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Pressemeldung von: Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Es ist höchste Zeit für eine neue Schule

BLLV- Präsident Wenzel wirbt anlässlich der Vergabe der Zwischenzeugnisse für eine Schule, die möglichst vielen Kindern möglichst hohe Abschlüsse ermöglicht

München, 09.02.2010

Am Freitag werden die Zwischenzeugnisse verteilt - Anlass für den Präsidenten des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, für eine neue Schule zu plädieren: "Der Tag der Zeugnisvergabe ist für viele Schüler und Eltern ein schwieriger Tag. Wenn die Leistungen nicht ausreichen, drohen die Wiederholung einer Klasse, ein Schulwechsel oder wochenlanges zusätzliches Lernen in privaten Nachhilfeinstituten. Für Kinder vierter Grundschulklassen ist die Katastrophe perfekt, wenn sich abzeichnet, dass die Noten nicht für den Übertritt ins Gymnasium ausreichen werden. Es ist schwierig, Eltern und Kinder in solchen Situationen Mut zu machen, denn für sie steht fest, dass Schulbiografien, die nicht erfolgreich sind, Lebenschancen beeinträchtigen, künftiges Einkommen und Lebensverhältnisse bestimmen."

Eltern müssten trotzdem versuchen, gelassen zu bleiben, "denn sie helfen ihrem Kind nicht, wenn sie es unter Druck setzen." Wenzel ermunterte sie aber dazu, sich gemeinsam mit dem BLLV für eine neue Schule einzusetzen: "Wir brauchen künftig Schulen, die Lust auf Lernen machen. Schulen, die sich auszeichnen durch Vielfalt, Freiheit und einem neuen Lern- und Leistungsverständnis. Im Mittelpunkt müssen das Kind und seine Bedürfnisse stehen. Ziel muss sein, allen Heranwachsenden ein stressfreies und ertragreiches Lernen auf hohem Leistungsniveau zu ermöglichen."

"Die schulpolitischen Vorgaben in Bayern sind teilweise lern- und leistungs- hemmend, unpädagogisch und nicht zeitgemäß", kritisierte Wenzel. "Wenn Jahr für Jahr mehrere Tausend Schüler die Schule ohne Abschluss verlassen, wenn sie im Laufe ihrer Schulkarriere von "oben" nach "unten" durchgereicht werden und wenn Kinder wegen Schulstress und Versagensängsten krank werden oder ausbrennen, dann ist das bestehende Schulsystem nicht erfolgreich."

Viele Schüler, Eltern und Lehrer wünschen sich daher eine andere Schule: "Eine Schule, in die Kinder gerne gehen, in der sie sich angenommen und akzeptiert fühlen, in der sie sich entfalten und ihren Neigungen nachgehen können, in der sie gefördert und ermutigt werden, in der sie vor allem Zeit und Ruhe für Lern- und Beziehungsprozesse haben. Familien, die es sich leisten können, suchen solche Schulen bereits im privaten Bildungssektor. Diese Alternative muss auch der Staat allen anderen Kindern ermöglichen ", erklärte Wenzel.

"Wir brauchen eine neue Schule", forderte Wenzel. "Künftig muss es ein gleichwertiges Schulangebot geben, das Kindern längeres gemeinsames Lernen ermöglicht und ihnen alle Wege offen lässt. In dieser ganztägigen Schule sind Mittlere Abschlüsse möglich sowie das Abitur, das den Besuch der Hochschule erlaubt. Alle Kinder werden je nach Bedarf gefördert, zugrunde liegt ein neues Lern- und Leistungsverständnis, bei dem es um individuelle Erfolge geht. Diese Schulen gibt es bereits - und sie werden regelmäßig mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet", betonte der BLLV- Präsident. "Sie kennzeichnen sich außerdem durch ein hohes Maß an Vielfalt und Freiheit, also Entscheidungskompetenzen vor Ort und einem ausgeprägten Demokratieverständnis." Zwischen- und Jahreszeugnisse sind dann obsolet, ebenso Übertrittszeugnisse wie Leistungsnachweise in Form von Noten. In der Regionalen Schulentwicklung (RSE) sieht Wenzel einen gangbaren Weg, "denn sie zeichnet sich aus durch möglichst große Gestaltungsfreiheit vor Ort."

"Wenn es uns gelingt, in Bayern gleichwertige Bildungswege zu etablieren, die möglichst vielen Schülern möglichst hohe und anschlussfähige Abschlüsse ermöglichen, werden wir die Zahl derjenigen erhöhen, die Hochschulen besuchen oder qualifizierte Berufe erlernen können. Schon allein die demografische Entwicklung muss Anreiz und Überzeugung genug für diesen Schritt sein, denn in wenigen Jahren werden wir um jedes einzelne Kind, um jeden einzelnen Schüler kämpfen müssen. Wir können uns die ungenutzten Potentiale tausender junger Menschen nicht mehr leisten." Der BLLV bietet allen Interessierten seine Expertise an und hofft auf einen konstruktiven Dialog.


Zur Veröffentlichung freigegeben - Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V. / bildungsklick.de


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