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Pressemeldung von: Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Umstrittene Mittelschule wirft viele Fragen auf

BLLV- Präsident Klaus Wenzel mahnt Voraussetzungen zur erfolgreichen Umsetzung an / "Ohne Bereitstellung notweniger Ressourcen geht es nicht"

München, 20.01.2010

Für die vom Kultusministerium für das Schuljahr 2010/2011 geplante Mittelschule fehlen immer noch die zur Umsetzung notwendigen personellen, organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen. Ohne die Bereitstellung von dafür notwendigen Ressourcen geht es nicht", er-klärte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, heute in München. "Die Beteiligten brauchen rasch Klarheit und dürfen nicht im Stich gelassen werden." Obwohl die Zeit dränge, seien für Schulen, Eltern, Kommunen und Sachaufwandsträger viele wichtige Fragen offen. "So ist beispielsweise ungeklärt, wer die Übernahme anfallender Kosten übernimmt, wie die Verteilung der Lehrerstunden auf die Standorte auszusehen hat und wie die Klassenbildung gestaltet werden sollen."

Die Mittelschule dürfe keinesfalls, zum Beispiel durch Zusammenlegung von Klassen, ein Sparmodell werden, stellte Wenzel klar. Deshalb müsse ausrei-chend in Lehrkräfte investiert werden. "Die dafür nötigen Schritte müssen spätes-tens jetzt eingeleitet werden." Dringend geklärt werden müsse auch die Rolle der Schulleitungen. Wenzel warnte davor, durch die bevorstehenden organisatorischen Herausforderungen die Arbeitsbedingungen von Lehrern und Schulleitungen erneut zu verschlechtern: "Das Maß an Überregulierung ist bereits voll, die Fülle an Aufgaben ohnehin schon kaum noch zu bewältigen. Schulleiter/innen künftiger Mittelschulen müssen daher von ihrer Unterrichtstätigkeit befreit wer-den, andernfalls können sie die zusätzlichen Aufgaben nicht erfüllen", stellte er klar. Außerdem fordert der BLLV die Erhöhung der Personalbudgets, den Erhalt der "praktischen Fächer", Die Rückgabe der in den Vorjahren eingesparten Unterrichtsstunden und die Einstellung weiteren pädagogischen Personals.

"Weil die Schulleiter/innen ihre Schulen genau kennen und über Probleme und Erfordernisse vor Ort am besten Bescheid wissen, sollten kultusministerielle Verwaltung und Bezirksregierungen auf Detailvorgaben verzichten und den Be-teiligten vor Ort in der Ausgestaltung möglichst viel Freiheiten lassen. Die not-wendigen Ressourcen müssen rasch und möglichst unbürokratisch zur Verfü-gung gestellt werden." Der BLLV- Präsident wies erneut darauf hin, dass der BLLV - anders als das Kultusministerium - davon ausgeht, dass sich durch die neue Schulform vor allem in ländlichen Regionen viele neue Probleme ergeben würden, "wir erwarten z.B. lange und kostenintensive Bustransfers für die Schülerinnen und Schüler."

Wenzel bezeichnete die Einführung von Mittelschulen erneut als "mutlosen und fantasielosen Schritt, der weder Schulschließungen verhindert, noch das Übertrittsverhalten beeinflusst." Als "Eigentor" bezeichnete der BLLV- Präsident die in vielen Bezirken bereits stattgefundenen Dialogforen und Informationsveranstaltungen für Bürgermeister: "Sie wurden vielfach als Bekanntgabe bereits vorher festgelegter Konzepte wahrgenommen und verdienen eher den Namen Monolog-foren."

Mit der einseitigen Festlegung auf Mittelschulen verhindere das Kultusministerium passgenaue Lösungen und ignoriere hartnäckig die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler sowie der Eltern und Lehrer: So bleibt zum Beispiel der extreme Auslesedruck nach der vierten Grundschulklasse bestehen.


Zur Veröffentlichung freigegeben - Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V. / bildungsklick.de


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