Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.
Gymnasialeltern und BLLV unterstützen Proteste
Die Not der Schüler ist groß - jetzt gehen sie auf die Straße / Wenzel und Köllner zeigen sich solidarisch und bekräftigen Forderungen nach sofortiger Entlastung
Mehr zu: Bayern, G8, Gymnasium, Leistungsdruck, Spaenle, SchuleDer Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) und der Verein Gymnasialeltern Bayern e. V. unterstützen ausdrücklich den landesweit stattfindenden Q11-Schülerstreik am 12. Februar 2010. "Die Belastungen der 11. Jahrgangsstufe an bayerischen Gymnasien sind trotz zahlreicher Nachbesserungen unerträglich", sagte BLLV- Präsident Klaus Wenzel. Er kündigte an, an der morgigen Protestveranstaltung am Münchner Odeonsplatz teilzunehmen, um so seiner Solidarität mit den Schülerinnen und Schülern Ausdruck zu verleihen.
"Die Tatsache, dass die Klagen über die enormen Belastungen der Jugendlichen nicht abreißen, muss den Kultusminister nachdenklich stimmen. Viele Schüler und Eltern haben offenbar den Eindruck, nicht ernst genug genommen zu werden." Der BLLV hatte bereits im Oktober vergangenen Jahres gemeinsam mit der Vorsitzenden der Gymnasialeltern Bayern e. V., Ulrike Köllner, auf ein steigendes Burnout- Risiko an den Gymnasien hingewiesen und auf die zum Teil extremen Anforderungen an die Schüler/innen aufmerksam gemacht. "Wir hoffen, dass nun der Schülerstreik Wirkung zeigt und Konsequenzen auslöst", erklärten Köllner und Wenzel heute in München. Auch Köllner wird an der morgigen Protestveranstaltung teilnehmen.
Die Vorsitzende der bayerischen Gymnasialeltern kann den Unmut vieler Schüler und Eltern, aber auch bei den Lehrerinnen und Lehrern nachvollziehen: "Die Stofffülle ist enorm und das bei einer Stundenzahl, die um etwa 22% höher ist als in der früheren Kollegstufe K12. Hinzu kommen weitere Stundenbelastungen durch Berufs- und Studienorientierung." Köllner beziffert das Arbeitspensum mit Vor- und Nachbereitung auf 50 bis 60 Arbeitsstunden pro Woche. "Da sind Fahrt- und Wartezeiten noch gar nicht mitgerechnet." Aus ihrer Sicht verstößt dies klar gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz, das für Jugendliche nicht mehr als acht Stunden täglich und 40 wöchentlich erlaubt, sowie eine zwölfstündige Nachtruhe vorschreibt. "Die jungen Leute sind nicht einfach nur sauer - viele sind regelrecht verzweifelt", weiß Köllner. "Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass die Not wirklich groß ist. Viele Jugendliche sind müde, erschöpft und ausgebrannt."
"Auch Lehrerinnen und Lehrer stehen unter Druck", betonte Wenzel. "Ihre Arbeitsbedingungen haben sich aufgrund der hohen Schülerzahlen sowie des Mangels an qualifizierten Fachlehrern/innen extrem verschlechtert." Die hohe Prüfungsdichte lasse Schülern und Lehrern keine Zeit, Stoff zu vertiefen, der Leistungsdruck sei enorm. "Hinzu kommt, dass die meisten Oberstufenschüler mindesten zwei- bis viermal die Woche Nachmittagsunterricht haben, da bleibt einfach keine Zeit mehr für die Vorbereitung auf Prüfungen." Das Gymnasium der Zukunft müsse sich von den gängigen Vorstellungen eines primitiven Lern- und Leistungsverständnisses verabschieden", erklärten Köllner und Wenzel. Im Mittelpunkt müsse der Kompetenzerwerb stehen, nicht das Pauken von Stoff.
Wenzel bezeichnete den kürzlich von Kultusminister Spaenle vorgestellten Maßnahmenkatalog zur Nachbesserung der gymnasialen Oberstufenreform als unüberlegten Schnellsprung: "Wer glaubt mit einer ´Joker- Regelung´, einem ´systemimmanenten Notenausgleich´ oder der Verdichtung des Stoffes auf ´zentral prüfungsrelevanten Lernstoff´ das Niveau des Gymnasiums zu sichern, gefährdet die Qualität dieser Schulart und degradiert das Gymnasium zur Paukschule."
Köllner und Wenzel sind sich einig: "Schüler und Lehrer brauchen schnelle Entlastung. Lehrplandruck, Prüfungsdichte, hohe Stundenzahl bei gleichzeitig extrem hohen Anforderungen sowie ständige Leistungsbewertung durch Noten müssen abgebaut werden." Der Schulalltag müsse ferner so organisiert werden, dass es feste Lern- und Freizeitphasen gibt - im Übrigen auch für Lehrerinnen und Lehrer, denn sie sind aufgrund hoher Unterrichts-, Korrektur- und Vorbereitungszeiten nicht weniger belastet. Möglichst viele Gymnasien müssen umgehend zu rhythmisierten Ganztagsschulen ausgebaut werden."
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