Mit mehr Lehrkräften kann die Staatsregierung für die Bildung unserer Schüler auf jeden Fall ungleich mehr tun als durch die neuerliche Streichung von Unterrichtsstunden und -inhalten!"
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