GEW Baden-Württemberg
Jede Schule braucht Schulsozialarbeiter/innen
GEW: Mehr Zeit für Schüler/innen
Mehr zu: Baden-Württemberg, Gewalt in der Schule, Jugendhilfe und Sozialarbeit, Jugendschutz, SchuleDie Bildungsgewerkschaft GEW begrüßt die Empfehlungen des Landtagssonderausschusses zum Amoklauf in Winnenden als erste wichtige Schritte, die schnell umgesetzt werden sollten.
"Grundsätzlich brauchen Schulen bei ihrer Präventionsarbeit die enge, kontinuierliche Unterstützung durch Schulsozialarbeiter und Schulpsychologen. Sie brauchen Zeit und Kompetenzen, um Schüler/innen in jeder Lebenssituation zu stärken und zu stabilisieren. Lehrerinnen und Lehrer können das nicht alleine leisten. Es ist deshalb erschreckend, wenn sich Kultusministerin Marion Schick gegen weitere Schulsozialarbeiter ausspricht. Jede Schule in Baden-Württemberg sollte mindestens eine Schulsoziarbeiterin oder einen Schulsozialarbeiter haben", sagte Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am Dienstag (09.03.) in Stuttgart.
Grundlegendes Ziel für alle Maßnahmen sei ein Schulklima, das von gegenseitigem Respekt, Wertschätzung und Vertrauen geprägt ist. Die Gesellschaft müsse jungen Menschen Lebensperspektiven aufzeigen und ihnen vermitteln, dass sie gebraucht werden. "Gewaltprävention ist für die Bildungseinrichtungen und die gesamte Gesellschaft ein zentrales Thema. Es erfordert ein koordiniertes Vorgehen der Verantwortlichen und Akteure auf Landes-, kommunaler und Schulebene. Dabei ist uns bewusst, dass alle Maßnahmen keine 100prozentige Sicherheit vor solch massiven Gewaltausbrüchen wie vor einem Jahr in Winnenden garantieren können", sagte Moritz.
Die GEW als größte bildungspolitische Interessenvertretung in Baden-Württemberg ist Mitglied in der Stiftung "Gegen Gewalt an Schulen", die im vergangenen Jahr in Reaktion auf den Amoklauf in Winnenden gegründet wurde.
100 Schulpsychologen
Schulpsychologen spielen eine wichtige Rolle bei der Gewaltprävention in Schulen. Sie können dazu beitragen, frühzeitig gewaltbereite Schüler/innen zu identifizieren. Schulpsychologen können aber Amokläufe nicht verhindern.
Bundesweit kommen auf einen Schulpsychologen etwa 16.500 Schüler/innen. In Baden-Württemberg müssen 100 Schulpsychologinnen und Schulpsychologen etwa 1,5 Millionen Schülerinnen und Schüler betreuen. Der Südwesten ist damit auch im internationalen Vergleich Schlusslicht.
Der Bedarf an psychologischer Beratung ist gewachsen. Angesichts der vielen Probleme stehen die wenigen Schulpsychologinnen und Schulpsychologen vor einer "Sisyphusarbeit". Erschwert wird die Arbeit der schulpsychologischen Beratung in Baden-Württemberg auch dadurch, dass sie nicht an den Schulen, sondern extern in schulpsychologischen Beratungsstellen untergebracht ist.
In den USA und den PISA-Siegerländern Skandinaviens ist die schulpsychologische Beratung eine Selbstverständlichkeit. Auf eine Schulpsychologin oder Schulpsychologen kommen dort zwischen 800 und 1.000 Schülerinnen und Schüler. In Russland kommen auf einen Schulpsychologen etwa 500 Schüler/innen.
In Baden-Württemberg gibt es gut 1.400 Beratungslehrer, die Schüler/innen vor allem bei Fragen zu ihrer Schullaufbahn beraten. "Bei psychischen Problemen und Konflikten kann aber die engagierte Arbeit dieser Lehrerinnen und Lehrer eine professionelle schulpsychologische Arbeit nicht ersetzen", so die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz.
Weitere Informationen: www.gew-bw.de
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