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Die neue Werkrealschule wird schon als Erfolg verbucht, aber das Kultusministerium macht sich da selbst etwas vor

Mehr zu: Baden-Württemberg, Hauptschule, Individuelle Förderung, Realschule, Werkrealschule, Schule
Stuttgart , 31.01.2010 -

Weil angeblich bereits über 500 Anträge auf die Einrichtung einer neuen Werkrealschule eingegangen sind, wird dieses neue Standbein im geglieder­ten Schulwesen vom Kultusministerium als ein Erfolg der Bildungsoffensive verkauft. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg sieht in dieser Euphorie das verzweifelte Bemühen von Bildungspolitikern, sich Mut zu machen im Sinne einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung.

Kultusminister Helmut Rau wird nicht müde, bei öffentlichen Auftritten - wie bei den regionalen Bildungskongressen der CDU - die neue Werkrealschule als die Innovation der Regierungskoalition zu verkaufen. Die CDU-Fraktion versi­chert gebetsmühlenhaft, dass diese tolle Schulart die "bestmögliche individuelle Förderung garantiert" und ganz anders als die bisherige Werkrealschule sei.

Ab dem kommenden Schuljahr wird es keine "Hauptschule mit Werkrealschule" mehr geben. Über 15 Jahre lang prägte diese die Schullandschaft mit.

Stattdessen wird künftig unterschieden zwischen Hauptschule - ohne ein zehntes Schuljahr - und Werkrealschule mit mindestens einer zehnten Klasse, die an­sonsten durchgängig zweizügig sein soll. Trotz der unterschiedlichen Namen wird in beiden Schulformen nach dem gleichen Bildungsplan unterrichtet, so dass Schüler in jeder Klassenstufe von der Hauptschule zur Werkrealschule wechseln könnten.

Da sich aber ohne offizielle "Genehmigung" keine der rund 1200 Hauptschulen im Land "Werkrealschule" nennen darf, müssen diese Schulen gezwungenerma­ßen einen Antrag auf das neue Türschild stellen. Bei zwei- oder mehrzügigen Hauptschulen mit ausreichend Schülern ist der Antrag reine Formsache. Mittler­weile dürfen auch alle einzügigen Hauptschulen, die bisher schon eine zehnte Klasse zusammenbrachten, den Titel "Werkrealschule" beantragen. Wenn der Kultusminister jetzt auf öffentlichen Veranstaltungen das Vorliegen von über 500 Anträgen auf die Einrichtung einer Werkrealschule vollmundig als Erfolg der Bildungspolitik verkauft, macht er sich selbst ein X für ein U vor. Nicht die Qualität der Arbeit ist für die künftige Schulform Werkrealschule Maßstab, son­dern die Quantität der vorhandenen Schüler. Das Ministerium nimmt vorsätzlich oder zumindest billigend in Kauf, dass stabile einzügige Hauptschulen zu Guns­ten größerer Einheiten auf der Strecke bleiben. Und das Ganze soll wirklich kein Sparprogramm sein?

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