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Lehrerverband zur Bertelsmann-Studie über Nachhilfe: Typischer Alarmismus"

Mehr zu: Bildungsausgaben, Nachhilfe, Statistik, Schule
Bonn, 29.01.2010 -

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), Josef Kraus, hat die aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung zum Nachhilfeunterricht wie folgt kommentiert:

"Was die Bertelsmann-Stiftung mit ihrer jüngsten Studie zur Nachhilfe verbreitet, ist erneut typischer Alarmismus. Selbst wenn die für Nachhilfe pro Jahr ausgegebene Summe von 1,5 Milliarden Euro stimmen sollte, ist dies kein Grund zur Panik. Diese Summe bedeutet nämlich nichts anderes, als dass pro Jahr und Schüler im Durchschnitt 100 Euro ausgegeben werden. Man sollte diesen Betrag einmal in Relation setzen zu den Kosten, die junge Leute für ihre Mobiltelefone ausgeben.

Vor allem aber sind es sehr unterschiedliche Gründe, warum Nachhilfe in Anspruch ge-nommen wird. Hier ist die Motivlage sehr unterschiedlich: Wenn Nachhilfe in Anspruch genommen wird, weil ein Kind längere Zeit krank war und etwas nachlernen muss, kann das sinnvoll sein. Wenig sinnvoll freilich ist Nachhilfe, wenn Eltern damit Verantwortung delegieren, statt selbst für effektives häusliches, eigenverantwortliches Lernen zu sorgen; wenn der Ehrgeiz mancher Eltern größer ist als das Leistungsvermögen und die Leistungs-bereitschaft der Kinder und wenn man meint, der Mensch würde erst beim Abitur beginnen.

Daraus ein Versagen des Schulwesens konstruieren zu wollen, ist unangebracht. Im übrigen hat Nachhilfe nur dann einen Sinn, wenn die Lerndefizite überschaubar sind, das heißt, sich auf wenige Schulfächer und einen überschaubaren Lernstoff beziehen. Alles andere ist hinausgeworfenes Geld und dient nur der eigenen Gewissensberuhigung der Eltern."

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