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Sexueller Missbrauch

Philologenverband fordert angesichts der Missbrauchsskandale mehr Offenheit und Sensibilität an den Schulen im Umgang mit diesem Thema

Meidinger: Lehrer dürfen aber nicht unter Generalverdacht gestellt werden!

Mehr zu: Gewalt in der Schule, Jugendhilfe und Sozialarbeit, Jugendschutz, Schavan, Sexueller Missbrauch, Werteerziehung, Schule
Berlin, 08.03.2010 -

Als Konsequenz aus den bekannt gewordenen Missbrauchsfällen hat der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, alle Schulleitungen und Schulen aufgefordert, sich dieser Problematik offensiv und nachhaltig zu stellen. Im heutigen Morgenmagazin von ARD und ZDF machte er den Vorschlag, an jeder schulischen Einrichtung Vertrauenspersonen als ständige Ansprechpartner zu benennen.

"Diese Vertrauenspersonen, die entweder entsprechend geschulte Lehrkräfte oder auch Schulpsychologen sein können, sollten sowohl präventiv als auch aufklärend wirken. Sie müssen jederzeit verfügbare Ansprechpartner für Betroffene sein, sowohl was schulische Vorfälle als auch was sexuellen Missbrauch im familiären Umfeld betrifft. Wir brauchen mehr Transparenz, mehr Offenheit, mehr Sensitivität und mehr Sensibilität für dieses Thema an unseren Schulen!", erläuterte Meidinger.

Gleichzeitig warnte er davor, alle Schulen und alle Lehrkräfte in Deutschland unter Generalverdacht zu stellen. Angesichts von 42 000 Schulen und 800 000 Lehrkräften in Deutschland sei die jetzt genannte Zahl betroffener Einrichtungen Gott sei Dank sehr gering, auch wenn mit Sicherheit noch weitere Fälle aufgedeckt würden. Gut sei, dass die Mauer des Schweigens nunmehr gebrochen sei.

Für wenig hilfreich hält der Verbandsvorsitzende den Vorschlag der Bundesbildungsministerin Schavan, dazu einen bundesweiten Runden Tisch einzurichten. "Das ist der typische Aktionismus-Reflex der Politik auf solche Vorfälle. Entscheidend ist, wie jede einzelne Schule mit diesem Thema umgeht, nicht was Kultusminister dazu Kluges sagen, die sich morgen schon wieder anderen Themen zuwenden", so der Verbandsvorsitzende.

Meidinger betonte, er wolle keine Verhaltensregeln an deutschen Schulen wie in einigen US-Bundesstaaten, wo Lehrern jede körperliche Berührung von Schülern untersagt sei. "Wir wollen, dass Eltern und Schüler absolutes Vertrauen zu ihren Lehrkräften haben können. Die bekannt gewordenen Missbrauchsfälle dürfen dieses pädagogische Vertrauensverhältnis, das heute besser und enger ist als noch vor einigen Jahrzehnten, nicht nachhaltig beschädigen!"

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