Die Forderung der Grünen im Landtag, Musikunterricht für sozial benachteiligte Kinder zu fördern und zu unterstützen will der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg sogar noch erweitert wissen. Nach den einschlägigen Ergebnissen der Gehirnforschung und der Kriminologie bei den Forschungen der letzten Jahre, wirkt sich aktiver Umgang mit Musik - nicht der Musikkonsum - positiv auf die Entwicklung des Gehirns aus und senkt die Zahl krimineller Delikte.
In diese Richtung äußerte sich am Sonntag VBE-Vorstandsmitglied Josef Klein und verwies auf die Erkenntnisse des Gehirnforschers Manfred Spitzer (Universitätsklinikum Ulm) und des Kriminologen Christian Pfeiffer (Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen), die die Forschungsergebnisse jeweils gesondert bereits an den Südbadischen Lehrertagen des VBE vorgetragen hatten. "Es ist erschreckend, mit welcher Ignoranz sich die Bildungspolitiker über diese Erkenntnisse hinwegsetzen und in Grund- und Hauptschulen die Existenz des Faches Musik lediglich schönreden", moniert der VBE-Mann aus Südbaden. Sowohl im Fächerverbund "MeNuK" - Mensch, Natur und Kultur - als auch in "MSG" - Musik/Sport/Gestalten spiele Musik nur dann eine wichtige Rolle, wenn ausgebildete Musiklehrer in ausreichendem Maße vorhanden seien. Durch die Fächerverbünde werden aber solche Mängel geschickt verschleiert, ist man sich beim VBE sicher.
Die Forderung der Grünen, dass ein Drei-Millionen-Etat geschaffen werden müsse, um die musikalische Bildung der Kinder aus benachteiligten Familien zu fördern, hält der VBE für richtig und notwendig, allerdings auch nur als einen ersten Schritt. Musikalische Bildung müsse allen Kindern ermöglicht werden. Leider ist es auch Fakt, dass verstärkter Nachmittagsunterricht etwa durch das achtjährige Gymnasium und die verpflichtende Nachmittagsbetreuung durch gebundene Ganztagesschulen dem Vereinsleben und den Musikschulaktivitäten in Baden-Württemberg zumindest nicht förderlich sind.