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Gute Bildung darf nicht zum Geschäft verkommen

BLLV- Präsident Wenzel stellt fest: "Das deutsche Bildungssystem ist in hohem Maße defizitär" / Ausmaße privater Nachhilfe nehmen erschreckende Züge an

Mehr zu: Auslese, Bayern, Bildungsausgaben, Bildungschancen, Deutschland, Nachhilfe, Schulstress, Statistik, Schule
München, 28.01.2010 -

Die boomende private Nachhilfe und die explodierende Nachfrage nach Ergänzungsunterricht für Kinder und Jugendliche in Deutschland zeigen, wie schlecht es um die öffentlichen Schulen bestellt ist: "Wenn Eltern so tief in die Tasche greifen müssen, um ihren Kindern gute Bildung zu ermöglichen, muss das deutsche Bildungssystem in hohem Maß defizitär sein", erklärte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, angesichts der von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Zahlen zur Nachhilfesituation in Deutschland.

Er bezeichnete die Ergebnisse der Studie als "schallende Ohrfeige für die amtliche Schulpolitik". Daraus müssten wichtige Schlüsse gezogen werden, die es ermöglichen, junge Menschen mehr individuell fördern zu dürfen und weniger auslesen zu müssen. Es sei erschreckend, welche Ausmaße der private Bildungssektor inzwischen angenommen hat - "und wie gleichgültig die Politik mit dieser alarmierenden Entwicklung umgeht." Gute Bildung sei längst zum Privileg von Familien geworden, die sie sich leisten können. Sozial Schwächere würden systematisch abgehängt.

Der BLLV-Präsident appellierte an Bildungspolitiker, nicht tatenlos zuzusehen, wie staatliche Schulen mehr und mehr ins Hintertreffen geraten. "Die Lern- und Arbeitsbedingungen müssen optimal gestaltet werden, damit staatliche Schulen mit privaten Einrichtungen konkurrieren können, das heißt vor allem: kleinere Klassen, mehr Personal und Förderangebote."

Die Folgen der Schieflage im Bildungssystem bezeichnete Wenzel als katastrophal: "Potentiale junger Menschen können sich nicht entfalten, gleichzeitig steigt der Bedarf an gut ausgebildeten Nachwuchskräften."

Besonders besorgniserregend sei jedoch, dass private Nachhilfe im Grundschulbereich selbstverständlich geworden ist: "Da werden acht-, neun- und zehnjährige Kinder für den Übertritt zurecht getrimmt, sie müssen dafür auf unbeschwerte Zeit verzichten. Die Folgen werden uns regelmäßig in entsprechenden wissenschaftlichen Studien präsentiert, die feststellen, dass Kinder immer mehr unter schulischem Stress leiden - und krank davon werden. "Das kann und darf nicht der Weg in die Zukunft sein."

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