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Gesamtschul-Lobby überzeugt nicht

Realschullehrerverband: Der vermeintliche Trend zur Gesamtschule hat wenig mit der Qualität dieser Schulform zu tun

Mehr zu: Bildungschancen, Elternwille, Gemeinschaftsschule, Gesamtschule, Hauptschule, Leistungsdruck, Nordrhein-Westfalen, Realschule, Schulstress, Schule
Düsseldorf, 26.02.2010 -

"Der Trend zu längerem gemeinsamem Lernen, den die Gesamtschul-Lobby ausgemacht haben will, hat wenig mit der Qualität dieser Schulform als vielmehr mit der Verunsicherung der Eltern zu tun", erklärt Brigitte Balbach, Vorsitzende des Realschullehrerverbandes NRW, zur heutigen Pressekonferenz der Gesamtschul-Verbände. Der – von den Gesamtschulen und interessierten politischen Kreisen gerne beförderte – Irrglaube, nur das Abitur eröffne Kindern Lebensperspektiven, scheint für Eltern verführerisch zu sein. Längeres gemeinsames Lernen suggeriert fälschlicherweise bessere Bildungschancen.

"Lernen ohne Stress" wird von Gesamtschul-Befürwortern gerne als passende Zauberformel proklamiert. Dass es auch an Gesamtschulen eine Binnendifferenzierung und damit Leistungsdruck gibt, wird unter dem Irrlicht der ewigen Hoffnung aufs Abitur geflissentlich verschwiegen. Dabei haben Gesamtschul-Absolventen mit Hauptschul-Abschluss auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt um keinen Deut bessere oder schlechtere Chancen als Absolventen einer Regel-Hauptschule.

"Für den Realschullehrerverband NRW gibt es zwei Kernaspekte schulischer Bildung: Qualität und bestmögliche individuelle Förderung", betont Balbach. "Gesamtschulen schneiden in beiden Punkten nicht optimal ab." PISA 2006 hat gezeigt, dass die Realschulen in NRW in den drei untersuchten Kompetenzbereichen um 38 bis 47 Punkte vor den Gesamtschulen lagen. Ein Leistungsabstand von 30 Punkten entspricht etwa einem Schuljahr. Eine Einheitsschule führt zu einer Absenkung des Leistungsniveaus. "Dass in der Einheitsschule die Starken die Schwachen mitziehen und am Ende alle besser sind, können nur eingefleischte Sozialromantiker glauben – oder eingefleischte Ideologen", sagt Balbach.

Zudem gelingt individuelle Förderung an kleineren Systemen, wie etwa den Realschulen, deutlich besser. Hier geht niemand in der Masse unter. Die verstärkte Vernetzung der Realschulen mit den Berufskollegs, aber auch mit der Wirtschaft, eröffnet maßgeschneiderte Optionen sowohl für einen höheren Schulabschluss als auch für einen reibungslosen Übergang in Ausbildung und Beruf.

Im Hinblick auf Qualität, individuelle Förderung und berufliche Perspektiven bietet das gegliederte Schulsystem Kindern alle Möglichkeiten. Die frühe Aufteilung auf Hauptschule, Realschule und Gymnasium ist keine Hürde, sondern ein Garant für bestmögliche Förderung, die zudem an den Schulen des gegliederten Systems durch spezielle Angebote für lernschwache, aber auch für lernstarke Schüler noch intensiviert wird. Insofern ist die Landesregierung gut beraten, das gegliederte Schulsystem weiterzuentwickeln.

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