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Pressemeldung von: Bayerischer Philologenverband (bpv)

Missbrauchsverdacht: Bayerischer Philologenverband fordert unabhängige Aufklärung

"Missbrauch Schutzbefohlener ist nicht zu entschuldigen und nicht zu relativieren."

München, 22.02.2010

In dem sich nun auch auf Bayern erstreckenden Missbrauchsverdacht an katholischen Einrichtungen hat sich der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt Forderungen nach einer rückhaltlosen Aufklärung der Vorwürfe angeschlossen:

"Ein Missbrauch Schutzbefohlener – egal ob durch Geistliche, Lehrer, Erzieher oder Betreuer – ist nicht zu entschuldigen und nicht zu relativieren. Auch wenn Fälle juristisch verjährt sein sollten, so muss doch jedem einzelnen Verdacht durch ein unabhängiges Gremium sorgfältig nachgegangen werden. Dies ist man zuallererst den Opfern schuldig, denen man, wo erforderlich, Hilfe zukommen lassen muss. Eine vorbehaltlose Aufklärung sollte aber auch im Eigeninteresse der Kirche sein: Der ansonsten denkbare Vorwurf, es könne etwas unter den Tisch gekehrt werden, darf gar nicht erst aufkommen. Die Aufarbeitung darf nicht nur Kirchengremien überlassen bleiben."

Diese transparente Vorgehensweise sollte die Kirche gerade auch mit Blick auf das Ansehen ihrer in Bayern besonders zahlreichen Schulen wählen: Die notwendige Aufklärung und Aufarbeitung der Missbrauchsfälle darf schließlich nicht generell auf das hohe Ansehen, das sich viele dieser Bildungseinrichtungen über Jahre hinweg erarbeitet haben, negativ abfärben. Eine Vorgehensweise nach dem Vorbild des Berliner Canisius-Kollegs, wo die Prüfung der Vorwürfe durch eine unabhängige Juristin erfolgt, hält Schmidt auch bei den neuen Missbrauchsvorwürfen in Schwaben für angebracht.

Forderung der Bundesjustizministerin nach Rundem Tisch auch für Bayern überlegenswert

Die Forderung von Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger nach einem Runden Tisch mit Vertretern des Staates, der Kirchen und von Opfern hält Schmidt auch in Bayern für überlegenswert: "Thema dieses Runden Tisches muss zunächst einmal die Aufarbeitung der bislang bekannt gewordenen Missbrauchsfälle sein. Aber das genügt nicht, der Ansatz muss breiter sein. Denn sexueller Missbrauch und Pädophilie sind ja ein gesellschaftliches Phänomen, das beileibe nicht nur auf kirchliche Einrichtungen begrenzt ist. Das Problem muss im Bewusstsein von Schülern und Lehrkräften so verankert werden, dass Missbrauchsfälle häufiger verhindert bzw. beizeiten aufgedeckt werden können."


Zur Veröffentlichung freigegeben - Bayerischer Philologenverband (bpv) / bildungsklick.de


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