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Mehr als 10 Jahre nach dem TIMSS- und PISA-Schock: Schlechte Noten für Bildungspolitik

Mehr zu: Bologna-Prozess, Deutschland, Föderalismus, Individuelle Förderung, PISA (Studie), Schulstruktur, Spaenle, Schule
Berlin, 21.01.2010 -

Enttäuscht hat sich der DPhV-Bundesvorsitzende Heinz-Peter Meidinger über die deutsche Bildungspolitik der letzten zehn Jahre geäußert. "Die Kultus-, Bildungs- und Wissenschaftsminister haben in den letzten 10 – 12 Jahren die große Chance nach dem so genannten PISA-Schock zu einer neuen, sach-, qualitäts- und konsensorientierten Bildungspolitik nicht genutzt. Man kann sogar sagen, dass die Bildungspolitik in diesem Zeitraum mehr Probleme geschaffen als gelöst hat!", sagte Meidinger. Als Beispiele nannte er die hastige Einführung des verkürzten Gymnasiums, die verfehlte Umsetzung der Bolognareformen oder die in kurzfristigen Abständen durchgepeitschten Strukturreformen wie beispielsweise derzeit in Hamburg mit dem Konfliktmodell der Primarschule.

Der Versuch der Kultusministerkonferenz, sich statt weiterer bildungspolitischer Kontroversen nach den mittelmäßigen PISA-Ergebnissen auf inhaltliche innere Reformen und Handlungsfelder zu konzentrieren, sei leider gescheitert, betonte der DPhV-Vorsitzende. Er fuhr fort: "Niemand, der sich in Bildungsfragen auskennt, erwartet von den hektischen neuerlichen Reformen in Thüringen, dem Saarland und Hamburg echte Fortschritte in Richtung einer größeren Bildungsgerechtigkeit oder einer höheren Leistungsfähigkeit. Wenn uns eines die Erfahrungen mit G 8 und Bologna gelehrt haben, dann dies: Bildungsreformen, die nicht aus dem Konsens aller Betroffenen heraus entstehen, sind zum Scheitern verurteilt!"

Meidinger plädierte dafür, die Bildungspolitik aus der parteipolitischen Auseinandersetzung stärker herauszunehmen und Schüler, Lehrer und Eltern nicht weiter für ideologische Ziele und Experimente in Geiselhaft zu nehmen: "Wir brauchen einen neuen Konsens, einen neuen Schulfrieden in Deutschland. Dies kann gelingen, wenn zentrale Ziele wie Qualität, ausreichende finanzielle Ausstattung, individuelle Förderung von Leistungsstarken und Leistungsschwächeren, Durchlässigkeit und die freie Wahl vielfältiger, differenzierter Bildungsgänge und Schularten in den Mittelpunkt gerückt werden. Ein Schulkampf produziert nur Verlierer und keine Gewinner."

An die morgige Übernahme der KMK-Präsidentschaft des bayerischen Kultusministers Ludwig Spaenle knüpfte der DPhV-Vorsitzende die Hoffnung, dass wieder mehr Kontinuität und eine größere Orientierung auf die Kernelemente Unterrichtsqualität und individuelle Förderung in der Bildungspolitik Einzug halten. Zwar sei die Kultusministerkonferenz kein von den Länderregierungen unabhängiges eigenständiges Entscheidungsgremium, sie könne aber starke positive Akzente setzen.

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